Marktbericht 4. Quartal 2012

Marktbericht

Das erste und dritte Quartal waren an den Börsen von nachlassenden Sorgen um die eu­ropäische Staatsschuldenkrise und die Kon­junkturentwicklung geprägt. Dazwischen hat­ten im zweiten Quartal die Ängste wieder zu­genommen, was Kursverluste mit sich brachte.

Im vierten Quartal gab es keinen solchen übergeordneten Trend an den Kapitalmärkten. Vorherrschendes Thema war der politische Streit in den USA um die Fiskalpolitik und das drohende „fiscal cliff“. Nach Kursausschlägen in beide Richtungen beendeten viele Notierun­gen das Jahr unweit des Niveaus, das sie schon drei Monate zuvor erreicht hatten.

Aktienmärkte

Die erklärte Entschlossenheit der Europäi­schen Zentralbank (EZB), den Euro um jeden Preis zu retten, und die Aussicht auf eine bes­sere Konjunktur in den beiden größten Volks­wirtschaften, nämlich den USA und China, hat­ten zur Jahresmitte deutlich steigende Aktien­kurse begründet.

Die meisten Aktienindizes begannen darauf das vierte Kalenderquartal mit einer Konsolidierung unterhalb ihrer Jah­reshochs aus März und September. Ein erster Versuch der Aktienmärkte wieder zu steigen scheiterte Anfang November. Doch die Staats­schuldenkrisen in Europa und den USA brach­ten sich wieder in Erinnerung. Bis Mitte No­vember fielen die Aktienkurse noch einmal zu­rück.

Für Griechenland wurde ein drittes Hilfs­paket geschnürt, bestehend aus einem teilwei­sen Zinsverzicht einiger Gläubiger und einem Rückkauf griechischer Staatsanleihen am Ka­pitalmarkt für rund ein Drittel ihres Nennwer­tes.

Ab Mitte November gewann die Zuversicht bezüglich Staatsschulden und Konjunktur wie­der Oberhand und die Börsen erlebten eine Jahresendrallye. Diese endete erst in den letz­ten beiden, durch Feiertage verkürzten Han­delswochen des Jahres,  weil der Haushaltss­treit in den USA immer noch nicht beigelegt war.

Darunter litt die Kursentwicklung an den US-Aktienmärkten. Der Dow Jones Industrial Average beendete das Quartal mit einem Mi­nus von 2,4 Prozent bei 13.104 Zählern. Für das Gesamtjahr ergibt sich ein Anstieg um 7,25 Prozent, der sich aus Sicht eines in Euro abrechnenden Anlegers allerdings um etwa zwei Prozentpunkte Währungsverlust verrin­gert. Der S&P-500-Index beendete das Jahr bei 1.426 Punkten, 1,0 Prozent tiefer als Ende September und 13,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Angesichts der zunehmenden Zu­versicht, die Euro-Staatsschuldenkrise über­winden zu können, stiegen die Aktienkurse in Europa stärker: Der Euro-Stoxx-50 legte von Ende September bis Ende Dezember 7,4 Pro­zent auf 2.636 Zähler zu. Für das Gesamtjahr ergibt sich ein Anstieg des Kursindex um 13,8 Prozent. Hinzu kommen die in diesen Index nicht eingerechneten Dividenden, so dass ein Anleger auf ein Jahresergebnis von rund 15 Prozent kommt.

Der Deutsche Aktienindex (DAX, 7.612 am Jahresende) schnitt im inter­nationalen Vergleich weiterhin überdurch­schnittlich ab, verzeichnete einen Quartalsge­winn von 5,5 Prozent und ein Jahresergebnis von 29 Prozent.

Wie stark die europäischen Aktienmärkte im Griff der Schuldenkrise steck­ten, zeigen die Ergebnisse des schlechtesten und besten Aktienmarktes 2012: Während der griechische ASE-Index von den Rettungsbe­mühungen profitierte und das Jahr mit einem Plus von 34 Prozent beendete, geriet Zypern in den Strudel der Krise und der dortige CSE-Index verlor im Jahresverlauf 39 Prozent. In der nahen Türkei setzte sich der Aufschwung dagegen fort: Türkische Aktien brachten 2012 einen Gewinn von 58 Prozent.

Renten, Zinsen, Währungen und Rohstoffe

Die Aufwärtstrends bei Anleihen der Euro-Peri­pheriestaaten und Unternehmensanleihen setzten sich im vierten Quartal fort. Die als ris­kant geltenden „Non-Investment-Grade“-Un­ternehmensanleihen der Eurozone erzielten im Gesamtjahr ein Plus von 24 Prozent.

Aber auch deutsche Bundesanleihen konnten, nachdem sie in den Sommermonaten Kursver­luste erlitten hatten, im vierten Quartal wieder Kursgewinne erzielen. Für das Gesamtjahr er­gibt sich für Bundesanleihen immerhin ein Er­gebnis von 3,8 Prozent, dank der Kursgewinne ungefähr das Doppelte der Rendite aus Zins­erträgen.

US-Staatsanleihen erlitten dagegen im vierten Quartal leichte Kursverluste, wo­durch das Gesamtjahresergebnis für einen An­leger knapp unter drei Prozent sank. Im vier­ten Quartal verlor der US-Dollar gegen den Euro 2,8 Prozent und damit im Gesamtjahr 2,0 Prozent, weil die Euro-Schuldenkrise an Bri­sanz verlor und die drohende Fiskalklippe in den USA stärker in den Blickpunkt geriet.

Die meisten Rohstoffpreise tendierten im vier­ten Quartal etwas leichter, wobei die Preis­rückgänge mehrheitlich auf den Oktober ent­fielen und in den beiden letzten Monaten des Jahres eine Seitwärtsbewegung vorherrschte. Der Ölpreis blieb in den drei Monaten in der Spannbreite, die allein im August entstanden war, nämlich zwischen 105 und 116 Dollar pro Barrel Brent. Der Goldpreis, der sich im Au­gust und September rasant über 1.750 Dollar pro Unze erholt hatte, konnte dieses Preisni­veau nicht halten und fiel bis zum Jahresende auf 1.675 Dollar bzw. 1.278 Euro. Im Gesamt­jahr verbleibt damit in US-Dollar ein Preisan­stieg um 6,8 Prozent und 5,6 Prozent in Euro. Ähnliches gilt für Silber, dessen Preis im vier­ten Quartal auf gut 30 Dollar pro Unze zurück­fiel.

Ausblick

Weltuntergang am Ende des Maya-Kalenders, zumindest aber Zusammenbuch des Wirt­schafts- und Finanzsystems, Geldentwertung, zumindest hohe Inflationsraten, und Kollaps der Euro-Zone, zumindest aber der Euro-Aus­tritt Griechenlands. Solche Prognosen für 2012 waren nicht selten – und man konnte der Zustimmung im Publikum sicher sein. Es ist die bemerkenswerte Sehnsucht nach dem Weltuntergang und die Faszination am Kol­laps, aus der die Eintrittswahrscheinlichkeiten für solche Szenarien weit überschätzt werden.

Unsere Prognosen waren weitaus weniger spektakulär, aber dafür richtig: Einen Zusam­menbruch des Euro oder einer europäischen Großbank war angesichts des weitreichenden Instrumentariums an Gegenmaßnahmen un­wahrscheinlich. Inflationsgefahren bestehen erst längerfristig, frühestens 2014. Europa hat mit einem schmerzhaften, aber notwendigen Prozess der Haushaltssanierung begonnen.

Der Ausblick für 2013 knüpft nahtlos an dieses Szenario an: Die USA stürzen nicht vom „fis­kalische Kliff“, sondern stolpern nur darüber. Wir rechnen für die USA mit einer Kombination von moderaten Steuererhöhungen für hohe Einkommen, Sparmaßnahmen in den öffentli­chen Haushalten und einer nochmaligen An­hebung der Schuldenobergrenze. Nicht zuletzt dank einer anhaltenden Politik des billigen Geldes durch die US-Notenbank sollte die US-Wirtschaft auch 2013 wachsen. Europa startet das Jahr zwar in einer Rezession, hat aber gute Chancen, im zweiten Halbjahr ebenfalls wieder höhere Sozialprodukte zu erwirtschaf­ten.

An den Anleihemärkten hat sich das Rendite / Risiko – Verhältnis mit den Kursgewinnen 2012 weiter verschlechtert: Niedrige Zinsku­pons könnten schnell von Kursverlusten auf­gezehrt werden – und sei es nur, weil der Ren­tenmarkt beginnt eine bessere Konjunkturent­wicklung und damit Inflationsgefahren einzu­preisen.

Auch an den Aktienmärkten dürfte 2013 akti­ves Management gefragt sein: Nicht ganz un­berechtigte Sorgen um die Entwicklung von Konjunktur und Unternehmensgewinnen las­sen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die an dieser Stelle 2012 behauptete Bewer­tungsschwere zwischen US-amerikanischen Aktien einerseits und europäischen und asiati­schen Aktien andererseits hat sich mit der Un­derperformance der Wall Street im vierten Quartal 2012 erst begonnen zu schließen. Ak­tieninvestments bleiben auch 2013 attraktiv.

Wie prognostiziert gab an den Devisenmärk­ten der Euro als Sorgenkind einen Teil der Auf­merksamkeit an den US-Dollar ab. Wie 2009 und 2011 besteht für den Euro Kurspotenzial bis in den Bereich 1,47 bis 1,50 Dollar.

Gold dürfte zunächst innerhalb der seit Herbst 2011 bestehenden Bandbreite von 1.520 bis 1.800 Dollar / Unze bleiben und ist, wie Goldminen, weiterhin nicht als tragende Säule eines Port­folios sondern als Depotbeimischung zu se­hen.

Hinweis: dieser Marktbericht ist eine unverbindliche Information ohne Gewähr. Vor konkreten Anlageentscheidungen sollte unbedingt fachlicher Rat bezogen auf die individuelle Situation des Anlegers eingeholt werden!

Ihr
Berndt Schlemann

Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung Köln
Ihr unabhängiger Finanzberater, Versicherungsmakler und Anlageberater in Köln und bundesweit

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