Berufsunfähigkeit - Käfer auf dem RückenDr. Berndt Schlemann

Eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk erhalten Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Notare, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, etc. in Extremfällen, sofern sie ihren Beruf überhaupt nicht mehr (!) ausüben können. Unter welchen Voraussetzungen wird eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk gezahlt und ist eine zusätzliche private Berufsunfähigkeitsversicherung nötig bzw. sinnvoll? Was sind die Unterschiede zwischen beiden?

WICHTIG: Bitte lassen Sie sich von den umfassenden Infos auf unserer Website nicht zu „do-it-yourself“ Lösungen verführen. Mit unserer Beratung kommen Sie deutlich einfacher und sicherer ans Ziel. Wir wissen immer noch etwas mehr, als Sie hier lesen! Buchen Sie jetzt Ihren kostenlosen Beratungstermin bundesweit per Onlineberatung.

Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Die Absicherung der Arbeitskraft ist eines der wichtigsten abzusichernden Risiken, nicht nur mit Familie, bei Immobilienerwerb oder als Selbstständiger. Siehe dazu unsere Berufsunfähigkeit und Berufsunfähigkeitsrisiko. Sogar Verbraucherschützer, die sonst nicht unbedingt Versicherungsexperten sind :-), empfehlen, sich gegen dieses Risiko möglichst umfassend abzusichern, d.h. das Nettoeinkommen bis Endalter 67 mit garantiertem Inflationsausgleich – siehe dazu Berufsunfähigkeitsversicherung Konfiguration. Außerdem wird empfohlen, damit möglichst frühzeitig zu beginnen, solange man noch rundherum gesund ist und weil die BU mit jedem Jahr des Abwartens für die gesamte Laufzeit ca. 3% teurer wird.

Versorgungswerke bieten ihren Mitgliedern neben der Altersrente auch eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk, jedoch nur bei BerufsUNFÄHIGKEIT im wahrsten Sinn des Wortes, also bei 100%-iger Berufsunfähigkeit!

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Hinweis: wir beschreiben das Thema Versorgungswerk hier in den wichtigsten Grundzügen, die in den meisten Satzungen ähnlich geregelt sind. Die genauen, ggf. in Details abweichenden Regelungen ergeben sich aus der jeweiligen Satzung!

Vorteile der Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Die Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk als Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Notar, Rechtsanwalt, Architekt, Ingenieur, etc. hat drei wichtige Vorteile:

Nachteile der Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Die o.g. Vorteile der Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk werden mit einigen gravierenden Nachteilen erkauft:

Wann wird eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk gezahlt?

Berufsunfähigkeit - Käfer auf dem RückenAufgrund der niedrigen Eingangsschwelle ohne Gesundheitsprüfung zahlt die berufsständische Versorgung nur bei „absoluter Existenzvernichtung“ (Zitat aus Versorgungswerk der Rechtsanwälte in Baden-Württemberg – Rente nur bei vollständiger Berufsunfähigkeit und Aufgabe des Berufs), d.h. bei 100%-iger Berufsunfähigkeit mit i.d.R. Rückgabe der Approbation als Arzt bzw. der Zulassung als Anwalt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer etc.

Das Versorgungswerk der Steuerberater in Hessen formuliert (siehe Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente): „Das Versorgungswerk gewährt seinen Mitgliedern Berufsunfähigkeitsrente, wenn diese wegen gesundheitlicher Beeinträchtigung auf Dauer oder auf Zeit nicht mehr in der Lage sind, jedwede Tätigkeit, die zur Mitgliedschaft in der jeweiligen berufsständigen Kammer befähigt, auszuüben.“ Und: „Anspruchsvoraussetzung ist schließlich die vollständige Einstellung der beruflichen Tätigkeit, nachgewiesen durch Rückgabe der Bestellung als Steuerberater.“

Sie müssen sprichwörtlich wie ein Käfer auf dem Rücken liegen, damit eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk gezahlt wird! (Dr. B. Schlemann)

Zum Vergleich: „Normalsterbliche“ erhalten als Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung zumindest eine (geringe) Erwerbsminderungsrente, wenn sie weniger als drei bzw. sechs Stunden am Tag irgendeiner Tätigkeit nachgehen können. Im Versorgungswerk sind Sie bezüglich Berufsunfähigkeit also schlechter abgesichert als andere!

Aufgrund der Rückgabe von Approbation bzw. Zulassung könnte ein Freiberufler, der eine solche Rente bezieht, auch keine zusätzlichen Einkünfte mehr erzielen, z.B. aus der Erstellung von Gutachten.

Merke: Versorgungswerke leisten nur bei 100%-iger Berufsunfähigkeit!

Eine Ausnahme von der Pflicht zur Rückgabe der Zulassung ist z.B. das Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen. Dort ist nur die Einstellung der rechtsanwaltlichen Tätigkeit erforderlich.

Rechtsprechung zur Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Hierzu gibt es inzwischen eine Reihe von Urteilen, die diese sehr enge Leistungspraxis bestätigen, z.B.:

  • Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 29.01.2016 – OVG 12 B 23.14 (Zahnarzt mit Visusschwankungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Zittern in den Händen durch subdepressive Verstimmung, atypische Depression oder sonstige somatoforme Störungen): „Berufsunfähigkeit … liegt erst dann vor, wenn die Fähigkeit des Mitglieds zur Ausübung der zahnärztlichen Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen umfassend entfallen ist … umfasst … auch sog. Verweisungstätigkeiten gutachterlicher, wissenschaftlich-forschender oder verwaltender Art, die zum Berufsbild des Zahnarztes gehören.“
  • OVG Münster, Urteil vom 14.12.2011 – 17 A 395/10 (Rechtsanwalt mit bipolarer affektiver Erkrankung mit leichtgradig ausgeprägter depressiver Symptomatik): „Zwar ist der Kläger wegen Krankheit nicht mehr fähig, vollzeitig einer anwaltlichen Tätigkeit nachzugehen. Er ist aber nach den vorliegenden Erkenntnissen in der Lage, trotz seiner Erkrankung anwaltlich tätig zu sein und aus dieser anwaltlichen Tätigkeit mehr als nur unwesentliche Einkünfte zu erzielen. Einkünfte sind … immer dann unwesentlich, wenn sie unterhalb des Existenzminimums liegen … Die Grenze des Existenzminimums … liegt im Fall des mit seiner Ehefrau und seinen Kindern zusammenlebenden Klägers bei 697 Euro.
  • Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, Urteil vom 06.12.2011 – 18 K 918/11 (Zahnarzt – aus ZWP Online): Berufsunfähigkeit ist nur dann anzunehmen, wenn dem Mitglied jegliche Tätigkeit, bei der die zahnärztlichen Fähigkeiten genutzt werden können, versagt ist. Maßstab der Beurteilung sei damit weder die bisherige Tätigkeit noch die Möglichkeit, zahnärztliche Tätigkeiten mit Patientenkontakt („Arbeit am Stuhl“) auszuüben. Vielmehr muss sich das Mitglied auf jedwede Tätigkeit verweisen lassen, bei der die zahnärztlichen Fähigkeiten verwandt werden können, also auch Tätigkeiten als angestellter oder freiberuflicher Gutachter etwa bei Versicherungsträgern – auch als Aktengutachter – / Erteilen von Fachkundeunterricht für Zahnarzthelferinnen, diagnostische schulzahnärztliche Tätigkeiten, zahnärztliche Verbandstätigkeiten oder Tätigkeiten in Forschung und Lehre.
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Statistiken zur Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Prüfen Sie doch einmal selbst, wie viele Berufsunfähigkeitsrenten Ihr konkretes Versorgungswerk laut Geschäftsbericht zahlt. Hier als Beispiel die Nordrheinische Ärzteversorgung laut Geschäftsbericht 2018. Von 56.090 Mitgliedern beziehen nur 296 eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk also ganze 0,53% der Mitglieder:

Nordrheinische Ärzteversorgung Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk 2018

Etwas „kränker“ sind die Mitglieder im Versorgungswerk der Rechtsanwälte in NRW. Dort erhielten in 2019 laut Mitgliederrundschreiben 2020 von 36.973 Mitgliedern 318 eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk. Das sind immer noch sehr bescheidene 0,86% der Mitglieder.

Versorgungswerk der Rechtsanwälte NRW Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk 2019

Zur Auffrischung: Das durchschnittliche Berufsunfähigkeitsrisiko eines Akademikers liegt bei ca. 20%!

Die äußerst geringe Anzahl von Versorgungswerks-Berufsunfähigkeitsrentnern in den einzelnen Versorgungswerken ist ein weiterer Beleg dafür, dass Sie mit dieser Leistung bei gesundheitlichen Problemen nicht rechnen können.

Konsequenzen der Rückgabe der Approbation / Zulassung

Eine Berufsunfähigkeit ist nicht immer dauerhaft. Häufig ist die Arbeitskraft nach ein paar Jahren wiederhergestellt. Siehe z.B. den auf unserer Seite Leistungsfälle Berufsunfähigkeit beschriebenen Fall eines zunächst querschnittsgelähmten Steuerberaters. Soll danach die Wiedererteilung der Approbation bzw. Zulassung beantragt werden, gelten dafür ggf. neue / aktuelle Zulassungsvoraussetzungen wie hier beschrieben. Um einen Fachanwaltstitel nicht zu verlieren, müsste in der Zwischenzeit die Fortbildungspflicht nach § 15 FAO erfüllt werden, etc.

Verweisung auf andere Tätigkeiten

Berufsunfähigkeitsrente vom VersorgungswerkBei der Beurteilung, ob die 100% erreicht sind, dient nicht die konkrete bisherige Tätigkeit als Maßstab, also z.B. ob ein Arzt noch operieren,  ein Zahnarzt am Stuhl behandeln oder ein Rechtsanwalt Termine bei Gericht wahrnehmen kann. Es wird vielmehr abstrakt / theoretisch geprüft, ob das Versorgungswerksmitglied seine beruflichen Fähigkeiten in irgendeiner Weise anderweitig wirtschaftlich nutzen kann. Dazu gehören z.B.

  • (gutachterliche) Tätigkeiten bei Versicherungen und Versorgungsträgern, beim Medizinischen Dienst oder in der (Pharma-)Industrie
  • Tätigkeiten in Labor, medizinischer Genetik, Biochemie, Gesundheitsökonomie oder Umweltmedizin
  • journalistische Tätigkeiten
  • Erteilen von Fachkundeunterricht für Zahnarzthelferinnen, Arzthelferinnen, Rechtsanwaltsfachangestellte etc.
  • Diagnostische Tätigkeiten, z.B. als Schulzahnarzt, Schularzt, Betriebsarzt etc.
  • Verbandstätigkeiten
  • Tätigkeiten in Forschung und Lehre

Ist dies noch in geringem, „existenzsicherndem“ Umfang möglich, sind die 100% nicht erreicht! Es ist auch unerheblich, ob eine entsprechende Stelle aktuell angeboten wird, solange diese grundsätzlich am Arbeitsmarkt vorhanden ist.

Zitat des Versorgungswerks der Architektenkammer NRW: „Solange ein Mitglied des Versorgungswerks noch in der Lage ist, irgendeine der berufsspezifischen Aufgaben auszuüben, muss es sich darauf verweisen lassen, wobei eine Teilzeitbeschäftigung ausreicht. Auf die Situation des Arbeitsmarktes bzw. eine Vermittelbarkeit kommt es nicht an. Mit anderen Worten: Es wird vollständige Berufsunfähigkeit vorausgesetzt.“

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Lesen Sie selber nach in einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 6.12.2011 (18 K 918/11, zitiert aus ZWP Online vom 20.8.2013 bzw. lenmed.de). Danach bekam ein Zahnarzt, der wegen gesundheitlicher Problem und Schmerzen nicht mehr „am Stuhl“ arbeiten konnte, keinerlei Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungwerk, weil er nicht nachweisen konnte, dass er außer Stande war, seine zahnärztlichen Fähigkeiten auch außerhalb der Praxistätigkeit in irgendeiner Weise wie oben beschrieben zu nutzen. Zusätzlich blieb der Zahnarzt auf Gerichts- und Anwaltskosten i.H.v. fast 13.000 EUR sitzen. Der Streitwert einer Klage gegen ein Versorgungswerk auf Berufsunfähigkeitsrente beträgt drei Jahresrenten plus die bis zur Klage rückständige BU Rente.

Ähnlich entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in seiner Entscheidung vom 29.1.2016 (OVG 12 B 23.14, zitiert aus lenmed.de). Berufsunfähigkeit liegt danach erst vor, wenn die Fähigkeit des Mitglieds zur Ausübung der zahnärztlichen Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen umfassend entfallen ist. Der satzungsrechtliche Begriff der zahnärztlichen Tätigkeit beschränkte sich weder konkret auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit des einzelnen Mitglieds noch allgemein auf die Behandlungstätigkeit am Stuhl. Er umfasse vielmehr auch sog. Verweisungstätigkeiten gutachterlicher, wissenschaftlich-forschender oder verwaltender Art, die zum Berufsbild des Zahnarztes gehören.

Von Vorteil ist es, wenn die konkrete Satzung des Versorgungswerks sich zumindest auf eine „ärztliche“ Tätigkeit bezieht wie z.B. § 16 Alterssicherungsordnung der Ärztekammer Niedersachsen. Wegen dieser Formulierung hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg in seinem Urteil vom 26. April 2007, Az: 8 LB 212/05 wie Zahnarztpraxis professionell berichtet in diesem konkreten Einzelfall eine Verweisung auf Tätigkeiten abgelehnt, die keine ärztliche Approbation oder Berufserlaubnis voraussetzen.
Zitat aus Versorgungswerk der Rechtsanwälte in Baden-Württemberg: BU Rente bekommt nur, wer „mit dem Kopf unter dem Arm“ daherkommt.

Merke: Versorgungswerke leisten nicht, solange noch irgendeine fachliche Tätigkeit möglich ist!

Medizinische Mitwirkungspflichten bei der Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Das Versorgungswerk kann je nach konkreter Satzung verlangen (siehe z.B. § 21 Abs. 9 der Satzung Versorgungswerk der Rechtsanwälte BW), dass sich derjenige, der eine Berufsunfähigkeitsrente beantragt hat oder erhält, medizinisch untersuchen lässt sowie sich einer Heilbehandlung oder einer Reha-Maßnahme unterzieht, wenn zu erwarten ist, dass diese Maßnahme die Berufsunfähigkeit beseitigt oder eine drohende Berufsunfähigkeit verhindert und für das Mitglied „zumutbar“ ist. Kommt das Mitglied dem Verlangen nicht nach, so kann das Versorgungswerk die Berufsunfähigkeitsrente ganz oder teilweise versagen oder entziehen, wenn es zuvor auf die Folgen schriftlich hingewiesen und eine angemessene Frist gesetzt hat.

Langwierige / unprofessionelle Leistungsfallbearbeitung

Versorgungswerke beschäftigen sich relativ selten mit Berufsunfähigkeitsfällen. Das führt dazu, dass der „Apparat“ zur Bearbeitung von Leistungsfällen deutlich weniger professionell und personalstark aufgestellt ist, als die Leistungsabteilung eines BU-Versicherers. So berichtet uns eine junge Ärztin, die durch einen tragischen Arbeitsunfall gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit eine schwere Sehbehinderung erlitt, dass es 17 Monate dauerte, bis ihr Versorgungswerk dann endlich die geschuldete Leistung von knapp 2.000 EUR monatlich erbrachte.

Berufsunfähigkeitsrente vom VersorgungswerkWie hoch ist die Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk?

Die Höhe dieser „100%-Berufsunfähigkeitsrente“ wird im jährlichen Bescheid des Versorgungswerks ausgewiesen. Bei der Berechnung spielen u.a. das Alter bei Eintritt ins Versorgungswerk und die Dauer sowie die Höhe der gezahlten Beiträge eine Rolle. Typische Versorgungswerksrenten lt. diesen Bescheiden aus unserer Praxis bewegen sich bei längerer Zahlung des Höchstbeitrags zwischen 2.000 und 2.800 EUR. Für Berufseinsteiger fällt dieser Schutz meistens deutlich geringer aus!

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Bei der Ärzteversorgung Nordrhein lag die durchschnittliche monatliche Berufsunfähigkeitsrente im Jahr 2010 z.B. bei 2.190 EUR.

Fazit: Für die meisten Mitglieder ist – neben der geringen Wahrscheinlichkeit, die Kriterien zu erfüllen – somit auch die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk bei weitem nicht ausreichend, um ihren Lebensstandard zu halten und gleichzeitig ausreichend für die Altersvorsorge zu sparen (siehe dazu Rentenhöhe)! Dies gilt gerade am Anfang der beruflichen Tätigkeit, wenn der Bedarf mit Familie, laufender Immobilienfinanzierung etc. mangels Rücklagen am höchsten ist.

Wie hoch sind die Krankenversicherungsbeiträge für die Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk?

Rentner des Versorgungswerkes haben ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (unabhängig davon, ob privat oder gesetzlich freiwillig bzw. pflichtversichert) zunächst ohne jeden Zuschuss des Versorgungswerks selbst zu tragen.

Achtung GKV Pflichtmitglieder: wenn Sie vor BU Eintritt gesetzlich pflichtversichert waren, werden Sie als BU Renter zu einem freiwillig versicherten GKV Mitglied. Die Beitragsbemessung erfolgt dann nach den gleichen Kriterien wie bei allen freiwillig GKV Versicherten. Das heißt wenn Ihr Ehegatte PKV versichert ist, wird Ihnen auch dessen halbes Einkommen zugerechnet. So musste eine bei uns anfragende Apothekerin, die seit 30.9.2016 komplett berufsunfähig ist, von den ca. 1.500 EUR Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk insgesamt rund 770 EUR an die GKV abführen. Auch deshalb ist eine zusätzliche private Berufsunfähigkeitsrente sinnvoll, selbst wenn das Versorgungswerk ausnahmsweise zahlen sollte.

Siehe dazu auch unseren Beitrag Muss ich von meiner Berufsunfähigkeitsrente Krankenversicherungsbeitrag zahlen?

Ist zusätzlich zur Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk eine private BU sinnvoll?

Auch bei weniger gravierenden Einschränkungen ist eine weitere Berufsausübung oft gesundheitlich nicht mehr möglich oder zumutbar. Die meisten Leistungsfälle von privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen liegen deutlich unter 100%! Daher ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung auch für Mitglieder von Versorgungswerken unverzichtbar. Soweit nach den Annahmerichtlinien der jeweiligen Gesellschaft möglich sollte ungeachtet der nur selten ausgezahlten Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk das Nettoeinkommen abgesichert werden.

So z.B. auch die Empfehlung des Versorgungswerks der Rechtsanwälte in Baden-Württemberg: „Selbstverständlich beinhaltet das aber auch die Empfehlung an jedes Mitglied, sich – wo es irgend geht – gegen das Risiko der bloß verminderten Erwerbsfähigkeit neben dem Versorgungswerk bei einer privaten Versicherungsgesellschaft abzusichern.

Sollten Sie immer noch unsicher sein, ob Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung benötigen, dann rufen Sie doch einfach einmal bei Ihrem Versorgungswerk an und fragen Sie nach, ob der Abschluss einer zusätzlichen eigenen Berufsunfähigkeitsversicherung unnötig ist. Sollte man Ihnen tatsächlich davon abraten, z.B. weil Sie mit einem ahnungslosen jungen Azubi telefoniert haben, notieren Sie sich unbedingt Datum, Zeit und den Namen des Mitarbeiters und bestätigen Sie dem Geschäftsführer des Versorgungswerks den Gesprächsinhalt per Einschreiben / Rückschein. Spätestens auf dieser Ebene wird eine unzutreffende Aussage dann unter Haftungsgesichtspunkten korrigiert werden. 🙂

Wie auf unseren Seiten zum Thema Berufsunfähigkeit beschrieben leistet eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ab einer 50%-igen gesundheitlichen Einschränkung, den aktuellen Beruf in seiner konkreten Ausgestaltung auszüben. Eigentlich wäre es deshalb zutreffender, von einer Rente für verminderte Berufsfähigkeit zu sprechen als von einer Berufsunfähigkeitsrente. Stark vereinfacht leistet eine private BU bereits wenn Sie morgens doppelt so lange brauchen, um sich anzuziehen, ins Büro zu fahren und dort Ihre Tätigkeit auszuüben.

Eine Verweisung auf theoretisch / abstrakt mögliche andere Tätigkeiten findet bei „guten“ Berufsunfähigkeitsversicherungen nicht statt. Der bisherige Beruf muss auch nicht aufgegeben werden. Je nach Anbieter kann der Versicherte bei Berufsunfähigkeit theoretisch immer noch 80% des bisherigen Einkommens verdienen, ohne dass deshalb seine Berufsunfähigkeitsrente reduziert wird.

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Anders als bei der Rente vom Versorgungswerk, die vom erkrankten Mitglied „zumutbare“ Heilbehandlung oder Reha-Maßnahmen fordert, um wieder gesund zu werden, verlangt eine gute private Berufsunfähigkeitsversicherung  nur gefahrlose ärztliche Maßnahmen mit sicherer Erfolgsaussicht ohne Schmerzen und vor allem keine Operationen.

Siehe hierzu u.a.:

Dr. Schlemann Berufsunfähigkeit ArztklauselUnsere Arztkunden profitieren von einer exklusiven „Dr. Schlemann BU Arztklausel„, die u.a. ausdrücklich klarstellt, dass die zuletzt ausgeübte ärztliche Tätigkeit versichert ist und nicht auf andere ärztliche Tätigkeiten verwiesen wird.

Beim Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung wird einkommensabhängig geprüft, in welcher Höhe eine Berufsunfähigkeitsabsicherung möglich ist. Ab einer höheren beantragten Berufsunfähigkeitsrente von z.B. monatlich 3.000 EUR wird die „100%-Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk“ dann meistens zu 50% angerechnet und reduziert so die maximal mögliche Absicherung.Praktische Tipps, Lifehacks und Gadgets
Expertentipp zur Optimierung Ihrer Berufsunfähigkeitsrente: manche Anbieter berücksichtigen die „worst case BU vom Versorgungswerk“ erst ab einer monatlichen Berufsunfähigkeitsrente von 4.000 oder 4.166 EUR. Eine Kombination verhilft hier ggf. zur passenderen Absicherung. Wir zeigen Ihnen gerne, wie das in der Praxis völlig legal funktioniert.

Unterschiede Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk und private Berufsunfähigkeitsversicherung

In der folgenden Übersicht beschreiben wir einige wichtige Unterschiede zwischen einer Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk und einer qualitativ hochwertigen privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, die jeweiligen Vorteile sind fett markiert:

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Versorgungswerk private BU
Leistet ab 100% 50%
Weitere Berufstätigkeit möglich nein ja, bis 80% Einkommen
Wartezeit bis zu 5 Jahre keine
Höhe BU Rente Ø 2.500 € frei wählbar
abstrakte Verweisbarkeit ja nein
Beitrag keiner je nach Absicherung
Gesundheitsprüfung nein ja
medizinische Mitwirkungspflichten „zumutbare“ Heilbehandlung oder Reha nur gefahrlose ärztliche Maßnahmen mit sicherer Erfolgsaussicht ohne Schmerzen, keine Operationen
Befristung BU möglich ausgeschlossen
Infektionsklausel (siehe Berufsunfähigkeit als Arzt oder Zahnarzt) nein ja

Beispiel Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk

Beispiel: Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk der Rechtsanwälte NRW

§ 18 der Satzung des Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Nordrhein-Westfalen:

(1) Ein Mitglied, das mindestens für drei Monate vor Eintritt der Berufsunfähigkeit Beiträge geleistet hat, und das

1. wegen Krankheit oder eines körperlichen Gebrechens oder wegen Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte oder Sucht voraussichtlich auf Dauer nur noch in der Lage ist, im Durchschnitt weniger als drei Stunden täglich anwaltlich tätig zu sein,

und

2. seine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt einstellt oder eingestellt hat,

erhält Berufsunfähigkeitsrente auf Dauer. 

(2) Ein Mitglied, das mindestens für drei Monate vor Eintritt der Berufsunfähigkeit Beiträge geleistet hat, und das

1. wegen Krankheit oder eines körperlichen Gebrechens oder wegen Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte oder Sucht auf absehbare Zeit, mindestens für die Dauer von sechs Monaten, nur noch in der Lage ist, im Durchschnitt weniger als drei Stunden täglich anwaltlich tätig zu sein,

und

2. seine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt einstellt oder eingestellt hat,

erhält Berufsunfähigkeitsrente auf Zeit. 

Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk bestimmt sich gem. § 19:

Der Monatsbetrag der Alters- bzw. der Berufsunfähigkeitsrente ist das Produkt aus dem Rentensteigerungsbetrag, der Anzahl der anzurechnenden Versicherungsjahre und dem persönlichen durchschnittlichen Beitragsquotienten. 

Mitglieder, die lange Jahre den Höchstbeitrag eingezahlt haben, erhalten also eine höhere Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk als Berufseinsteiger – die Schutz aber am nötigsten hätten!


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