Dr. Berndt Schlemann

Versorgungswerk für Freiberufler: Ein Überblick mit Praxistipps zu Rente und andere Leistungen für Pflichtmitglieder einer berufsständischen Kammer wie Ärzte, Apotheker, Architekten, Ingenieure, Notare, Psychologische Psychotherapeuten, Rechtsanwälte, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer und Zahnärzte.

Was sind die Vor- und Nachteile der Leistungen vom Versorgungswerk, mit welcher Rendite ist zu rechnen, was leistet das Versorgungswerk bei Berufsunfähigkeit, worauf sollten Mitglieder im Versorgungswerk bei Ihrer Krankenversicherung achten, wie kann ich mir Kindererziehungszeiten anrechnen lassen, Riester und Versorgungswerk – geht das?

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Hinweis: Wir beschreiben das Thema Versorgungswerk hier in den wichtigsten Grundzügen, die in den meisten Satzungen ähnlich geregelt sind. Die genauen, ggf. in Details abweichenden Regelungen ergeben sich aus der jeweiligen Satzung!

WICHTIG: Bitte lassen Sie sich von den umfassenden Infos auf unserer Website nicht zu „do-it-yourself“ Lösungen verführen. Mit unserer Beratung kommen Sie deutlich einfacher und sicherer ans Ziel. Wir wissen immer noch etwas mehr, als Sie hier lesen! Buchen Sie jetzt Ihren kostenlosen Beratungstermin – bundesweit per Onlineberatung

Versorgungswerk für FreiberuflerVersorgungswerk – Altersrente

Als Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker, Architekt, Notar, Rechtsanwalt, Patentanwalt, Steuerberater / Steuerbevollmächtigter, Wirtschaftsprüfer / vereidigter Buchprüfer, oder Ingenieur können Sie sich von der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) befreien lassen und Mitglied in einem Versorgungswerk werden.

Seit dem 1.1.2016 können sich auch angestellte Syndikusanwälte wieder von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen (siehe „Gesetz zur Neuordnung des Rechts der Syndikusanwälte und zur Änderung der Finanzgerichtsordnung“). Nähere Infos dazu finden Sie u.a. in dem hier verlinkten Hinweisblatt zur gesetzlichen Neuregelung für Syndikusanwälte der bayerischen Versorgungskammer und auf der Seite des Versorgungswerks der Rechtsanwälte NRW „Syndikusanwälte können wieder von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit werden„.

Für angestellte Ingenieure und psychologische Psychotherapeuten ist eine Befreiung von der GRV nicht vorgesehen, sie können sich zusätzlich freiwillig in einem Versorgungswerk versichern.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Im Jahr 2018 gab es in Deutschland insgesamt 90 Versorgungswerke mit mehr als einer Million Mitgliedern (Quelle: Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e.V.).

Vorteile der Altersrente vom Versorgungswerk

Mitglieder profitieren von einer zum Teil „kapitalgedeckten“ Altersvorsorge. Eigene eingezahlte Beiträge werden verzinst und später verrentet. Die einheitliche Risikostruktur von „Besserverdienern“ bietet weitere Vorteile.

Anders die gesetzliche Rentenversicherung: Dort bezahlen „umlagefinanziert“ junge Erwerbstätige (Problem: demographische Entwicklung!) unmittelbar die Renten der älteren Generation – ohne Rücklagen (bis auf die eng begrenzte sog. „Schwankungsreserve“), sozusagen „von der Hand in den Mund“.

Die Durchschnittsrente der Mitglieder in berufssständischen Versorgungswerken fällt deshalb mit etwas über 2.000 EUR fast doppelt so hoch aus, wie die Durchschnittsrente der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Nachteile der Altersrente vom Versorgungswerk

Die Altersrente vom Versorgungswerk ist aus mehreren Gründen eine etwas unsichere Angelegenheit:

Problem Anlagemodell

Schaut man beim Anlagemodell der Versorgungswerke genauer hin, so handelt es sich nicht um ein reines Kapitaldeckungsverfahren, sondern um ein „offenes Deckungsplanverfahren“, bei dem die Beiträge künftiger Mitglieder ebenfalls in die Kalkulation einbezogen werden. Dieses Verfahren ist eine Mischung aus Umlageverfahren und (vollständigem) Kapitaldeckungsverfahren. Die Beiträge werden wie in der gesetzlichen Rentenversicherung von den aktiven Mitgliedern individuell einkommensabhängig geleistet. Verwendet werden die Beiträge einerseits (zu ca. 10-40%) kollektiv für die zu erbringenden Rentenleistungen (= Umlageverfahren), andererseits wird damit ein kollektiver Kapitalstock aufgebaut.

Ebenso wie die gesetzliche Rentenversicherung sind die Versorgungswerke deshalb darauf angewiesen, dass stetig neue Beitragszahler aufgenommen werden (siehe auch den hier verlinkten Beitrag von Prof. Dr. Klaus Heubeck)!

Problem Mitgliederstruktur

Freiberufler als typische Mitglieder von Versorgungswerken haben eine im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung ca. vier Jahre höhere Lebenserwartung. Bei der Verrentung folgt daraus je nach verwendetem Berechnungsmodell („Sterbetafel“) eine etwas reduzierte monatliche Altersrente (siehe Wikipedia Berufsständische Versorgung). Die Auswirkungen von steigender Lebenserwartung, überaltertern Mitgliederstrukturen und einem stärkeren Zugang junger weiblicher Mitglieder mit höherer Lebenserwartung (so z.B. die Nordrheinische Ärzteversorgung in ihrem Geschäftsbericht) treffen vor allem jüngere Freiberufler!

Manche Versorgungswerke haben einen „Generationenfaktor“ und altersabhängige Verrentungsfaktoren eingeführt, um die Finanzierung gerechter auf die Mitglieder zu verteilen, die von steigender Lebenserwartung profitieren.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Problem Kapitalanlage und Rechnungszins

Auch Versorgungswerke können sich dem aktuellen Marktumfeld nicht entziehen. Wie in unserem Beitrag „Versorgungswerk-Renten in Gefahr – was tun?“ ausführlich beschrieben, mussten die meisten Mitglieder einer berufsständischen Versorgung durch das Anheben des Rentenalter von 65 auf 67 bereits eine fühlbare Rentenkürzung hinnehmen. Die aktuelle Niedrigzinsphase und gravierende Finanzierungsprobleme lassen weitere erhebliche Rentenkürzungen erwarten. Viele Versorgungswerke haben ihren Rechnungszins mittlerweise deutlich gesenkt.

Kein Inflationsausgleich

Versorgungswerk InflationsrateDie Versorgungswerkrente bietet keinen sicheren Inflationsausgleich! Dies wäre nur möglich, wenn das Versorgungswerk langfristig einen Überzins erzielt – das schafft derzeit kaum ein Versorgungswerk! Ein 37-jähriger Anwalt, der mit 67 gerne 4.000 EUR an Kaufkraft zur Verfügung hätte, benötigt dafür bei 2,5% Inflation monatlich 8.390 EUR! Dazu aus Lexikon Altersversorgung Versorgungswerk der Ärztekammer Hamburg: „Durch die Jahr für Jahr zu erwartende Dynamisierung deutlich unter der Inflationsrate sinkt die Altersrentenanwartschaft gegenüber dem laufenden Einkommen von Jahr zu Jahr ab“. Erschwerend kommt dazu, dass die hier nachzurechnende persönliche Inflationsrate für gut verdienende Mitglieder eines Versorgungswerks, die ggf. auch noch Immobilien besitzen, regelmäßig deutlich höher ausfällt, als die „normale“ Inflationsrate!

Keine garantierten Leistungen

Es gibt vom Eintritt bis zum Rentenantrag keine garantierte Rente. Die avisierte Altersrente vom Versorgungswerk basiert auf bestimmten Annahmen zu Rechnungszins, Lebenserwartung der Mitglieder (musste z.B. 2006 revidiert werden), Beitragshöhe, Kostenquoten, Zugang von Neumitgliedern etc. Diese Faktoren sind nicht garantiert, deshalb wird die konkrete Rentenhöhe erst bei Rentenbeginn festgelegt. Bei negativen Veränderungen werden die Renten gekürzt. Anders als bei privaten Versicherungen gibt es keine garantierte Mindestverzinsung.

Selbst die Satzungen von Versorgungswerken können i.d.R. mit einer 2/3 Mehrheit der Mitglieder jederzeit geändert werden, z.B. um Leistungen an sich ändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen. Anders private Altersvorsorge – diese basiert auf einer nachträglich nicht einseitig änderbaren vertraglichen Vereinbarung.

Konkrete Beispiele für solche Leistungskürzungen:

Weitere strukturelle Nachteile

Weitere zu berücksichtigende strukturelle Nachteile von Versorgungswerken:

  • Sie unterstehen nicht der Aufsicht des BaFin, sondern der Aufsicht der Finanz- oder Justizminister der Länder.
  • Es gibt keine gesetzliche Insolvenzregelung bzw. Absicherung durch Protektor. Bei der Pleite des Versorgungswerks der Schornsteinfegermeister im Jahr 2012 hat ausnahmsweise der Bund die Altlasten übernommen, es bleibt unsicher, was bei künftigen Pleiten von Versorgungswerken geschieht.

Reicht die Altersrente vom Versorgungswerk?

Die klare Antwort: NEIN! Geben Sie sich bitte nicht der Illusion hin, mit der Altersrente vom Versorgungswerk Ihre komplette Altersvorsorge geregelt zu haben.

Dazu einige Stichpunkte:

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!
  1. Die Pflichtbeiträge zum Versorgungswerk basieren auf der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Jahr 2021 liegt diese bei 7.100 € p.m., davon ein Beitragssatz von 18,6% ergibt einen Regelpflichtbeitrag i.H.v. 1320,60 EUR pro Monat. Entsprechend ist auch die Versorgungswerkrente gedeckelt und für Mitglieder mit einem Verdienst oberhalb der BBG nicht ausreichend, um den Lebensstandard vor Renteneintritt annähernd zu halten.
  2. Keine garantierten Leistungen, siehe oben.
  3. Kein sicherer Inflationsausgleich, siehe oben.

Die durchschnittliche Altersrente aus einem Versorgungswerk betrug 2019 nur 2.135 EUR, siehe die nachfolgende Übersicht der ABV!

Fazit: auch Freiberufler im Versorgungswerk haben eine Rentenlücke, die mit privater Vorsorge auszugleichen ist!

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Versorgungswerk - aktuelle Probleme für Freiberufler

Auswahl des „richtigen Versorgungswerks“

Manche Versorgungswerksmitglieder können zwischen zwei Versorgungswerken wählen, z.B. bei Wohnsitz in einem Bundesland und Arbeitsort in einem anderen Bundesland. Auch beim Umzug in ein anderes Bundesland stellt sich häufig die Frage, ob es sinnvoll ist, von einem der Überleitungsabkommen Gebrauch zu machen, oder ob die erworbenen Ansprüche beim bisherigen Versorgungswerk besser angelegt sind. Ggf. kann man in einem Versorgungswerk Mitglied bleiben bzw. werden und sich aufgrund dieser Mitgliedschaft beim anderen Versorgungswerk befreien lassen. Rechtsanwälte die Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer werden bzw. Steuerberater, die sich zum Wirtschaftsprüfer weiterbilden, können je nach Bundesland ggf. auch zwischen den Versorgungswerken wählen.

Achtung: Für manche Versorgungswerke ist die freiwillige Mitgliedschaft in einem anderen Versorgungswerk kein Befreiungsgrund, z.B. für die Bayerische Rechtsanwalts- und Steuerberaterversorgung. Hier würden Sie also doppelt zahlen, wenn Sie nach Bayern ziehen und freiwillig Mitglied in ihrem früheren Versorgungswerk bleiben.

Checkliste für die Auswahl des Versorgungswerks

Es gibt Versorgungswerke, die „besser“ mit dem ihnen anvertrauten Geld wirtschaften, andere haben dabei eine weniger glückliche Hand und haben z.B. zu lange auf festverzinsliche Wertpapiere gesetzt, statt in der nun schon lange anhaltenden Niedrigzinsphase schon frühzeitig den Fokus auf Immobilien und Aktien zu verschieben.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Hier eine Checkliste mit Kriterien, die Sie in Ihre Überlegung einbeziehen können:

  • Summe Beitragseinnahmen p.a. / pro beitragszahlendem Mitglied und Höhe Kapitalanlagen (ein Indiz für Stabilität)
  • Höhe Rechnungszins.
  • Nettorendite / Durchschnittsverzinsung Kapitalanlagen (sollte über dem Rechnungszins liegen!).
  • Höhe Verwaltungskosten in Prozent der Beitragseinnahmen.
  • Durchschnittsrente pro Monat (Altersvorsorge)
  • Hochgerechnete Altersrente bei Zahlung Regelpflichtbeitrag (2021: 1.320,60 EUR), ggf. Höhe Altersrente aktueller Versorgungswerksrentner, die über einen vergleichbaren Zeitraum den Regelpflichtbeitrag eingezahlt haben.
  • Höhe Berufsunfähigkeitsrente (auch wenn die so gut wie nie zahlen, siehe Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk)
  • Anzahl der Überleitungsabkommen – so sind Sie für künftige berufliche und private Veränderungen flexibler, Ihre Altersvorsorge ggf. noch einmal „umzuziehen“.

Bedenken Sie bitte: Der Status Quo ist immer nur eine Momentaufnahme und nicht unbedingt ein geeigneter Maßstab für eine Entscheidung für die nächsten 60 Jahre! Daher sollten Sie auch die Entwicklung der letzten Jahre in Ihre Prognose einbeziehen.

Datenquelle für die Auswahl des Versorgungswerk

Viele dieser Daten (bis auf hochgerechnete Altersrenten) ergeben sich aus den letzten Mitgliederrundschreiben (für Rechtsanwälte in NRW hier transparent zum Download beim Versorgungswerk), sonst bitte beim jeweiligen Versorgungswerk erfragen.

Eine Bitte: Informieren Sie uns über Ihre Erkenntnisse! Wir arbeiten neue Daten gerne hier ein. So helfen Sie anderen Kollegen in ähnlicher Situation. 🙏

Versorgungswerk: Renditecheck

Bei der jährlichen Mitteilung der zu erwartenden Rente rechnen Versorgungswerke häufig mit einer prognostizierten Rendite („Rechnungszins“) von 4%. Auf unserer Seite „Versorgungswerk – Renditecheck“ finden Sie beispielhafte, nicht immer ganz aktuelle Zahlen zur Rendite der größten Versorgungswerke in den letzten Jahren. Einige Versorgungswerke liegen mit Renditen von 2,4% oder 3,2% deutlich unter den erwarteten Werten, hier sind Rentenkürzungen mehr als wahrscheinlich! Rechtsanwälte in NRW finden aktuelle Zahlen zur Rendite auf unserer Seite Versorgungswerk der Rechtsanwälte NRW: aktuelle Rendite.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Strategie

Die Zahlung der satzungsgemäßen Beiträge (z.B. Ärzteversorgung Nordrhein) ist für die Mitglieder der rund 90 Versorgungswerke in Deutschland verpflichtend – es besteht keine Wahlmöglichkeit. Ein Freiberufler ist dort immer noch deutlich besser aufgehoben als bei der gesetzlichen Rente.

Oft regen Versorgungswerke jedoch an, über diese Pflichtbeiträge hinaus freiwillige Einzahlungen zu leisten, um sich höhere Rentenansprüche zu sichern.

Aufgrund der in meinem Artikel „Versorgungswerk-Renten in Gefahr – was tun?“ beschriebenen Unsicherheiten würde ich von dieser Möglichkeit eher nicht Gebrauch machen, sondern zusätzlich privat vorsorgen. Die Renditeunterschiede zwischen Versorgungswerk und privater Altersvorsorge sind wie unter Versorgungswerk – Renditecheck geschildert minimal.

Die Versorgungswerk-Rente ist wie unter Altersvorsorge beschrieben zu versteuern und unflexibel (nicht frei vererbbar, keine Kapitalauszahlung möglich etc.). Diese Nachteile können durch zusätzliche eigene private Altersvorsorge gut ausbalanciert werden.

Eine mögliche Strategie könnte auch sein, die Einzahlung ins Versorgungswerk mit 60 bzw. 62 zu beenden und frei werdende Beiträge in eine Basisrente zu investieren, wie in dem hier verlinkten Artikel Lohnt eine Umschichtung von Leistungen vom Versorgungswerk in eine Rürup-Rente? beschrieben.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Kindererziehungszeiten

Bei der Anerkennung von Kindererziehungszeiten zur Rentenberechnung haben Versorgungswerksmitglieder keine Nachteile gegenüber GRV Versicherten. Seit einem Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2008 werden auch bei Mitgliedern von Versorgungswerken Kindererziehungszeiten von der GRV anerkannt und ihnen entsprechende „Entgeltpunkte“ gutgeschrieben. Für Geburten vor 1992 werden 12 Monate Kindererziehung angerechnet, 36 Monate für Geburten ab 1992. Mit zwei ab 1992 geborenen Kindern wäre damit die Wartezeit der GRV von 60 Monaten automatisch erfüllt. Bei der Prüfung der Wartezeit werden natürlich auch eventuelle gesetzlich sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten vor der Mitgliedschaft im Versorgungswerk berücksichtigt.

Beispiel VersorgungswerkHier ein konkretes Beispiel: die Beantragung der Anerkennung der Kindererziehungszeiten für meine Frau (Frauenärztin – und zugleich unsere Gesellschaftsärztin) für zwei ab 1992 geborenen Kindern ergab rund 150 EUR zusätzliche Altersrente!

Seit 2010 besteht die Möglichkeit, nicht erfüllte Wartezeiten in der GRV mit zusätzlichen eigenen Beiträgen aufzufüllen, damit Kindererziehungszeiten unter insgesamt 5 Jahren auch tatsächlich zu einer entsprechenden Rentenzahlung führen. Siehe dazu auch den hier verlinkten Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt 2009.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Versorgungswerk - ExpertentippDaher der Praxistipp z.B. für Ärztinnen und Rechtsanwältinnen: wenn Sie Kinder haben warten Sie nicht bis zum Rentenalter, sondern setzen Sie sich am besten jetzt schon mit der örtlich zuständigen Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung – Bund in Verbindung, um a) Ihre Kindererziehungszeiten anrechnen zu lassen und b) zu klären, inwieweit für Ihren Rentenanspruch noch eine Beitragsnachzahlung erforderlich ist.

Ein weiterer großer Vorteil der Anrechung von Kindererziehungszeiten: damit können Sie unter Umständen Ihre Beiträge zur Krankenversicherung als Rentnerin deutlich senken, siehe dazu unsere Seite Versorgungswerk und Krankenversicherung!

Versorgungswerk und Riester – wie geht das?

Pflichtmitglieder in einem Versorgungswerk sind zunächst nicht riesterförderfähig. Es gibt jedoch auch für Mitglieder von Versorgungswerken Möglichkeiten, von der staatlichen Förderung der Riester-Rente zu profitieren:

  • Mittelbare Förderung: ist der Ehegatte riesterförderfähig, dann kann das Mitglied eines Versorgungswerks davon über die sog. „mittelbare Riester-Förderung“ profitieren. Es zahlt nur den gesetzlichen Mindestbeitrag von 60 EUR im Jahr und erhält dafür 175 EUR an staatlicher Zulage. Rendite = 292% plus ggf. zusätzliche Steuervorteile plus Verzinsung des Produkts.
  • Sozialversicherungspflichtiger Nebenjob: ist das Versorgungswerksmitglied zusätzlich noch sozialversicherungspflichtig tätig (nicht nur in einem „450 EUR Job“ geringfügig beschäftigt), dann ist es aus dieser Tätigkeit heraus voll riesterförderfähig.
  • Freiwillige Mitgliedschaft im Versorgungswerk: Angestellte, die im Versorgungswerk nur freiwillig bzw. zusatzversichert sind, weil sie gleichzeitig in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind („nicht von der Versicherungspflicht nach § 6 Abs. 1 SGB VI befreit“), gehören ebenfalls zum förderfähigen Personenkreis. Dies gilt insbesondere für Syndikusanwälte, die nach den Entscheidungen des Bundessozialgerichts vom 3.4.2014 in der (gesetzlichen) Deutschen Rentenversicherung versicherungspflichtig geworden sind und sich nicht nach neuer Rechtslage ab 1.1.2016 haben befreien lassen.

Versorgungswerk - ExpertentippTipp zu Riester und Versorgungswerk: Ist unsicher, ob und wann Sie Pflichtmitglied eines Versorgungswerks sind bzw. werden bzw. inwieweit Sie sozialversicherungspflichtig bleiben, sollten Sie nach entsprechender Beratung ein Riester-Produkt auswählen, in das Sie ohne Kostennachteile sowohl riester-geförderte wie ungeförderten Beiträge einzahlen können, welche dort im Hinblick auf eine spätere Versteuerung separat verwaltet werden. So bleiben Sie völlig flexibel und haben bei Veränderungen keine Nachteile. Sollte eine Riester-Förderung zwischenzeitlich entfallen, sparen Sie einfach als private Altersvorsorge weiter und profitieren z.B. weiterhin von der bei Riester vorgeschriebenen Beitragsgarantie.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Versorgungswerk für Handwerker / Presseversorgungswerk?

Für Handwerker, im Einzelhandel oder für die Kommunikations- und Medienbranche werden teilweise auch Vorsorgeverträge unter der Bezeichnung „Versorgungswerk“ angeboten (z.B. „Presseversorgungswerk“). Dahinter steckt dann i.d.R. eine private Versicherung, die verschiedene Sozialleistungen anbietet, manchmal in Kooperation mit einer berufsständischen Einrichtung oder einem Verband (z.B. Kammer, Innung, Berufsverband) anbietet. Die Mitgliedschaft ist nicht verpflichtend; solche freiwilligen Zusatzversorgungen befreien nicht von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung gem. § 6 Abs. 1 SGB VI.

Versorgungswerk – Berufsunfähigkeitsrente

Versorgungswerk - Berufsunfähigkeit

Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Notare, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure, etc. erhalten in Extremfällen eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk, sofern sie ihren Beruf überhaupt nicht mehr (!) ausüben können. Unter welchen Voraussetzungen wird eine Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk gezahlt und ist zusätzlich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung nötig bzw. sinnvoll? Was sind die Unterschiede zwischen beiden? Diese und weitere Fragen behandeln wir ausführlich auf unserer Seite Berufsunfähigkeitsrente vom Versorgungswerk.

Sie haben eine Frage? Nutzen Sie unsere kostenlose Beratung!

Versorgungswerk und Krankenversicherung

Für Mitglieder eines Versorgungswerks gibt es auch bei der Krankenversicherung einige Besonderheiten zu berücksichtigen, sowohl für privat Krankenversicherte wie auch für Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung. Auf unserer Seite Versorgungswerk und Krankenversicherung gehen wir ein auf Themen wie:

  • Welchen Beitragszuschuss bekomme ich als Rentner vom Versorgungswerk zu meinen Krankenversicherungsbeiträgen?
  • Wer zahlt für meine Anschlussheilbehandlung wenn ich als Versorgungswerksmitglied privat krankenversichert bin?
  • Welche Beiträge zahle ich als Versorgungswerk-Rentner zur gesetzliche Krankenversicherung?

Fazit

Versorgungswerk - ExpertentippSuchen Sie am besten Rat bei einem unabhängigen Finanzberater, der aufgrund eigener Mitgliedschaft in einer berufsständischen Versorgung und durch Betreuung vieler freiberuflich tätiger Mandaten (einschließlich der eigenen Ehefrau als Ärztin) auf dem Gebiet Freiberufler / Versorgungswerk bestens bewandert ist. Ja genau – Sie dürfen sich gerne an uns wenden :-).

Ein Hinweis: Wir beraten Sie gerne zum Thema Versorgungswerk bei der gemeinsamen Planung Ihrer Altersvorsorge mit Umsetzung der zu Ihrer Situation individuell passenden Sparformen. Wenn es Ihnen nicht um die Vermittlung von Altersvorsorgelösungen geht, sondern Sie ausschließlich Rechtsfragen bzw. Fragen zu Ihrem Versorgungswerk haben, empfehlen wir Ihnen gerne kompetente Versicherungsberater aus unserem Netzwerk, die auf Honorarbasis tätig sind. Als Versicherungsmakler ist uns in diesen Fällen eine Beratung aufgrund der Vorschriften des Rechtsdienstleistungsgesetzes leider nicht möglich. Bei anderen Fragen zur Vermittlung passender Lösungen in unseren Spezialgebieten Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge und Geldanlage stehen wir Ihnen natürlich sehr gerne zur Verfügung.


Jetzt kostenlosen Termin buchen

Lassen Sie sich von den vielen Informationen auf unserer Website nicht zu "do-it-yourself" Lösungen verführen. Mit unserer persönlichen Beratung kommen Sie einfacher und sicherer ans Ziel. Buchen Sie jetzt Ihren kostenlosen Beratungstermin in Köln oder bundesweit per "Onlineberatung":

Aktuell bieten wir primär die garantiert Corona-sichere Onlineberatung an. Bitte kontaktieren Sie uns sofern besondere Gründe für einen persönlichen Termin in unserem Kölner Büro sprechen.

Bitte wählen Sie ein Beratungsthema: