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Wann investieren? Jetzt!

Dr. jur. Berndt Schlemann

Die ehrliche Antwort auf die Frage „Wann investieren?“ lautet in den allermeisten Fällen: heute. Nicht, weil die Börse morgen steigt – das weiß niemand –, sondern weil der wichtigste Faktor beim Vermögensaufbau nicht die Marktlage ist, sondern die Zeit. Wer auf den perfekten Einstieg wartet, verschenkt genau diesen Faktor. Auf dieser Seite erfahren Sie, warum der Zeitpunkt fast immer überschätzt und die Haltedauer fast immer unterschätzt wird, worin sich Sparen und Investieren unterscheiden und worauf Sie achten sollten, bevor Sie loslegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeit schlägt Timing. Über lange Zeiträume entsteht der Großteil der Rendite an wenigen, nicht vorhersehbaren Tagen. Wer dauerhaft investiert ist, fängt sie automatisch mit.

  • Sparen ist nicht investieren. Geld auf dem Tagesgeldkonto verliert durch die Inflation an Kaufkraft. Investieren bedeutet, es real wachsen zu lassen.

  • Der Zinseszins braucht Vorlauf. Schon 15 Jahre früher zu beginnen, kann das Endvermögen mehr als verdreifachen – bei gleicher monatlicher Sparrate.

  • Erst die Basis, dann die Rendite. Notgroschen, Anlagehorizont und die Absicherung der eigenen Arbeitskraft gehören vor das erste Investment.

  • Regelmäßig statt perfekt. Ein monatlicher Sparplan nimmt die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt aus dem Spiel und glättet die Schwankungen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Investieren?

Es gibt einen alten Satz unter Anlegern: Der beste Zeitpunkt, um zu investieren, war vor zwanzig Jahren. Der zweitbeste ist heute. Dahinter steckt keine Verkaufsfloskel, sondern eine gut belegte Beobachtung – nämlich, dass der Versuch, den Markt zu timen, langfristig mehr kostet als er bringt.

Die Zahlen dazu sind eindeutig. Eine Auswertung der Sutor Bank über den Zeitraum 1988 bis 2018 zeigt: Wer beim deutschen Leitindex DAX in diesen 31 Jahren nur die 13 besten Börsentage verpasst hat, büßte rund die Hälfte seiner Gesamtrendite ein. Beim weltweit gestreuten MSCI World reichten dafür schon zwölf Tage. JP Morgan Asset Management kommt für die letzten 20 Jahre zu einem ähnlichen Ergebnis: Schon das Verpassen der zehn besten Tage halbiert die Rendite nahezu. Das Tückische daran: Diese besten Tage lassen sich nicht im Voraus erkennen. In sechs von zehn Fällen folgten sie innerhalb von zwei Wochen auf die schlechtesten – also genau dann, wenn die meisten Anleger aus Angst bereits ausgestiegen waren.

Wer also auf den vermeintlich günstigen Moment wartet, geht ein größeres Risiko ein als jemand, der einfach investiert bleibt: Er riskiert, die entscheidenden Erholungstage zu verpassen. „Zeit am Markt“ schlägt „den Markt timen“ – diese Faustregel hält jeder seriösen Auswertung stand.

Bleibt die Sorge vor dem Einmal-Einstieg zum Höchstkurs. Sie ist verständlich, aber lösbar: Wer monatlich einen festen Betrag anlegt, kauft bei hohen Kursen automatisch weniger und bei niedrigen mehr Anteile. Dieser Durchschnittskosteneffekt nimmt der Zeitpunktfrage ihre Schärfe. Für die meisten Berufstätigen ist der Sparplan deshalb der bequemere und nervenschonendere Weg als der Versuch, den perfekten Tag abzupassen. Mehr zum Mechanismus dahinter lesen Sie in unserer Erklärung zum Zinseszinseffekt.

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Sparen oder investieren – wo liegt der Unterschied?

Viele verwenden „sparen“ und „investieren“ synonym, dabei sind es zwei verschiedene Dinge. Sparen heißt, Geld zur Seite zu legen, ohne es nennenswert wachsen zu lassen – etwa auf dem Giro-, Tagesgeld- oder Sparkonto. Das ist sicher und jederzeit verfügbar, aber es hat einen Haken: die Inflation. Liegt die Teuerung bei rund zwei Prozent pro Jahr – dem mittelfristigen Ziel der Europäischen Zentralbank – und Ihr Konto bringt weniger, verlieren Ihre Ersparnisse Jahr für Jahr an Kaufkraft. Nominal bleibt der Betrag gleich, real können Sie sich immer weniger dafür kaufen.

Investieren bedeutet dagegen, das Geld arbeiten zu lassen – in Sachwerte wie Aktien, breit gestreute Indexfonds (ETFs) oder Immobilien. Hier gibt es keine Garantie, dafür eine reale Renditechance: Der MSCI World, der über 1.300 Unternehmen aus den Industrieländern abbildet, hat langfristig im Schnitt rund sieben bis acht Prozent pro Jahr erzielt. Für die eigene Planung rechnen erfahrene Anleger konservativer, etwa mit sechs Prozent. Der Preis dafür sind zwischenzeitliche Schwankungen, die man aussitzen können muss.

Spekulieren ist davon noch einmal zu trennen: Wer auf einzelne Aktien, Kryptowährungen oder kurzfristige Kursgewinne setzt, sucht das schnelle Geld und akzeptiert ein hohes Verlustrisiko. Das ist legitim, hat mit langfristigem Vermögensaufbau aber wenig zu tun.

SparenInvestierenSpekulieren
ZielGeld sicher parkenVermögen real aufbauenkurzfristiger Gewinn
Horizontkurzfristig10 Jahre und längerkurz bis sehr kurz
Renditechancesehr geringsolide, marktüblichhoch, aber unsicher
RisikoKaufkraftverlustSchwankungenTotalverlust möglich
EignungNotgroschenAltersvorsorge, VermögensaufbauSpielgeld
Vereinfachte Gegenüberstellung – keine Anlageempfehlung. Renditeangaben sind historische Durchschnittswerte und keine Garantie für die Zukunft.

Beide haben ihren Platz: Der Notgroschen gehört auf ein sicheres Konto, der langfristige Vermögensaufbau in Sachwerte. Welche Anlageform zu welchem Ziel passt, vertiefen wir in unserer Investment-Wiki.

„Jetzt kann ich nicht investieren!“ – die Ausreden der Lebensphasen

Eigentlich würden die meisten Menschen gerne Geld anlegen. In jeder Lebenslage findet sich aber ein Grund, warum es ausgerechnet jetzt nicht passt: die Ausbildung, der Berufsstart, die Wohnungseinrichtung, die Kinder, der Hausbau. So wird die Entscheidung immer weiter aufgeschoben – und genau das ist der teuerste Fehler im Umgang mit Geld. Vielleicht kommt Ihnen die eine oder andere dieser Aussagen bekannt vor.

Alter 20 bis 27

„Investieren? Ich bin gerade im Studium. Ich bin jung und möchte mein Leben genießen. Und ob ich nach dem Abschluss direkt einen Job bekomme, steht in den Sternen. Wenn ich erst einmal verdiene, fange ich an.“

Alter 28 bis 35

„Gerade jetzt soll ich investieren? Ich habe doch erst vor Kurzem angefangen zu arbeiten und mich im Studium lange genug eingeschränkt. Jetzt will ich erst einmal mein Einkommen genießen – Zeit habe ich ja noch genug.“

Alter 36 bis 45

„Wie soll ich denn jetzt investieren? Mit Familie habe ich mehr Ausgaben als je zuvor. Wenn die Kinder größer sind, denke ich darüber nach.“

Alter 46 bis 55

„Ich würde ja gerne, aber mit zwei studierenden Kindern geht es einfach nicht. Das kostet jeden Cent. Aber das dauert nicht ewig – danach fange ich an.“

Alter 56 bis 67

„Ich weiß, dass ich investieren sollte, aber jetzt ist es knapp. Warum habe ich nicht schon vor 20 Jahren Monat für Monat mit kleinen Beträgen begonnen? Vielleicht ergibt sich ja noch etwas.“

Alter über 67

„Jetzt ist es zu spät. Die staatliche Rente reicht kaum – hätte ich bloß investiert, als ich noch die Mittel dazu hatte. Ohne Einkommen lässt sich nichts mehr aufbauen.“

Das Muster ist immer dasselbe: Es gibt nie den objektiv perfekten Moment. Wer wartet, bis alle Umstände stimmen, wartet ewig. Entscheidend ist nicht die Höhe des Betrags, sondern dass Sie überhaupt anfangen – und zwar so früh wie möglich.

Warum sich früh investieren lohnt: der Zinseszins mit Zahlen

Warum „so früh wie möglich“ kein Werbespruch ist, zeigt eine einfache Beispielrechnung. Nehmen wir zwei Anleger, die beide 200 Euro im Monat zurücklegen und denselben ETF besparen. Wir rechnen mit einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr, vor Steuern und Kosten.

Der Unterschied ist gewaltig: rund 293.000 Euro – obwohl Anleger A nur 36.000 Euro mehr eingezahlt hat. Die restlichen rund 257.000 Euro Differenz sind nichts anderes als gewonnene Zeit, in der der Zinseszins arbeiten konnte. Genau deshalb ist der frühe Start der größte Hebel beim Vermögensaufbau – wichtiger als die Sparrate und wichtiger als der Einstiegszeitpunkt. Wer diesen Effekt gezielt für den Ruhestand nutzen will, findet weitere Bausteine in unserem Bereich Altersvorsorge.

Ein wichtiger Hinweis: Historische Durchschnittsrenditen sind keine Garantie für die Zukunft, und der Weg dorthin verläuft nie geradlinig. Zwischenzeitliche Kursrückgänge von 30 bis 50 Prozent hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Wer einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren mitbringt, konnte solche Phasen historisch jedoch aussitzen – über diese Dauer gab es beim breit gestreuten Weltaktienmarkt bislang keine Verlustjahre.

Worauf Sie vor dem Investieren achten sollten

„Jetzt investieren“ heißt nicht „kopflos loslegen“. Bevor der erste Euro in den Markt fließt, sollten ein paar Grundlagen stehen. Diese Reihenfolge hat sich in der Beratung bewährt:

Ist Ihre aktuelle Geldanlage noch die richtige?

Die Frage „Wann investieren?“ stellt sich nicht nur Einsteigern. Auch wer längst anlegt, sollte gelegentlich prüfen, ob die Strategie noch passt. Ein Anlass zum Nachjustieren besteht typischerweise dann, wenn ein großer Teil Ihres Geldes unverzinst auf dem Konto liegt, wenn Sie alte, teure Verträge mit hohen laufenden Kosten halten, wenn Ihr Depot stark auf einzelne Werte oder eine Region konzentriert ist oder wenn sich Ihre Lebenssituation geändert hat – etwa durch Familienzuwachs, ein Erbe oder den näher rückenden Ruhestand.

Eine Anlage „umzustellen“ heißt dabei selten, alles auf einmal umzuschichten. Oft genügt es, neue Sparraten anders auszurichten, Klumpenrisiken behutsam abzubauen und die Kostenseite zu prüfen. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Geld gut aufgestellt ist, lohnt ein nüchterner Blick von außen. Genau dabei unterstützt Sie unsere Beratung zu Geldanlage und Investment – unabhängig und ohne Verkaufsdruck.

Fazit: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt

Auf die Frage „Wann investieren?“ gibt es keine Marktprognose als Antwort, sondern eine Haltung: lieber heute mit einem überschaubaren Betrag beginnen, als auf den perfekten Moment zu warten, der ohnehin nie kommt. Zeit am Markt schlägt das Timing des Marktes, der Zinseszins belohnt jeden Monat Vorsprung, und ein monatlicher Sparplan nimmt der Zeitpunktfrage ihre Schwere. Sorgen Sie zuerst für Notgroschen und die Absicherung Ihrer Arbeitskraft – und legen Sie dann los.

Wenn Sie gemeinsam planen möchten, mit welcher monatlichen, zu Ihrer Lebenssituation passenden Rate Sie Ihre Ziele erreichen, sprechen Sie uns an. Warum tausende Mandanten uns über 6.100-mal positiv bewertet haben, erfahren Sie in unserer Beratung zu Geldanlage und Investment. Investieren Sie JETZT – und nutzen Sie den Zinseszinseffekt.

Häufige Fragen rund um den richtigen Zeitpunkt

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Investieren?

Für langfristig orientierte Anleger ist nahezu jeder Zeitpunkt ein guter, sofern der Anlagehorizont stimmt. Niemand kann den perfekten Einstieg vorhersagen – wichtiger ist, überhaupt investiert zu sein. Wer das Risiko eines ungünstigen Einmal-Einstiegs scheut, verteilt seine Anlage über einen monatlichen Sparplan.

Soll ich jetzt investieren oder lieber warten?

Warten kostet meist mehr, als es bringt. Da ein großer Teil der Rendite an wenigen, nicht prognostizierbaren Tagen entsteht, riskiert man beim Abwarten, genau diese Tage zu verpassen. Für einen Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr spricht wenig dafür, den Einstieg aufzuschieben.

Sparen oder investieren – was ist sinnvoller?

Beides hat seinen Zweck. Der Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben gehört auf ein sicheres, verfügbares Konto. Geld, das Sie über zehn Jahre und länger nicht benötigen, sollte investiert werden, weil es sonst durch die Inflation an Kaufkraft verliert. Reines Sparen baut langfristig kein Vermögen auf.

Wie viel Geld sollte ich monatlich investieren?

Wichtiger als die Höhe ist die Regelmäßigkeit. Schon 50 oder 100 Euro im Monat entfalten über Jahrzehnte eine spürbare Wirkung. Sinnvoll ist eine Rate, die Sie dauerhaft durchhalten können, ohne den Notgroschen anzutasten – im Zweifel lieber kleiner anfangen und später erhöhen.

Warum sollte man möglichst früh investieren?

Wegen des Zinseszinseffekts. Je länger das Geld angelegt ist, desto stärker wirken die Erträge auf bereits erzielte Erträge. In unserer Beispielrechnung führt ein Start mit 25 statt mit 40 bei gleicher Sparrate zu mehr als dem Dreifachen des Endvermögens. Zeit ist der Hebel, den man später nicht mehr aufholen kann.

Wann sollte ich meine Geldanlage umstellen?

Ein Anlass besteht, wenn viel Geld unverzinst auf dem Konto liegt, wenn alte Verträge hohe Kosten verursachen, wenn das Depot zu einseitig aufgestellt ist oder wenn sich Ihre Lebenssituation ändert. Umstellen heißt dabei selten „alles auf einmal“ – oft genügt es, neue Sparraten neu auszurichten und Klumpenrisiken behutsam abzubauen.

In was sollte man investieren?

Für den langfristigen Vermögensaufbau eignet sich ein breit gestreuter, kostengünstiger Aktien-ETF als Basis. Je nach Vermögen und Zielen kommen Sachwerte wie Immobilien als Ergänzung hinzu. Welche Mischung zu Ihnen passt, hängt von Anlagehorizont, Risikotragfähigkeit und Ihren Zielen ab – genau das klären wir in einer persönlichen Beratung.

Letztes Update:
Dr. Berndt Schlemann
Autor: Dr. Berndt SchlemannGeschäftsführer, Volljurist
Seit 2005 berate ich anspruchsvolle Kunden als unabhängiger Finanzberater und Versicherungsmakler. Meine Spezialgebiete sind die Beratung zu privater Krankenversicherung, Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und steueroptimierter Altersvorsorge. Von meiner Ausbildung her bin ich Volljurist mit zwei bayerischen Prädikatsexamen, juristischer Promotion in Saarbrücken und Zusatzqualifikation im Steuerrecht.

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