Marktbericht 2. Quartal 2013

MarktberichtDie Euro-Finanzkrise, die die Börsen lange be­schäftigt hatte, trat im Laufe des zweiten Ka­lenderquartals 2013 in den Hintergrund. Gestützt auf eine gute Konjunkturentwicklung in den USA erreichten im Mai viele Aktienindizes ihre bis­herigen Jahreshochs; Dow Jones und DAX so­gar neue Rekordstände. Dann aber brach­ten Sorgen vor einem Ende der extrem locke­ren Geldpolitik die Kapitalmärkte unter Druck: Akti­en, Anleihen und Rohstoffe wurden zum Teil deutlich billiger.

Aktienmärkte

Nach Kursverlusten in der ersten Aprilhälfte überwogen an den Aktienmärkten bis Mitte Mai Kursgewinne – gestützt auf das Lieblingssze­nario der Börsianer: Viel billiges Zentralbankg­eld bei geringer Inflation und be­ginnender Kon­junkturerholung. In diesem Sin­ne un­terstützte zunächst eine Leitzinssenkung der Europäi­schen Zentralbank (EZB) die Börsenentwickl­ung. Der populäre US-amerikani­sche Dow Jo­nes Industrial Average erreichte mit 15.542 im Mai ein neues Rekordhoch. Er be­endete das zweite Quartal mit einem Plus von 2,3 Prozent bei 14.910, was für das erste Halbjahr einen Anstieg um 13,8 Prozent be­deutet.Die Kursral­ly am japanischen Aktien­markt setzte sich sti­muliert von der dortigen Geldpolitik ebenfalls fort: Der japanische Nik­kei-225-Index, der noch im November unter 8.700 notiert hatte, erreich­te mit 15.942 den höchsten Stand seit 2008. Zur Jahresmitte stand der Nikkei-Index bei 13.677, was ein Plus von 10,3 Prozent für das zweite Quartal und von 31,6 Prozent für das Halbjahr bedeu­tet.

Beim deutschen Aktienin­dex DAX stieg der sogenannte Performancein­dex, der die Divi­dendenzahlungen einrechnet, auf ein neues Rekordhoch bei 8.557 Punkten. Der Anstieg des DAX beträgt im zweiten Quar­tal 2,1 Pro­zent und damit im Halbjahr 4,6 Pro­zent. Er­rechnet man den Indexstand allein aus den ak­tuellen Aktienkursen, den sogenannten Preis- oder Kursindex, blieb der DAX aller­dings, wie die anderen europäischen Aktienin­dizes auch, noch deutlich unter dem Hoch der Jahre 2000 und 2007.

Der Euro-Stoxx-50 ver­lor seine zwi­schenzeitlichen Gewinne wieder und beendete das erste Halbjahr bei 2.603 knapp unter dem Stand vom Jahresbeginn und Ende März.

Im Juni traten Meldungen in den Vordergrund, wonach bei der US-amerikanischen Noten­bank Federal Reserve Bank, kurz „Fed“, über ein be­vorstehendes Ende der sehr lockeren Geld­politik nachgedacht werde. Als der Fed-Präsi­dent, Ben Bernanke, tatsächlich eine schritt­weise Verringerung der Anleihekäufe in Aus­sicht stellte, beschleunigte sich der Kursrück­gang bei Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Die Auswirkungen steigender Zinsen auf die Akti­enmärkte sind indirekter Art: Höhere Zin­sen bedeuten teurere Kredite für Unternehmen und Konsumenten. Das bremst die Investitio­nen, die gesamte Konjunktur und letztendlich die Gewinnentwicklung der Unternehmen.

Gleichzeitig erlebten die Emerging Markets einen zunehmenden Abzug von Kapital, was an den Schwellenländer-Börsen zu fallenden Wertpapier- und Devisenkursen führte. Die Ak­tienmärkte in Kontinentalasien, Lateinamerika und Osteuropa vergrößerten deshalb im zwei­ten Quartal ihre Verluste. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung in Bra­silien und der Massendemonstrationen sank beispielsweise der Bovespa-Index der Aktien­börse in Sao Paulo von Anfang April bis Ende Juni um 16 Prozent. Im Mittelpunkt der inter­nationalen Aufmerksamkeit stand China, wo ei­nerseits das Wirtschaftswachstum hinter den hohen Erwartungen zurückbleibt und anderers­eits eine Liquiditätskrise den Bankensek­tor be­lastet. Auch an den chinesischen Aktienmärkt­en vergrößerten sich die schon im ersten Quar­tal entstandenen Kursverluste.

Erst als die Sorgen um die Geldpolitik der US-Notenbank und die wirtschaftliche Entwicklung in China in der letzten Juniwoche kleiner wur­den, stabilisierten sich die Börsenkurse welt­weit wieder.

Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe

Auch die Rentenmärkte erlebten im Mai eine Wende: Zunächst hatte sich der Kursauf­schwung bei Anleihen fortgesetzt. Die Europäi­sche Zentralbank hatte Anfang Mai ihren Leit­zins von 0,75 Prozent auf das Rekordtief von 0,50 Prozent gesenkt und die Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung der Banken verlängert. Im Juni nahm dann allerdings die Bank of Chi­na einen Liquiditätsengpass bei chinesischen Banken offenbar billigend in Kauf und die US-Notenbank „Fed“ kündigte ein schrittweises Ende ihrer Anleihekäufe an, falls sich die US-Konjunktur weiter erhole. Bislang kauft die Fed im Rahmen ihrer „Quantitative Easing“ ge­nannten Politik jeden Monat für 85 Mrd. Dol­lar Staatsanleihen und Immobilienpapiere. Die­sen Betrag wolle man schrittweise bis Mitte kom­menden Jahres auf Null senken, wenn sich die wirtschaftliche Erholung in den USA wie er­hofft fortsetze und sich in sinkender Arbeitslo­sigkeit bemerkbar mache. Viele Marktteilneh­mer wer­teten dies offenbar als Beginn einer großen Zinswende.

Die laufende Verzinsung von US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit stieg auf 2,49 Prozent zur Jahresmitte. Drei Monate zu­vor hatte sie noch bei 1,85 Prozent und An­fang des Jahres sogar nur bei 1,76 Pro­zent gele­gen. Bei 30-jährigen T-Bonds fiel der Rendit­eanstieg nicht ganz so stark aus, näm­lich von 2,95 Prozent bei Jahresbeginn über 3,10 Pro­zent Anfang April auf 3,49 Prozent zur Jahresm­itte. Der Zinsanstieg blieb aber nicht auf die USA beschränkt. So stieg beispielswei­se die Rendite deutscher zehnjähriger Bundes­anleihen von 1,36 Anfang April auf 1,78 Pro­zent Ende Juni.

Bei festverzinslichen Wertpapieren wirkt sich eine veränderte Notenbankpolitik unmittelbar aus: Bislang trat die „Fed“ Monat für Monat selbst als Käufer von Anleihen auf. Diese Nachfrage hielt die Anleihekurse auf hohem Ni­veau. Wenn künftig dieser große Käufer von Anleihen wegfällt, könnte das die Kurse auch längerfristig fallen lassen. Anders ausgedrückt: Die Zinsen für Anleihen müssten höher wer­den, um andere Käufer zu finden. Ein Trend zu steigenden Zinsen würde für den Rentenmarkt einen Abwärtstrend bei den Kursen bedeuten.

Größter Verlierer der veränderten Notenbank­politik wurden die Edelmetalle. Die Preisrück­gänge bei Gold und Silber beschleunigten sich nach Bekanntgabe der US-Notenbank, ihre bislang extrem lockere Geldpolitik allmählich zu normalisieren. Der Preis einer Unze Gold verbilligte sich im zweiten Quartal in US-Dollar um 22,8 Prozent auf 1.234 Dollar und in Euro um 23,9 Prozent auf 949 Euro. Der Preis für eine Unze Silber fiel sogar um 30,5 Prozent auf 19,64 Dollar. Sollte die US-Notenbank tatsäch­lich ein Ende ihrer Politik des billigen Dol­lars einleiten, würde das im Verhältnis der Edelme­talle zum US-Dollar eher für die Pa­pierwährung sprechen.

Im Verhältnis der Pa­pierwährungen zueinander, den Devisenkur­sen, werteten US-Dollar und Euro gemeinsam gegenüber dem japanischen Yen und den meisten anderen Währungen auf. Der Dollar-pro-Euro-Wechsel­kurs pendelte im zweiten Quartal zwi­schen 1,28 und 1,34. Der japani­sche Yen setz­te sei­nen Abwärtstrend fort, wenn auch nicht mehr so schnell wie in den zwei vorausgegan­genen Quartalen: Zur Jah­resmitte kostete ein US-Dol­lar 99 Yen, Ende März waren es 94 Yen und zu Jahresbeginn 87 Yen gewesen.

Ausblick

Unser Szenario hat sich in den vergangenen drei Monaten weitgehend bestätigt: Europa be­findet sich weiter in der Rezession, aber die drei größten Volkswirtschaften der Welt, die USA, China und Japan, wachsen – wenn auch nicht ohne Probleme. Für die USA kann man die Prognose eines Wirtschaftswachstums von gut zwei Prozent in diesem Jahr unterstrei­chen. Für China nehmen wir unsere Prognose von etwas über acht Prozent auf knapp acht Prozent zurück. Positiv überraschen kann Japan. Wenn sich die Effekte der extrem lockeren Geldpolitik und des schwächeren Yen im zweiten Halbjahr auch in den Unternehmensgewinnen nieder­schlagen, dürfte der japanische Aktienmarkt zu den besseren dieses Jahres gehören.

Darauf, dass sich an den Anleihemärkten das Rendite / Risiko – Verhältnis verschlechtert hatte und die niedrigen Zinskupons schnell von Kursverlus­ten bei Anleihen übertroffen werden konnten, war an dieser Stelle hingewiesen worden. Die sich öffnende Schere in der Konjunktur- und Zinsentwicklung zwischen den USA und Euro­pa verschafft dem US-Dollar einen Vorteil, so dass er gegen den Euro zulegen dürfte.

Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheidungen sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!

Ihr
Berndt Schlemann

Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln und bundesweit

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