Marktbericht 3. Quartal 2012

MarktberichtNachdem im zweiten Quartal die Sorgen um die europäische Staatsschuldenkrise und die Konjunkturentwicklung das Börsengeschehen geprägt hatten, stand das dritte Quartal im Zeichen einer Entspannung – gestützt auf Anleihekäufe der Notenbanken.

Eine Kursrallye erlebten Wertpapiere, die zuvor unter ihrer Verbindung zur Euro-Schuldenkrise gelitten hatten, also Anleihen aus den Euro-Peripheriestaaten und Aktien aus dem Finanzsektor. Konjunkturempfindliche Aktien entwickelten sich angesichts der lahmenden Weltkonjunktur weniger gut.

Aktienmärkte

Die erklärte Entschlossenheit des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, den Euro um jeden Preis zu retten und weitreichende Programme zum Aufkauf von Anleihen durch die Notenbanken prägten das Börsengeschehen über die Euro-Zone hinaus. Dass sich gleichzeitig die Anzeichen für eine schwächere Konjunkturentwicklung mehrten und die Unternehmensergebnisse des zweiten Quartals durchwachsen ausfielen, sorgte zur Jahrmitte noch für Kursschwankungen, verlor aber im Verlauf des Sommers an Einfluss.

Ende Juli bis Mitte August profitierten die Akti­enmärkte von der Erwartung weiterer Geld­spritzen, sodann  in der ersten Septemberhälf­te von konkreten Entscheidungen der Noten­banken für Staatsanleihe-Kaufprogramme und des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum neuen Hilfsfonds, „Europäischer Stabili­tätsmechanismus“, kurz „ESM“. Die EZB hat ein Programm namens „Outright Monetary Transactions“, kurz „OMT“ beschlossen. Da­nach darf sie kurzlaufende Anleihen von Euro-Staaten aufkaufen, die im Gegenzug Maßnah­men zur Sanierung ihrer Staatshaushalte er­greifen. In die gleiche Richtung wirkt auch der ESM: Der Fonds soll, wie sein Vorläufer EFSF, Euro-Staaten, die am freien Kapitalmarkt kein Geld mehr erhalten, Überbrückungskredite geben – ebenfalls gegen Zusage von Sanierungsmaßnahmen.

Auch die US-amerikanische und die japanische Notenbank beschlossen sogenannte „Quantitative Easing“-Programme zum Aufkauf von Staatsanleihen. Die Entscheidungen wurden von den Börsen als wichtige Weichenstellungen bei Überwindung der akuten Staatsschuldenkrise gewertet. Die Gefahr von Staatspleiten und einer Wirtschaftskrise aus Mangel an Geld und Kredit ist damit deutlich gesunken. Allerdings steigt längerfristig das Risiko einer Inflation, also eines zunehmenden Kaufkraftverlustes.

In New York erreichte der Dow Jones Industri­al Average im September ein Vier-Jah­res-Hoch bei 13.653 und beendete das Quartal mit einem Plus von 4,3 Prozent bei 13.437. Der Euro-Stoxx-50 legte von Ende Juni bis Ende September fast doppelt so stark zu (8,4 Pro­zent auf 2.454 Zähler). Das reichte aber nicht, um das bisherige Jahreshoch von März bei 2.611 zu überwinden. Der Deutsche Aktienin­dex (DAX) verzeichnete sogar einen Zuwachs von 12,5 Prozent mit einem Anstieg auf 7.216. Das Mitte September erreichte Jahreshoch bei 7.478 ist immerhin der höchste Stand seit Juli 2011 gewesen.

Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe

Die Ankündigung des EZB-Präsidenten Mario Draghi, den Euro um jeden Preis zu retten, festigte die Erwartung von Staatsanleihekäu­fen durch die europäische Notenbank. Davon profitierten Anleihen der Euro-Peripheriestaa­ten schon vor der Ankündigung eines konkre­ten Kaufprogramms und der Entscheidung des deutschen Verfassungsgerichts zugunsten des neuen Euro-Rettungsfonds. Mit Bekanntgabe dieser Weichenstellungen stiegen die Kurse von Staatsanleihen der Euro-Mittelmeerländer, womit die Renditen fielen.

Umgekehrt setzte sich der Trend zu immer geringeren Renditen für deutsche Bundesanleihen im dritten Quartal nicht mehr fort: Nach einem Rekordtief zum Monatswechsel Mai / Juni, als die Umlaufrendite mit nur 0,92 Prozent ein historisches Rekordtief erreicht hatte, pendelten Bundesanleihen mit leicht gegenläufiger Tendenz seitwärts. Die Umlaufrendite stieg bis Mitte September auf 1,34 Prozent. Der Bund-Future, der Terminkontrakt auf Bundesanleihen und deshalb Spiegelbild ihrer Kursentwicklung, kam im Juli zwar seinem Rekordhoch vom Monatswechsel Mai / Juni bei 146,9 noch einmal nahe, fiel bis Mitte September aber auf 138,4.

Auch an den Devisenmärkten schenkte man der Ankündigung von EZB-Präsident Draghi, der Euro werde um jeden Preis gerettet, Glau­ben. Zwar setzte sich der Abwärtstrend der eu­ropäischen Gemeinschaftswährung noch bis in den Juli auf einen Stand von nur 1,20 US-Dol­lar fort und erreichte den tiefsten Euro-Stand seit zwei Jahren. Dann begann aber eine ra­sante Euro-Erholung. Mitte September muss­ten zeitweilig fast 1,33 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Für Investments außerhalb des Euro-Raumes entstanden dadurch im drit­ten Quartal für in Euro rechnende Anleger Währungsverluste.

Die Rohstoffpreise, die im zweiten Quartal in Erwartung einer schlechteren Weltkonjunktur gefallen waren, stabilisierten sich im dritten Quartal. Ein Barrel der nordeuropäischen Öl­sorte Brent verteuerte sich vom Jahrestief im Juni bei 88,50 bis auf 122,30 Dollar Mitte Sep­tember. Erst in der zweiten Septemberhälfte bremsten wiederkehrende Sorgen um die Weltkonjunktur den Ölpreisanstieg. Der Gold­preis brach im August aus seiner monatelan­gen Seitwärtsbewegung noch oben aus und begann damit einen neuen mittelfristigen Auf­wärtstrend. Ende September kostete eine Unze Gold 1.781 Dollar oder 1.385 Euro. Glei­ches gilt für Silber, bei welchem der Anstieg auf 34,50 Dollar pro Unze die Verluste seit dem Jahreshoch Anfang März fast vollständig binnen weniger Wochen aufholte.

Ausblick

Die an dieser Stelle schon früher geäußerte Einschätzung, ein Zusammenbruch des Euro oder einer europäischen Großbank sei ange­sichts des weitreichenden Instrumentarium an Gegenmaßnahmen unwahrscheinlich, wurde im Laufe des dritten Quartals an den Kapital­märkten eingepreist, allerdings um den Preis mittel- und längerfristig steigender Inflations­gefahren. Kurzfristig – und das heißt inzwi­schen bis in das kommende Jahr hinein – sind solche weiterhin nicht zu erkennen. Zumal er­hebliche Risiken für die Weltkonjunktur 2013 bestehen. Zum einen steht Europa erst am Beginn des schmerzhaften, aber notwendigen Prozesses, die strukturellen Ursachen für die Verschuldungskrise zu beseitigen. Zum ande­ren muss die nächste US-Regierung, deren Präsident im November gewählt wird, das „fis­kalische Kliff“ umschiffen: einerseits das riesi­ge Haushaltsdefizit und die ausufernde Staats­verschuldung eindämmen, andererseits die umfangreichen Hilfsprogramme für Wirtschaft und Haushalte nicht abrupt enden lassen. Denn es ist mehr als fraglich, ob die US-Kon­junktur den Verlust von Stimuli im Volumen mehrerer Hundert Milliarden US-Dollar verkraf­ten würde.

Angesichts der Rezessionsgefahren und Schuldenprobleme dürften die Zinsen auch 2013 niedrig bleiben. Staatsanleihen vermeint­lich hoher Bonitäten bergen dennoch im Ver­hältnis zu ihren niedrigen Renditen zu hohe Kursrisiken.

Ein Hoch an den Aktienmärkten dürfte immer wieder von berechtigten Sorgen um die kon­junkturelle Entwicklung gebremst werden. Ins­besondere die Bewertung US-amerikanischer Aktien ist vor diesem Hintergrund nicht mehr so günstig wie dies für andere Aktienmärkte der Fall ist, darunter trotz der Kursgewinne im dritten Quartal in Europa einschließlich Deutschland und Osteuropa. In Asien gehören antizyklisch Japan und China zu den für Aktie­ninvestments reizvollen Märkten.

An den Devisenmärkten dürfte der Euro als Sorgenkind einen Teil der Aufmerksamkeit an den US-Dollar abgeben. Die Erholung des Euro gegen Dollar könnte sich deshalb wie 2009 und 2011 bis in den Bereich 1,47 bis 1,50 Dollar fortsetzen. Gold dürfte dann, zu­mindest in US-Dollar, seinen Aufwärtstrend fortsetzen und bleibt als Depotbeimischung sinnvoll, gegebenenfalls auch in Form von Goldminen-Investments, die der Entwicklung hinterherhinken.

Die Analyse der Aktienmärkte zeigt ganz über­wiegend mittelfristige Aufwärtstrends. Einige Märkte, die schon seit längerem steigen, wie beispielsweise Thailand- oder Biotech-Aktien, sollte man allenfalls trendfolgend nachlaufen. Es bieten sich fundamental preiswertere Akti­enmärkte in Europa oder China an, angesichts des Bruchs mittelfristiger Abwärtstrends als antizyklisches Investment.

Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheidungen sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!

Ihr
Berndt Schlemann

Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln und bundesweit

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