Informationen zu den fünf möglichen Durchführungswegen für betriebliche Altersvorsorge, kurz BAV, mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.

Betriebliche Altersvorsorge – Hintergrund

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch darauf, einen Teil seines Lohns oder Gehalts in Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung (BAV) umzuwandeln und sich damit eine Zusatzrente aufzubauen.

Jeder Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, seinen Arbeitnehmern die Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung anzubieten.

Die betriebliche Altersvorsorge gehört zusammen mit der Riester-Rente zur sog. “Zusatzvorsorge” in der 2. Schicht nach dem Alterseinkünftegesetz:

Zusatzversorgung Altersvorsorge 2. Schicht AEG aus Beratungsmappe Betriebliche Altersvorsorge BAV

Betriebliche Altersvorsorge – Durchführungswege

Folgende fünf Durchführungswege kommen für die betriebliche Altersvorsorge in Betracht:

  • Direktversicherung: Im Jahr 2016 ist ein Höchstbetrag von 248 EUR p.m. (§ 3 Nr. 63 S. 1 u. 2 EStG: 4% der BBG West i.H.v. 6.200 EUR) steuer- und sozialversicherungsfrei (2015: 241 EUR 2014: 238 EUR, 2013: 232 EUR). Ein zusätzlicher Erhöhungsbetrag i.H.v. 150 EUR (§ 3 Nr. 63 S. 3 EStG) ist steuerfrei. Insgesamt werden in 2016 also bis zu 398 EUR pro Monat staatlich gefördert. Eine Direktversicherung ist häufig der vorteilhafteste und flexibelste Weg für den Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge.
  • Pensionskasse
  • Pensionsfonds
  • Unterstützungskasse
  • Pensionszusage (auch: Direktzusage)

Die Auswahl des angebotenen Durchführungswegs obliegt dem Arbeitgeber.

Nicht jede betriebliche Altersvorsorge ist für jeden gleichermaßen gut geeignet. Bei der Entscheidung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Welches Förderangebot das günstigste ist, hängt u.a. ab von:

  • Familienstand (verheiratet oder alleinstehend),
  • Allein- oder Doppelverdiener,
  • ein oder beide Ehepartner förderberechtigt,
  • Zahl der Kinder,
  • Höhe des Einkommens,
  • Höhe des jährlichen Sparbetrags.

Vorteile und Nachteile betriebliche Altersvorsorge

Vorteile betriebliche Altersvorsorge

Die Vorteile betrieblicher Altersvorsorge liegen auf der Hand: Einzahlungen innerhalb der jeweiligen Höchstgrenzen reduzieren das Bruttoeinkommen und damit die zu zahlende Einkommensteuer sowie Beiträge zur Sozialversicherung (gesetzliche Rente, Arbeitslosenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung und gesetzliche Pflegeversicherung).

Der Arbeitgeber profitiert von einem reduzierten Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen. Einige Arbeitgeber lassen diese Ersparnis ganz oder teilweise den Arbeitnehmern als Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge zukommen. Ggf. kombiniert mit Fristen der Betriebszugehörigkeit für “unverfallbare” BAV Leistungen des Arbeitgebers ist die betriebliche Altersvorsorge ein wirksames Instrument zur Mitarbeiterbindung und -motivation.

Der Arbeitnehmer investiert aus seinem Bruttoeinkommen in betriebliche Altersvorsorge (z.B. 100 EUR pro Monat), sein verfügbares Nettoeinkommen wird aber (bei hohem Steuersatz) nur um knapp die Hälfte reduziert (d.h. rund 50 EUR p.m.). Die spätere Rente aus betrieblicher Altersvorsorge kann nicht gepfändet werden und ist damit quasi “Hartz IV sicher”. Bündelt der Arbeitgeber die BAV bei einem Anbieter, kommen Arbeitnehmer häufig in den Genuss von um 2-3% rabattierten Gruppenverträgen.

Nachteile betriebliche Altersvorsorge

Vor allem für Arbeitnehmer hat betriebliche Altersvorsorge auch einige Nachteile (siehe dazu auch den hier verlinkten Plusminus Beitrag “Betriebliche Altersvorsorge – Minusgeschäft für viele Rentner”):

  • als staatlich geförderte Altersvorsorge ist die BAV in der Auszahlungsphase relativ unflexibel (u.a. Rentenbeginn frühestens mit 62 bei Verträgen ab 2012, nicht beleihbar, einmalige Kapitalauszahlung nur teilweise möglich)
  • die spätere Rente ist voll steuerpflichtig – dann zwar i.d.R. aufgrund geringeren Einkommens mit einem geringeren Steuersatz zu versteuern, allerdings wirkt sich der Steuerabzug dann häufig gefühlt stärker aus.
  • gesetzlich Krankenversicherten müssen auf die BAV Rente volle Krankenversicherungsbeiträge zahlen (aktuell 15,5% der BAV Rente), ohne Beitragszuschuss von der Krankenversicherung der Rentner.
  • nicht nur der Arbeitnehmer spart sich durch BAV Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch der Arbeitgeber. Sofern der Arbeitgeber dies nicht durch einen Zuschuss zur BAV ausgleicht (s.o.), entsteht für den Arbeitnehmer ein höherer Verlust an gesetzlicher Altersrente, als es seiner eigenen Beitragsersparnis entspricht.
  • der Arbeitgeber gibt i.d.R. den Anbieter der BAV vor. Der Arbeitnehmer hat dann keine freie Auswahl des BAV Anbieters, um anhand unabhängiger Ratings, Bilanzkennzahlen, Bonität, Kostenquoten, Durchschnittsverzinsung, BAV-Marktanteil (für einfachere Portabilität bei späterem Wechsel, s.u.) etc. den nachhaltig “besten” Anbieter aussuchen zu können.
  • bei einem Wechsel des Arbeitgebers besteht zwar gem. § 4 BetrAVG ein Anspruch auf Übertragung bestehender BAV Anwartschaften (Portabilität), es besteht aber kein Anspruch auf den den bisherigen Durchführungsweg mit evtl. Zusatzrisikoabsicherungen oder die Auswahl eines bestimmten Versicherers (idealerweise mit niedrigen Kosten und hoher Verzinsung). Beim Arbeitgeberwechsel entstehen somit häufig unerwünschte Reibungsverluste. Daher ist es vorteilhaft, wenn ein längerer Verbleib beim Arbeitgeber absehbar ist.
  • ggf. wird durch den Abzug der BAV Beiträge das Bruttoeinkommen soweit reduziert, dass die Grenze für die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung unterschritten wird. Damit könnte ein Arbeitnehmer, der sich vorher privat krankenversichern konnte, wieder Zwangsmitglied in der GKV werden.

Wichtiger Hinweis für “Besserverdiener”: Wird Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Kranken- bzw. Rentenversicherung umgewandelt (= nicht sozialversicherungspflichtig), dann werden in der Ansparphase die darauf gezahlten Sozialversicherungsbeiträge nicht reduziert! Dennoch müssen GKV Versicherte auf die sich daraus ergebende Rente später Krankenversicherungsbeiträge zahlen.

Eine Entscheidung für betriebliche Altersvorsorge kann durchaus sinnvoll sein, wenn diese den gemeinsam mit einem fachkundigen Berater ermittelten Zielen und Wünschen des Arbeitnehmers für die Altersvorsorge entspricht (siehe Beratung Altersvorsorge). Dieser sollte sich bei Abschluss eines BAV Vertrags auch der hier beschriebenen Nachteile bzw. Einschränkungen bewusst sein, um spätere Überraschungen zu vermeiden. Als eine Möglichkeit, die Mehrbelastung der BAV im Rentenbezug durch Steuern und Krankenversicherungsbeiträge auszugleichen, könnte der Arbeitnehmer z.B. zusätzlich zumindest einen Teil der bis zur Rente eingesparten Steuerzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge langfristig investieren, z.B. als private Altersvorsorge.

Welche Art von betriebliche Altersvorsorge passt zu mir?

Häufig ist eine Direktversicherung ein sinnvoller erster Baustein für eine betriebliche Altersvorsorge. Die Auswahl des konkreten Anbieters und Produkts ist sehr individuell und hängt von Situation, Zielen und Risikoneigung des Kunden ab. Die verschiedenen Formen (klassisch verzinst, fondsgebunden mit und ohne Garantien) in Abhängigkeit von der Risikoneigung werden auf meiner Seite Risikoklassen Altersvorsorge kurz beschrieben.

Die Entscheidung für (oder gegen) betriebliche Altersvorsorge und die Auswahl von Anbieter und Produkt sollte nach einer umfassenden Beratung Altersvorsorge durch einen entsprechend spezialisierten Berater getroffen werden.

Betriebliche Altersvorsorge – Informationen

Zum Thema betriebliche Altersvorsorge / BAV finden Sie weitere Informationen unter folgenden Links:

Betriebliche Altersvorsorge – Übersicht 2014

Durchführungsweg Gesetzestext Steuerliche Behandlung Sozialversicherungsrechtliche Behandlung
Arbeitnehmerfinanziert
(Entgeltumwandlung)
Arbeitgeberfinanziert
Direktversicherung
-alt- (Beginn vor 01.01.2005)
§ 40b EStG Bis 1.752,- € p.a. (146,- € p.m.) pauschal mit 20% zu versteuern (+ SolZ + KiSt. ) Bei Einzahlungen aus
Sonderzahlungen bis
1.752,- € p.a.
sozialversicherungsfrei
Bis 1.752,- € p.a. sozialversicherungsfrei
Direktversicherung
-neu- (Beginn ab 01.01.2005)
§ 3 Nr. 63 EStG Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) steuerfrei + 1800,- € p.a. (150,- € p.m.) steuerfrei, wenn keine DV -alt- nach § 40b EStG besteht Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) sozialversicherungsfrei Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) sozialversicherungsfrei
Pensionskasse § 3 Nr. 63 EStG Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) steuerfrei + 1800,- € p.a. (150,- € p.m.) steuerfrei, wenn keine DV -alt- nach § 40b EStG besteht Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) sozialversicherungsfrei Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) sozialversicherungsfrei
Unterstützungskasse ** § 19 Abs. 1
EStG
Einzahlungen sind unbegrenzt steuerfrei (sofern keine Überversorgung entsteht – 75 % des Aktivgehaltes) Bis 2.856,- €* p.a. (238,- € p.m.) sozialversicherungsfrei Einzahlungen sind unbegrenzt sozialversicherungsfrei
*entspricht 4% Beitragsbemessungsgrenze gesetzliche Rentenversicherung 2014. Höchstbetrag ist einmal pro Jahr anwendbar. Aufteilung zwischen Direktversicherung / Pensionskasse möglich.
** Die Unterstützungskasse kann zusätzlich zu den anderen Durchführungswegen genutzt werden
BBMG RV 71.400€ (5.950 €) – BBMG KV 48.600 € (4.050 €) – Versicherungspflichtgrenze KV 53.550 € (4.462,50 €) – Sätze: RV 18,90 % KV 15,5 % (inkl. 0,9 % AN) AL 3,0 % Pflege 2,05 €
AG-Zuschuss maximal 295,65 € KV + 41,51 € Pflege (max. 50 % der tatsächlichen Zahlbeiträge PKV)

Betriebliche Altersvorsorge – Fazit

Nutzen Sie (m)eine professionelle Beratung Altersvorsorge bei der Planung und Umsetzung von betrieblicher Altersvorsorge / BAV. Dies gilt sowohl für Arbeitgeber, die Ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen möchten als auch für Arbeitnehmer, die von den Fördermöglichkeiten Gebrauch machen wollen.

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