Marktbericht 4. Quartal 2011

Marktbericht 4. Quartal 2011Marktbericht

Das Börsenjahr 2011 stand ganz unter dem Eindruck der europäischen Staatsschuldenkrise. Die Angst davor, dass in Europa einzelne Länder ihre Staatsschulden nicht vereinbarungsgemäß zurückzahlen können, belastete nicht nur die Börsen dieser Länder selbst, sondern auch die Kapitalmärkte in Amerika und Asien. Die Aktienmärkte erlitten vor allem im August hohe Verluste, als die Erwartung eines anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs durch die Staatsschuldenkrise schwand.

Aktienmärkte

In den ersten Wochen des Jahres 2011 war es an den Aktienmärkten zunächst zu einem Favoritenwechsel gekommen: Die 2010 gestiegenen Aktien aus Schwellenländern gerieten stärker unter Verkaufsdruck, während sich in Europa die im Vorjahr gemiedenen Finanzwerte vorübergehend besser entwickelten. Als Belastungsfaktor erwies sich zunächst der steigende Ölpreis in Folge der beginnenden Volksaufstände in arabischen Staaten. Im März überschattete dann die Katastrophe in Japan das Börsengeschehen. Aber schon wenige Wochen später waren die übertriebenen Kursverluste größtenteils wieder aufgeholt. Im April herrschte an Märkte Erleichterung darüber vor, dass die Folgen des Super-GAUs von Fukushima und der Volksaufstände in arabischen Staaten auf die Weltwirtschaft weniger gravierend ausfielen als viele befürchtet hatten. Die meisten Aktienindizes erreichten Anfang Mai ihre Jahreshochs. Dann traten die mehrheitlich weiterhin guten Unternehmensergebnisse in den Hintergrund und die Sorgen um die kaum noch zu finanzierenden Staatsschulden einiger Länder belasteten wieder die Börsen. Als im Sommer Ängste um die Entwicklung der Weltkonjunktur zunahmen, bescherte das den Aktienmärkten die höchsten Kursverluste seit Jahren. So markierten die meisten Aktienindizes im August und September ihre Jahrestiefs.

Das vierte Kalenderquartal brachte den Börsen eine gewisse Beruhigung. Auch wenn die Sorgen um die Staatsschuldenkrise und die Weltkonjunktur weiterhin für Nervosität sorgten, überwogen doch die steigenden Aktienkurse. Mit einer Kombination von Finanzhilfen und Sparmaßnahmen reagierte die europäische Politik auf die Krise. Als die Kapitalmärkte im November daran zweifelten, dass man damit die Probleme eindämmen könne, gab es erneut höhere Kursverluste in allen Marktsegmenten – auch außerhalb Europas. Erst in den letzten Novembertagen stabilisierte sich die Situation wieder und als am 30. November die wichtigsten Notenbanken der Welt überraschend bekanntgaben, die Liquiditätsversorgung der Banken mit US-Dollar massiv zu verbessern, erholten sich die Börsen deutlich. Der Dezember beendete dann ein sehr turbulentes und schwieriges Jahr vergleichsweise wenig dramatisch: Die Kursausschläge in beide Richtungen wurden kleiner. Auch wenn die erhoffte Jahresendrallye ausblieb, überwogen doch die Kursgewinne.

Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe

Der Aufschwung der Weltkonjunktur setzte sich 2011 fort. Allerdings wirkte sich die Staatsschuldenkrise negativ auf einzelne Volkswirtschaften aus – vor allem auf die überschuldeten südlichen Euro-Länder. Die Konjunkturdaten für die USA zeigten sich dagegen das ganze Jahr über recht robust. So lief das als „Quantitativ Easing“ bekannt gewordene Aufkaufprogramm der US-amerikanischen Notenbank „Fed“ für US-Staatsanleihen Mitte des Jahres aus. Die US-Leitzinsen wurden allerdings nahe Null belassen. Der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte dagegen im Frühjahr mit Leitzinserhöhungen den Spielraum für seinen Nachfolger, den Italiener Mario Draghi erhöht. Dieser lockerte unmittelbar nach seinem Amtsantritt im November die Geldpolitik. Der umstrittene Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB solle allerdings zeitlich und mengenmäßig begrenzt bleiben.

Vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise nahmen die Zinsunterschiede innerhalb der Euro-Zone 2011 weiter zu: Deutsche Bundesanleihen galten als „sicherer Hafen“, was sich vor allem von April bis September in Kursgewinnen für Bundespapiere niederschlug. Die zehnjährige REX-Rendite lag am Jahresende bei nur 1,99 Prozent. Mit 1,88 Prozent rentierten entsprechende US-Staatsanleihen sogar noch niedriger. Für andere Segmente des Rentenmarktes war 2011 dagegen ein schwieriges, eher verlustreiches Jahr. Vor allem im Oktober und November ließen wachsende Sorgen um die Bonität vieler Staaten und Unternehmen die Kurse von deren Anleihen deutlich fallen. Konzertierte Geldspritzen aller wichtigen Notenbanken beendeten Ende November die Talfahrt, so dass es im Dezember zu einer Kurserholung am Rentenmarkt kam.

An den Devisenmärkten hatte sich der Euro bis Ende April deutlich erholt: Im Januar hatte ein Euro im Tief nur 1,286 US-Dollar gekostet, Ende April 1,484 Dollar. Bis August pendelte das Wechselkursverhältnis zwischen Euro und Dollar dann oberhalb von 1,40 USD/EUR. Die eskalierenden Sorgen um die Euro-Staatsschuldenkrise begründeten dann ab September aber einen neuen Abwärtstrend für die europäische Gemeinschaftswährung, die den Euro bis zum Jahresende auf 1,29 Dollar verbilligte. Der japanische Yen, der seine Zinsdifferenz gegenüber Dollar und Euro einbüßte, stieg 2011 auf neue Hochs: Im Juli konnte die Bank of Japan die Marke von 80 Yen pro US-Dollar nicht mehr halten. Ende Oktober markierte die japanische Währung mit knapp 76 Yen für einen Dollar ein neues Rekordhoch gegenüber der US-Währung. Zum einen holten Japaner nach Fukushima im Ausland angelegte Gelder zum Wiederaufbau zurück, zum anderen reduzierten Ausländer ihre Yen-Kredite, weil die Zinsdifferenz sehr klein wurde (Stichwort „carry trades“). Beides führte am Devisenmarkt zu Nachfrage nach Yen und damit einem Anstieg des Wechselkurses.

Auch die Entwicklung an den Rohstoffmärkten war 2011 sehr wechselhaft und uneinheitlich. Im ersten Quartal hatten steigende Rohstoffpreise überwogen, weil sich die Weltkonjunktur noch zweifellos in einem Aufschwung befand. Zudem war vor allem im europäischen Handel der Ölpreis unter dem Eindruck der Volksaufstände in arabischen Ländern deutlich geklettert. Ein Barrel der nordeuropäischen Sorte Brent erreichte im April mit 126,80 Dollar ein neues Mehrjahreshoch. Ab Mai begründeten dann aber zunehmende Sorgen um das zukünftige Wirtschaftswachstum sinkende Rohstoffpreise. Eine Ausnahme davon war der Goldpreis, der erst im August ein neues Rekordhoch erreichte: Allein im Juli und August verteuerte sich eine Unze der „Krisenwährung“ von 1.500 auf 1.900 Dollar. Der steile Aufwärtstrend war nicht durchzuhalten und bis zum Jahresende korrigierte der Goldpreis auf 1.568 Dollar / Unze.

Ausblick

Die Angst vor einer harten Rezession, die Anfang August 2011 eingepreist wurde, könnte sich als zu pessimistisch erweisen. Die US-Konjunktur zeigte sich zuletzt erfreulich robust. China scheint die negativen Auswirkungen seines hohen Wirtschaftswachstums (Inflation, Kreditblase, Immobilienspekulation) soweit in den Griff zu bekommen, dass im Jahresverlauf 2012 eine geldpolitische Lockerung möglich werden könnte. In der Euro-Zone erscheint zumindest die größte Volkswirtschaft, Deutschland, als Fels in der Brandung. Noch haben die Aktienmärkte ihre mittelfristigen Abwärtstrends nicht gebrochen, so dass man zunächst an den Aktienmärkten eher vorsichtig agieren sollte. Langfristig ist die Bewertung vieler Aktien aber weiterhin attraktiv.

Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheidungen sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!

Ihr
Berndt Schlemann

Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln

http://www.schlemann.com

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