Marktbericht
Hier finden Sie quartalsweise den aktuellen Marktbericht mit einer Einschätzung der Märkte (Aktien, Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe) und einem Ausblick.
Marktbericht 1. Quartal 2012
Das erste Quartal des neuen Börsenjahres war von einer starken Kurserholung an den Wertpapiermärkten geprägt. Positiv wirkten sich die besser als erwartete Weltkonjunktur, die Entspannung der europäischen Staatsschuldenkrise und die fortgesetzte Politik der Notenbanken aus, den Banken viel Liquidität zu niedrigen Zinsen zur Verfügung zu stellen.
Aktienmärkte
In den ersten Wochen des Jahres erlebten die meisten Aktienmärkte eine Kursrallye, obwohl die Euro-Schuldenkrise noch das vorherrschende Thema war. In dem Maße, in dem sich die Verhandlungen zum Schuldenschnitt für Griechenland einem Ergebnis näherten, erholten sich die Börsen. Zur Entspannung trug die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidend bei, indem sie zum zweiten Mal binnen weniger Monate den europäischen Geschäftsbanken rund eine halbe Billion Euro für drei Jahre zu einem Prozent Zinsen lieh. Auch die US-Notenbank kündigte an, ihre Politik billiger Refinanzierungsmöglichkeiten für Banken über das Jahr 2013 hinaus fortzusetzen.
An der „Konjunkturfront“ signalisierten die Einkaufsmanagerindizes für die USA, für Europa und China gleichermaßen, dass die Rezessionsängste Ende 2011 übertrieben waren. In den USA wurde dieser Eindruck auch von besseren Auftragseingängen, Arbeitsmarkt- und Immobilienmarktdaten unterstützt. In Europa erweist sich Deutschland als „Fels in der Brandung“: Während die meisten anderen europäischen Länder mit den Folgen ihrer hohen Staatsschulden und mit schwachem Wirtschaftswachstum zu kämpfen haben, profitiert die deutsche Volkswirtschaft von ihrer hohen Bonität und ihrer Exportstärke. Deutsche Ausfuhren gehen nicht zuletzt nach Asien, wo die Wirtschaftsdaten auch besser ausfielen als von vielen erwartet. China dürfte ein sogenanntes „soft landing“ seiner Wirtschaft gelingen, also zwar nicht mehr ganz so hohe, aber weiterhin positive Wachstumsraten bei rückläufiger Inflation. Letzteres dürfte einer geldpolitischen Lockerung den Weg ebnen. Der Aktienmarkt Hongkong verzeichnete schon eine Kurserholung. Noch rasanter startete der indische Aktienmarkt ins neue Jahr – allein im Januar stieg der S&P/IFCI India Index auf Dollarbasis um 24 Prozent. Auch für Indien wird entscheidend sein, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Den stärksten Aufwärtstrend im Fernen Osten zeigte im ersten Quartal die Börse Bangkok: Die Wirtschaft erholt sich von den Belastungen durch die Überschwemmungen. Die Inflation ist mit Jahresraten unter 4 Prozent vergleichsweise niedrig. Und die Konjunkturdaten sprechen für eine steigende Binnennachfrage, steigende Einkommen und stärkere Handelsdaten.
Mitte März markierten die meisten Aktienindizes zumindest vorläufige Hochpunkte. „Gewinnmitnahmen“, also Verkäufe von Anlegern, die zu tieferen Kursen gekauft hatten, und ein Mangel an sogenannten „Anschlusskäufen“, also Kauforder von bislang unterinvestierten Anlegern, beendeten den Aufwärtstrend, der das erste Quartal zu einem der besten für die Aktienmärkte seit langem gemacht hatte.
Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe
Auch am Rentenmarkt schlug sich im ersten Quartal die steigende Zuversicht der Anleger in höheren Kursen nieder, obwohl die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) im Januar die Schuldnerbonität von neun Euro-Staaten herabstufte. Die Kapitalmärkte würdigten aber die Stabilisierungsmaßnahmen – u.a. in Form des vorgezogenen Starts des dauerhaften Rettungsfonds „ESM“ in Verbindung mit der Verpflichtung von 25 der 27 EU-Staaten zu einer nachhaltigen Haushaltspolitik. Staatsanleihen mit guter Bonität, die im Vorjahr von der „Flucht in Sicherheit“ profitiert hatten, waren in den ersten Monaten dieses Jahres weniger gefragt. Während die zehnjährige REX-Rendite mit 1,99 Prozent das erste Quartal exakt auf dem Stand beendete, der schon zum Jahreswechsel erreicht worden war, stieg die Rendite entsprechender US-Staatsanleihen von 1,88 auf 2,17 Prozent. Dagegen entwickelten sich insbesondere Unternehmens- und Hochzinsanleihen sehr positiv.
Die Umschuldung der griechischen Staatsanleihen ist mit einem weitreichenden Schuldenerlass und entsprechenden Verlusten für die Anleihegläubiger verbunden: Das Umtauschangebot wurde für 172 Mrd. Euro der 206 Mrd. Euro in der Hand privater Gläubiger befindlichen griechischen Staatsanleihen angenommen. Weitere 27 Mrd. Euro konnten mittels der im Februar als griechisches Gesetz nachgeschobenen Umschuldungsklausel „Collective Action Clauses“ zum Umtausch gezwungen werden. Für 31,5 Prozent der alten Griechenland-Anleihen erhielten die Gläubiger neue Anleihen Griechenlands mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren, deren eher schlechte Verzinsung mittels sogenannter „GDP-linked Securities“ im Falle einer guten Wirtschaftsentwicklung in Griechenland ab dem Jahr 2015 um ein Prozent pro Jahr nachgebessert werden soll. Nur für zusammen 15 Prozent der alten Nominalforderung erhielten die Griechenland-Gläubiger zwei kurzlaufende Anleihen des europäischen Rettungsfonds EFSF. 53,5 Prozent des alten Nennwertes wurden nicht ersetzt.
Der 2011 bestehende Abwärtstrend der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar endete im Januar bei 1,26 Dollar. Mit der zumindest vorübergehenden Entschärfung der griechischen und europäischen Staatsschuldenkrise erholte sich der Euro bis Ende Februar auf fast 1,35 Dollar und pendelte anschließend zwischen 1,30 und 1,34 Dollar. Der japanische Yen hatte das Jahr nahe seinem historischen Höchststand gegenüber dem US-Dollar bei 76 Yen begonnen. Von Anfang Februar bis Mitte März gelang es der japanischen Notenbank mit ihrer lockeren Geldpolitik den Wechselkurs auf 84 Yen pro Dollar zu bewegen.
Die Rohstoffpreise zogen in Erwartung einer besseren Weltkonjunktur mehrheitlich bis März an. Ein Barrel der nordeuropäischen Ölsorte Brent erreichte im März das Mehrjahreshoch aus dem Vorjahr bei knapp 127 Dollar. Auch der Goldpreis stieg bis Anfang März von rund 1.550 Dollar auf fast 1.800 Dollar, gab aber im März die Hälfte dieses Gewinnes wieder ab. Damit setzte sich die schon im vierten Quartal 2011 bestehende Pendelbewegung fort.
Ausblick
Das Risiko eines Zusammenbruchs des Banken- oder Währungssystems ist im Laufe des ersten Quartals kleiner geworden, womit das Basisszenario für 2012 umso mehr Gültigkeit besitzt: Die Weltwirtschaft insgesamt erlebt keine Rezession, wohl aber einzelne Länder, insbesondere solche, die trotz struktureller Schwächen sparen müssen. Von dort (beispielsweise Spanien) gehen im Jahresverlauf Risiken für die Kapitalmärkte aus.
China dürfte ein „soft landing“ erleben, so dass im Jahresverlauf 2012 eine geldpolitische Lockerung möglich erscheint. Nicht nur dort dürften die Inflationsraten in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr sinken. In der Euro-Zone bleibt zumindest die größte Volkswirtschaft, Deutschland, „Fels in der Brandung“.
Das mittelfristige Bild an den Aktienmärkten hat sich zwar im Laufe des ersten Quartals verbessert, wobei dieser Aufwärtstrends aber keinen Bestand haben. Taktisch gilt es an den Aktienmärkten vorsichtig zu bleiben, langfristig ist der Bewertung vieler Aktien aber weiterhin attraktiv.
Die zweifellos überwiegend gute Ertragslage der Unternehmen lässt verschiedene Interpretationen zu: Während die Optimisten die rekordhohen Gewinnmargen der Unternehmen als Folge langjähriger Optimierungsprozesse und dauerhafter Erhöhung der Produktivität sehen und Aktien daran gemessen preiswert sind, gehen die Pessimisten davon aus, dass nicht nur der Zenit der Gewinnmargen,
sondern auch der Gewinne selbst erreicht ist. Auf die jetzigen Rekorde müsse nach dieser Auffassung eine Verschlechterung folgen. Gemessen am langfristigen Mittelwert der Unternehmensgewinne seien Aktien sogar teurer als im historischen Durchschnitt.
Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheiduneng sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!
Ihr
Berndt Schlemann
Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln

