Marktbericht 3. Quartal 2013

MarktberichtDie im zweiten Quartal aufgekommenen Sorgen um eine Verringerung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank, das sogenannte „Tapering“, prägten auch das Börsengeschehen im dritten Quartal. Nachdem im Juni an den Kapitalmärk­ten Kursverluste überwogen hatten, erholten sich die Wertpapierkurse zunächst. Im Laufe des August belasteten vorübergehend wieder Ängste die Börsen, bevor vor allem die Aktien­märkte einen erfreulichen September erlebten.

Aktienmärkte

Mitte des Jahres verbesserte sich die Stimmung an den Börsen, weil die Notenbanken in den USA und in Europa ankündigten, ihre Nied­rig-Zins-Politik bis auf Weiteres fortzusetzen. Die Aktienmärkte wurden zunächst vor allem von Unternehmensnachrichten bewegt.

In New York erreichten die amerikanischen Aktienindizes Dow Jones Industrial Average und S&P-500 in den ersten Augusttagen neue Rekordstände. Im Verlauf des Monats kehrten dann aber die Sor­gen vor der angekündigten schrittweisen Verrin­gerung des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank zurück, weil ein erster Schritt für September erwartet wurde. Zudem sorgte ein mögliches Eingreifen der USA in den syrischen Bürgerkrieg für Unsicherheit. Der Verzicht auf einen US-Militärschlag begründete dann wieder steigende Aktienkurse. Die Stimmung wurde noch besser, als die US-Notenbank Mitte Sep­tember überraschend bekanntgab, erste „Tapering“-Schritte zu verschieben. Mehrheitlich war eine Verringerung der Anleihekäufe von jetzt 85 Mrd. Dollar monatlich auf 70 bis 75 Mrd. Dollar erwartet worden. Die Notenbanker in den USA votierten aber mit klarer Mehrheit dafür, das Vo­lumen der Anleihekäufe bis auf weiteres bei 85 Mrd. Dollar zu belassen. Die Fortschritte auf dem US-Arbeitsmarkt seien noch nicht groß ge­nug. Mitte September übertraf der Dow Jones Industrial Average seinen Rekordstand von An­fang August und markierte mit 15.709,6 den bis heute gültigen Höchststand. Entsprechen­des gilt für den S&P-500-Index mit einem neuen Re­kordstand bei 1.729,9. Der S&P-500 beende­te das dritte Quartal bei 1.681,6 mit einem Plus von 4,7 Prozent. Beim Dow Jones schrumpfte der Quartalsgewinn mit einem Schlussstand von 15.130 auf 1,5 Prozent.

Im Gegensatz zur Wallstreet konnte der japani­sche Aktienmarkt keine neuen Rekorde melden: Der Nikkei-225-Index beendete das Quartal zwar bei 14.456 und damit 5,8 Prozent höher als zur Jahresmitte, pendelte dabei aber zwi­schen gut 13.000 und knapp 15.000 Punkten – innerhalb einer Spannweite, die allein im Mai und Juni größer gewesen war. Zunächst waren die Zugewinne der regierenden LDP von Minis­terpräsident Shinzo Abe bei den Oberhauswah­len und den Wahlen zum Tokioter Stadtrat posi­tiv aufgenommen worden. Die Wahlergebnisse dürften der Regierung den Rücken bei den an­stehenden Reformvorhaben stärken. Die japani­sche Notenbank kauft in großem Umfang Staatsanleihen auf und der schon extrem hoch verschuldete Staat versucht mit immer neuen schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen die Wirtschaft zu beleben. Die Unternehmens­ergebnisse entwickeln sich tatsächlich zurzeit gut. Ob eine dauerhafte Verbesserung der „ja­panischen Verhältnisse“ gelingt, wird allerdings zunehmend wieder in Frage gestellt.

Besser als amerikanische und japanische Aktie­ninvestments entwickelten sich im dritten Quar­tal Aktienanlagen in Europa: Die Staatsschul­denkrise der Mittelmeer-Anrainer trat in den Hintergrund und die dortigen Aktienmärkte be­gannen eine Aufholjagd: Der Euro-STOXX-50 kehrte in seinen seit einem Jahr bestehenden mittelfristigen Aufwärtstrend zurück und been­dete das Quartal mit einem Zuwachs von 11,2 Prozent bei 2.893 – nur knapp unter einem neu­en Zwei-Jahres-Hoch bei 2.955. Zu den besse­ren Aktienmärkten gehörte Österreich, wo der ATX im Juli seinen Kurseinbruch vom Juni aus­gleichen konnte und das Quartal mit einem Zu­wachs von 13,7 Prozent bei 2.528 beendete. Ein Ausbruch über das im März erreichte Jah­reshoch bei 2.550 erfolgte allerdings nicht. Da­gegen konnte der DAX Performanceindex Mitte September sogar ein neues Rekordhoch bei 8.770 erreichen. Der deutsche Aktienindex be­endete das Quartal mit einem Plus von 8,0 Pro­zent bei 8.594.

Die Stimmungsverbesserung erfasste auch Ak­tienmärkte, die zuvor monate- oder sogar jahre­lang schwächer abgeschnitten hatten, insbe­sondere sogenannte „Emerging Markets“, dar­unter den Hang Seng Index in Hongkong, der das Quartal mit einem Plus von 9,9 Prozent bei 22.860 beendete. Zunächst hatte ein von der chinesischen Notenbank nicht verhinderter Li­quiditätsengpass noch Ängste um das chinesi­sche Bankensystem ausgelöst, bis die Bank of China dann doch eine beruhigende Politik ein­schlug. Chinas Wirtschaft, die in den Vorjahren mit Wachstumsraten zwischen acht und zehn Prozent geglänzt hatte, dürfte in diesem Jahr das zweite Mal in Folge um weniger als acht Prozent wachsen.

Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe

Die US-Notenbank verschob ihren Einstieg in den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm, das sogenannte „Tapering“. Die Bank of Japan setzt ihre Maßnahmen, viel billige Liquidität in die Wirtschaft zu pumpen, fort. Und auch die Europäische Zentralbank (EZB) steht eher vor neuen Hilfskrediten an Banken und Staaten als dass eine Zinserhöhung möglich wäre. Vor die­sem Hintergrund kamen die Anleihemärkte, die im Mai und Juni schwere Kursverluste hatten verkraften müssen, im dritten Quartal in ruhige­res Fahrwasser. Der entstandene übergeordne­te Abwärtstrend der Anleihekurse (Aufwärts­trend der Renditen) wurde zwar nicht gebro­chen, verlor aber an Dynamik und bot Spiel­raum für Phasen der Kurserholung. Die rich­tungsweisende Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg von 2,49 Prozent Mitte des Jahres bis auf rund 3,0 Prozent Anfang Sep­tember und sank bis zum Quartalsende wieder auf 2,63 Prozent. Besser war die Entwicklung an den europäischen Anleihemärkten, insbe­sondere in Deutschland, wo es in der ersten Juli- und in der zweiten Septemberhälfte zu Kursanstiegen, also Renditerückgängen, kam. Ende September war die Rendite der zehnjähri­gen Bundesanleihe mit 1,72 Prozent sogar et­was niedriger als drei Monate zuvor.

Die Entscheidung der US-Notenbank, erste „Ta­pering“-Schritte zu verschieben, schwächte den US-Dollar, der daraufhin gegenüber dem  Euro um 2 Cent verlor. Innerhalb der schon im ersten Halbjahr geltenden Bandbreite von 1,275 bis 1,37 US-Dollar pro Euro gewann der Euro damit weiter an Wert: Im September kostete eine Ein­heit der europäischen Gemeinschaftswährung rund 1,35 Dollar, drei Monate zuvor nur ca. 1,30 Dollar.

Auf Dollar-Basis verteuerten sich im dritten Quartal zahlreiche Rohstoffe, darunter Öl und Gold. Der Anstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar um 4 Prozent schwächte diesen An­stieg in Euro aber ab. So stieg der Preis einer Unze Gold im dritten Quartal in US-Dollar zwar um 7,7 Prozent auf 1.329 Dollar; in Euro verteu­erte sich das Edelmetall aber nur um 3,6 Pro­zent auf 982 Euro / Unze. Vom Anstieg des Rohölpreises um 6 Prozent blieben in Euro kaum zwei Prozent.

Ausblick

Die Aussichten bleiben für Aktien besser als für Renten. Allerdings bremst eine übergeordnete Zinswende auch die Aktienbörsen, so dass es in den kommenden Monaten und Jahren noch stärker auf die Leistungen aktiven Fondsmana­gements ankommen wird. Passive Indexfonds funktionieren gut, wenn „die Flut alle Schiffe hebt“. Schon seit Frühjahr dieses Jahres ist der Erfolg aber stärker von Selektion und Timing abhängig.

Weil die Verbesserung der Konjunktur in nahe­zu allen wichtigen Volkswirtschaften zögerlich und zerbrechlich vonstatten geht, ist nicht mit einem raschen Ende der sehr lockeren Geld­politik zu rechnen. Die Notenbanken werden also nicht nur mit ihren Leitzinsen die Zinsen am Geldmarkt, dem sogenannten „kurzen Ende“, nahe Null halten, sondern mittels ihrer „Quantitative Easing“-Politik, die vor allem im Aufkauf von Staatsanleihen besteht, auch am sogenannten „lange Ende“ des Rentenmarktes die Zinsen relativ niedrig halten. Denn deutlich höhere Zinsen auf Staatsanleihen würden eine untragbare Verschärfung der Staatsschuldenkri­se bringen. Die Entwicklung hin zu höheren Zin­sen, die im ersten Halbjahr begonnen hat, wird deshalb ungewöhnlich langsam verlaufen und immer wieder auch von Phasen sinkender Ren­diten bzw. einer Kurserholung an den Renten­märkten unterbrochen werden. Bei Rentenin­vestments gilt es, diese Phasen zu nutzen und sich auf neuerlichen Gegenwind steigender Zin­sen vorzubereiten. Von den wenigsten Renten­fonds werden vor diesem Hintergrund befriedi­gende Ergebnisse zu erwarten sein.

Auch an den Aktienmärkten wachsen die Bäu­me nicht in den Himmel: Die Weltleitbörsen in New York haben mit dem Erreichen neuer Re­kordstände einen Konjunkturaufschwung in den USA bereits vorweggenommen. Schon mit den anstehenden Quartalsergebnissen werden die US-Unternehmen zeigen müssen, ob sie die gestiegenen Erwartungen mit ihren Geschäfts­ergebnissen gerecht werden.

Unter Bewertungsgesichtspunkten sind weiter­hin die Aktienmärkte in Europa attraktiver: Das Verhältnis der Kurse zu der Unternehmensge­winnen oder den Nettovermögen der Unterneh­men ist günstiger als in den USA. Zudem ge­lang nach sechs Quartalen Rezession die Rückkehr zum Wachstum. Sollten die Fortschritte bei Überwindung der Schulden- und Wirtschaftskrise weiter zunehmen, dürfte sich die Rückkehr der Investoren an die europäischen Aktienmärkte fortsetzen.

Zu den Investments, die bei etwas Risikotole­ranz ebenfalls attraktiv sind, dürften jetzt die so­genannten Emerging Markets zählen. Die Wachstumsraten vieler Schwellenländer, insbe­sondere in den wichtigen „BRIC“-Ländern Brasi­lien, Russland, Indien und China, blieben hinter früheren Erwartungen zurück. Zudem hatten sich die altbekannten Defizite bezüglich politi­scher, gesellschaftlicher und sozialer Rahmen­bedingungen unschön in Erinnerung gebracht. Das begründete monatelange Umschichtungen zulasten der Emerging Markets. Sorgen, die Schwellenländerbörsen ständen möglicherwei­se vor einer Krise wie 1997, erscheinen aber bei nüchterner Analyse übertrieben, denn die Volkswirtschaften der Schwellenländer sind schon reifer und stabiler geworden, insbeson­dere hinsichtlich dem Entstehen einer konsum­freudigen Mittelschicht. Die Schwäche der Emerging Markets war kein Vorbote eines Zu­sammenbruchs dort, sondern Folge einer Nor­malisierung: Angesichts der Finanzkrisen in den USA und in Europa war zuvor viel Kapital von dort in die Emerging Markets geflossen. Nun floss es wieder zurück an die etablierten Märk­te. Inzwischen dürften Investments in Emerging Markets wieder attraktiver sein. Gerade weil diese Aktienmärkte jetzt nicht schon einen lan­gen Aufwärtstrend hinter sich haben, besitzen sie Nachholpotenzial. In China scheint das „soft landing“ der Wirtschaft zu gelingen, eine Bewe­gung auf dem schmalen Grad zwischen unge­sundem Boom einerseits und unglücklicher Wachstumsschwäche andererseits.

Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheidungen sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!

Ihr
Berndt Schlemann

Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln und bundesweit

http://www.schlemann.com