Marktbericht 1. Quartal 2013

MarktberichtDas 1. Quartal 2013

Nachdem die letzten Wochen des Jahres 2012 vom politischen Streit in den USA um die Fiskalpolitik und das drohende „fiscal cliff“ geprägt waren, honorierten die Kapitalmärkte zu Beginn des neuen Jahres eine Übergangslösung im US Budgetstreit mit einem Kurssprung. Obwohl es bei der Staatsschuldenkrise weder in den USA noch in Europa wesentliche Fortschritte gab, prägte die hoffnungsvolle Stimmung das Börsengeschehen. Im späteren Verlauf des ersten Quartals brachte sich die Euro-Staatsschuldenkrise wieder in Erinnerung.

Aktienmärkte

Das neue Jahr begann an den Aktienbörsen mit Kursgewinnen. Nahezu alle Aktienindizes verzeichneten Zuwächse.

An die Spitze des Kursaufschwungs setzte sich die alte Weltleitbörse in New York. Der Dow Jones Industrial Average beendete das erste Quartal mit einem neuen Rekordhoch bei 14.578 – ein Plus von 11,25 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres. Der alte Rekord lag bei 14.166 und stammte aus Oktober 2007. Die Stimmung an der Wallstreet ist optimistisch. Den Unternehmen geht es gut. Sie haben hohe Margen und konnten Umsätze und Gewinne sogar tendenziell noch steigern. Der Wirtschaft insgesamt geht es aber noch nicht so gut, da die Kosten stärker steigen, beispielsweise die Lohnkosten. Denn die Arbeitslosigkeit sinkt nur langsam. Deshalb lässt die Notenbank die Zinsen extrem niedrig und kauft jeden Monat für über 80 Milliarden Dollar Anleihen. Die niedrigen Zinsen beleben Wirtschaft und Aktienmarkt. Beispielsweise kaufen wieder mehr Amerikaner neue Autos. Und auch der Markt für Wohnimmobilien hat nach Jahren der Preisrückgänge und eines Überangebots die Trendwende geschafft. Der S&P-500-Aktienindex legte vor diesem Hintergrund im ersten Quartal 10,0 Prozent auf 1.569 zu und erreichte damit fast den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2007 bei 1.576.

Hohe Kursgewinne erlebte im ersten Quartal die japanische Börse. Der Nikkei-225-Index in Tokio verzeichnete einen Anstieg um 19,3 Prozent auf 12.398. Für ausländische Anleger fiel der Gewinn allerdings deutlich geringer aus, weil die japanische Währung im Außenwert verlor. Gegen US-Dollar sank der Yen um 8,6 Prozent. Vom fallenden Yen versprechen sich Japaner und Aktieninvestoren eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Exportwirtschaft auf den Weltmärkten.

In Europa brachte sich die Finanzkrise wieder in Erinnerung, so dass im Februar und in der zweiten Märzhälfte die zuvor erzielten Kursgewinne wieder verloren gingen. Der Euro-Stoxx-50 beendete das erste Quartal nahezu unverändert bei 2.624. Sorgen bereitete der unklare Wahlausgang in Italien und im März schließlich die Finanzkrise Zyperns. Nachdem die Banken des Inselstaates viel Geld in Griechenland abschreiben mussten, stehen sie selbst vor der Pleite. Dabei würden ihre Kunden wohl einen Großteil ihrer Bankguthaben verlieren. Nur unter der Bedingung einer weitreichenden Beteiligung der Bankkunden war die Eurogruppe bereit, Hilfskredite zur Verfügung zu stellen, weil andernfalls indirekt der Euro-Steuerzahler die Geschäfte von Euro-Ausländern absichern würde. Die Suche der zypriotischen Regierung nach einer alternativen Lösung blieb erfolglos. Moskau reklamierte zwar, dass nun russische Bankkunden Geld verlieren, war selbst aber nicht zu ausreichenden Hilfen bereit. Die Sonderabgabe auf Bankguthaben wirft die Frage auf, ob diese ein Einzelfall bleibt oder zum Modell künftiger Rettungsmaßnahmen wird.

Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe

Die besseren Aussichten für die Weltwirtschaft führten in den ersten Wochen des neuen Jahres zu Kursverlusten bei Staatsanleihen hoher Bonität. Im Februar und März sanken die Renditen aber wieder und die Kurse erholten sich, weil erkennbar wurde, dass die schwächliche Weltkonjunktur noch keinen Zinsanstieg zulassen würde. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen rentieren Ende März mit 1,36 Prozent 8 Basispunkte niedriger als bei Jahresbeginn, während US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit mit 1,85 Prozent eine leicht höhere Rendite als bei Jahresbeginn bringen. Bei Euro-Ländern schlechterer Bonität war die Entwicklung sehr unterschiedlich: Während Irland beispielsweise bei der Rückkehr an den Markt für langlaufende Staatsanleihen viel Nachfrage erlebte, hatte Italien angesichts unklarer politischer Verhältnisse Probleme, seine Staatsanleihen an den Mann zu bringen.

Die Rohstoffpreise entwickelten sich im ersten Quartal uneinheitlich und pendelten mehrheitlich seitwärts. Der Dow AIG Commodity- und der RICI- Index lagen Ende März ein bis gut zwei Prozent höher als zum Jahreswechsel, vor allem wegen gestiegener Agrarrohstoffpreise. Bei Industriemetallen überwogen dagegen Preisrückgänge. Beim Rohöl reduzierte sich die Preisdifferenz zwischen US-Öl und europäischem Öl von beiden Seiten etwas, indem ein Barrel WTI 5 Dollar auf 97 Dollar stieg, während ein Barrel Brent rund 1,50 Dollar auf knapp 110 Dollar billiger wurde. Der Preis für eine Unze Gold sank seit Jahresbeginn um 4,6 Prozent auf knapp 1.600 Dollar. In Euro gerechnet fiel der Goldpreisrückgang nur etwa halb so stark aus, weil der US-Dollar im ersten Quartal rund drei Prozent gegen Euro gewann. Bis Anfang Februar hatte sich zunächst die Euro-Erholung bis 1,365 Dollar pro Euro fortgesetzt, dann prägten aber die Sorgen um Italien und Zypern das Geschehen an den Devisenmärkten und die Gemeinschaftswährung sank wieder auf 1,28 Dollar.

Ausblick

Europa steckt weiter in der Rezession. Die Weltwirtschaft insgesamt befindet sich aber auf Wachstumskurs, denn aus den drei größten Volkswirtschaften der Welt, den USA, China und Japan, mehren sich positive Signale. Das Gesamtbild lässt mühsames Wirtschaftswachstum erwarten. Für die USA bedeutet das wieder eine Steigerung des Sozialproduktes um rund zwei Prozent, für China gut acht Prozent in diesem Jahr.

Der schwierige Aufschwung dürfte bis auf weiteres Inflationsgefahren begrenzen und eine Fortsetzung der Politik des billigen Geldes erlauben. Vor diesem Hintergrund sollten die Renditen für Staatsanleihen nicht stark ansteigen – allerdings auch nicht mehr weiter sinken. Damit bleibt an den Anleihemärkten das Rendite / Risiko – Verhältnis verschlechtert. Dass niedrige Zinskupons schnell von Kursverlusten übertroffen werden können, zeigten die ersten Wochen dieses Jahres. Die Kombination billiger Notenbank-Liquidität mit schwachem Wachstum begünstigt die Aktienmärkte. Letztendlich entscheidend wird aber die Entwicklung der Unternehmensgewinne sein.

Wir rechnen damit, dass die bisher vorherrschenden Abwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen einen Boden finden. Damit würde aus Sicht der fundamentalen Bewertung weiterer Spielraum für Kursgewinne entstehen, insbesondere für europäische Aktien, die auch im ersten Quartal unter der Euro-Staatsschuldenkrise litten. Anders ausgedrückt: Viele Aktien sind gemessen an ihrer Substanz und Ertragskraft immer noch zu billig. An den Devisenmärkten setzte sich die Erholung des Euro nur bis Ende Januar fort. Die folgende Euro-Schwäche verlor im März an Dynamik, so dass eine anhaltende Pendelbewegung innerhalb der im vergangenen Jahr entstandenen Spannweite zu erwarten ist. Der Goldpreis profitierte nur wenig von der Zypern-Krise, so dass eine Rückkehr über 1800 Dollar / Unze weniger wahrscheinlich ist als ein Test der Unterstützung bei 1.520 Dollar / Unze.

Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheidungen sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!

Ihr
Berndt Schlemann

Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln und bundesweit

http://www.schlemann.com