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Vorurteile zur privaten Krankenversicherung

In meiner langjährigen Beratungspraxis begegnen mir immer wieder Vorurteile bzw. Einwände, durch die sich manche vom sinnvollen Wechsel in eine gute private Krankenversicherung (PKV) abhalten lassen. Dabei sagt eine TNS Emnid-Umfrage 2010 klar, dass 79% der PKV Versicherten sich bei Krankheit besser abgesichert sahen als in der gesetzlichen KV (GKV). Ganz oben auf der “Hitliste” stehen diese drei bzw. vier Fragestellungen (Details unten per Mausklick):

  1. Die PKV ist im Alter unbezahlbar
  2. Mit Familie ist die PKV unbezahlbar
  3. Ich komme nicht mehr zurück in die GKV und vielleicht noch
  4. Ich will solidarisch sein

1. “Die PKV ist im Alter unbezahlbar”

Eines muss klar gesagt werden: die PKV wird nicht deshalb teurer, weil der Versicherte älter wird! Älter werden ist nicht wirklich überraschend, sondern einkalkuliert. Deshalb sind Beiträge der PKV und der meisten Zusatzversicherungen so berechnet, dass diese “theoretisch” ein Leben lang konstant bleiben. Der Beitrag wird unter Berücksichtigung der Lebenserwartung kalkuliert, d.h. in jungen Jahren sind die Beiträge höher als die tatsächlichen Kosten, die später höheren Kosten werden aus diesem angesparten Kapital (“Altersrückstellung“) bezahlt.

Medizin wird jedes Jahr teurer, egal ob gesetzlich oder privat versichert.
Die Hauptgründe:

  • längere Lebenserwartung (jedes Jahr länger leben kostet doppelt so viel wie das vorherige) und
  • neue Behandlungsmöglichkeiten

Daraus ergibt sich eine “Inflationsrate Medizin” von im Schnitt 5-6% pro Jahr.

Die Situation in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV):
1970-2011 ist der Höchstbeitrag zur GKV jährlich im Schnitt um 6,47% gestiegen. Gleichzeitig wurden Leistungen erheblich gekürzt und Zuzahlungen eingeführt/erhöht, was vor allem Ältere und Kranke belastet. Die GKV arbeitet nach einem “Rückwärts-Umlageverfahren“: sie gibt erst Geld aus und lässt dann junge Berufstätige bezahlen. Haben Sie sich schon einmal gefragt woher bei unserer Bevölkerungsstruktur künftig die jungen GKV-Beitragszahler kommen?

Die Situation in der privaten Krankenversicherung (PKV):

Auch die PKV wird wird jährlich teurer. Leistungskürzungen sind hier jedoch vertraglich ausgeschlossen. Die durchschnittliche Steigerung eines guten PKV Tarifs fällt geringer aus als in der GKV. Wie kann die PKV preisstabiler sein als die GKV? Einer der Gründe: die PKV hat eine günstigere Risikostruktur, sie nimmt nur Gesunde auf, die meist über eine bessere Ausbildung verfügen. Jeder zahlt hier seinen eigenen Beitrag, es gibt keine “Familienversicherung”. Und das System ist deutlich zukunftssicherer als die GKV, da Kosten aus angesparten Rücklagen bezahlt werden (“Kapitaldeckungsverfahren“).

Ergebnisse einer aktuellen Studie der Deutschen Aktuarvereinigung (6/2011):

  1. nahezu vergleichbare jährliche Beitragssteigerung in PKV und GKV von rund 3% … in den letzten Jahren (sind) die Beiträge in der GKV deutlich stärker angestiegen als in der PKV und
  2. die PKV Beiträge ab Alter 65 verlaufen fast konstant und sinken in den höheren Altern dann sogar wieder.

Laut aktuellem Map-Report 791-7921 aus 02/2012 haben 18 getestete PKV Unternehmen 2012 die Beiträge für Angestellte im Schnitt um 7,83 € oder 1,98% angehoben. Von 2000-2012 wurden die Beiträge bei Angestellten jährlich durchschnittlich um 12,50 € oder 4,1% erhöht, also deutlich weniger, als in gelegentlich auftretenden Einzelfällen gerne öffentlich ausgeschlachtet wird.

Folgende zusätzlichen Vorkehrungen sorgen in der der PKV für bezahlbare Beiträge im Alter:

  • als Teil der Prämie wird neben Risiko- und Kostenbeitrag eine tarifliche Alterungsrückstellung zur Senkung der Altersbeiträge gebildet
  • 10%iger Beitragszuschlag gem. §12 VAG, wird angelegt und zur Reduzierung der Beiträge im Alter verwendet
  • mit Rentenalter entfallen Beitragskomponenten wie z.B. Krankentagegeld und der 10%ige gesetzliche Zuschlag
  • auch PKV-versicherte Rentner erhalten meist einen Zuschuss des Rentenversicherungsträgers zur Krankenversicherung
  • Versicherte haben gem. §204 VVG ein Recht zum Wechsel in einen günstigeren Tarif bei der gleichen Gesellschaft. Dabei werden die bereits gebildeten Altersrückstellungen voll berücksichtigt. Lt. einem Vergleich der Zeitschrift Ökotest (10/2011) lässt sich so gerade bei älteren Versicherten teilweise mehr als die Hälfte des Beitrages einsparen.
  • zur Not besteht immer noch die Möglichkeit des Wechsels in den Standard- bzw. Basistarif (Leistungen ~ GKV, max. Durchschnitt GKV Höchstbeitrag, 2011: ca. 575 EUR p.m., mehr zur Hilfsbedürftigkeit siehe unten)
  • Durch Anlage der Ersparnis aus dem Wechsel in die PKV wird der Beitrag im Alter nachhaltig reduziert (siehe unter “Altersbeitragsentlastungssparen” – nach dem dortigen Rechenbeispiel ergibt sich durch die Anlage der Ersparnis ab 67 eine monatliche Beitragsreduzierung um 1.600 EUR!)

Hier ein konkretes Beispiel: die selbstständige Mutter eines guten Freundes, geb. 1935, zahlt bei der DKV für ihre PKV monatlich 675,95 EUR (Stand 2010). Laut Tarif würde sie 1.175,14 EUR p.m. bezahlen, davon wird jedoch ihre Altersrückstellung i.H.v. 519,73 p.m. abgezogen. Hier der (anonymisierte) Versicherungsschein.

2. “Mit Familie ist die PKV unbezahlbar”

Anders als in der GKV bezahlt bei der PKV jedes Familienmitglied einen eigenen Beitrag – und hat damit auch einen eigenen Anspruch auf optimale medizinische Versorgung.

Je nach Qualität der PKV und Eintrittsalter kann man stark vereinfacht sagen:

  • Bei nicht erwerbstätigem Ehepartner ist die PKV bis einschließlich 2 Kindern nicht teurer als die GKV wenn man auch die Leistungsunterschiede berücksichtigt, die z.B. durch Zusatzversicherungen auszugleichen wären.
  • Arbeitet der Ehepartner nach ein paar Jahren wieder (und zahlt dann ohnehin einen eigenen KV Beitrag), dann ist für eine Familie mit bis zu 3 Kindern leistungsbereinigt die PKV nicht teurer als die GKV.
  • Bei mehr als drei Kindern stellt sich die Frage, ob Ihnen die Gesundheit Ihrer Familie einen gewissen Mehrbeitrag wert ist.

Bei  Beamten (wg. Beihilfe) und Ärzten (wg. rabattierten Ärztetarifen) verschiebt sich die Kinderzahl ggf. noch etwas nach oben.

3. “Ich komme nicht mehr zurück in die GKV”

Welche Gründe könnte es geben, wieder in die GKV mit schlechteren Leistungen zurück zu wollen? Z.B. könnte das Geld knapp werden durch sinkendes Einkommen oder Arbeitslosigkeit. Der Beitrag der GKV ist einkommensabhängig, würde in diesen Fällen also ggf. wieder sinken.

Auch in der PKV ist hierfür jedoch vorgesorgt. Bei Zahlungsschwierigkeiten kann ein Wechsel in den sog. “Basistarif” helfen, der vergleichbare Leistungen wie die GKV maximal zum durchschnittlichen GKV Höchstbeitrag (2011: ca. 575 EUR p.m.) bietet. Bei “Hilfsbedürftigkeit” wird der Beitrag für den Basistarif gem. §12 Abs. 1c VAG halbiert (2011: 287,50 EUR). Damit zahlt ein PKV versicherter jetzt arbeitsloser/hilfsbedürftiger früher Selbstständiger für seine PKV weniger als den ansonsten anfallenden GKV Mindestbeitrag von 327,68 EUR inkl. Pflegeversicherung (Stand 2011)! Kann er das immer noch nicht bezahlen, greift die staatliche Grundsicherung/Sozialhilfe mit einem zusätzlichen Zuschuss gem. § 106 SGB VI von derzeit monatlich ca. 129 EUR.

4. “Ich will solidarisch sein”

Ich bin ein großer Freund davon, dass gut situierte Menschen andere, die im Leben weniger Glück haben, finanziell unterstützen. Tun Sie dies dann aber bitte direkt, z.B. indem Sie einen Teil der durch den Wechsel in die PKV oft erzielten Ersparnis für die Christoffel Blindenmission oder Worldvision spenden, und nicht durch Füttern der Verwaltungsstrukturen eines maroden Sozialsystems!

Fazit: solange Sie gesund sind, gibt es wenig Argumente für einen Verbleib in der GKV!

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