Private Krankenversicherung Beitragskalkulation

Es gibt einige berechtigte kritische Fragen – manchmal auch Vorurteile – zum Thema Private Krankenversicherung. Die davon am häufigsten gestellten beantworten wir auf dieser Seite. Wenn Sie sich die Entscheidung gesetzlich oder doch lieber privat krankenversichern leichter machen möchten, nutzen Sie statt “Heimstudium” unsere kostenlose Beratung!

PKV – kritische Fragen & Antworten

In unserer langjährigen Beratungspraxis begegnen uns immer wieder ähnliche kritische Fragen bzw. Vorurteile, durch die sich manche vom ggf. sinnvollen Wechsel in eine gute private Krankenversicherung (PKV) abhalten lassen. Dabei sagt eine TNS Emnid-Umfrage 2010 klar, dass 79% der PKV Versicherten sich bei Krankheit besser abgesichert sahen als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Achtung: es gibt eine ganz natürliche Tendenz, in bestehenden Strukturen zu verharren. Der Mensch tut sich generell schwer mit Veränderung aus einem vertrauten System in ein (noch) unbekanntes System, man könnte von einer Art „confirmation bias“ sprechen.

Hier vier kritische Fragen zur privaten Krankenversicherung (Details unten per Mausklick), die uns in der Beratung immer wieder gestellt werden:

  1. Ist die private Krankenversicherung im Alter unbezahlbar?
  2. Ist die private Krankenversicherung mit Familie unbezahlbar?
  3. Komme ich nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung? und vielleicht noch
  4. Ist die private Krankenversicherung unsolidarisch?

Vorurteile und Fragen private Krankenversicherung - Alter Mann1. Ist die PKV im Alter unbezahlbar?

Bei Abschluss einer privaten Krankenversicherung erhalten Sie in einem leistungsstarken Tarif bessere Leistungen als in der GKV zu einem meistens sogar günstigeren Preis. Für die Beurteilung des Preis-/Leistungsverhältnisses PKV vs. GKV ist aber natürlich auch wichtig, wie sich der Beitrag zukünftig entwickeln wird. Wir besitzen keine Glaskugel, versuchen Ihnen hier aber einige Fakten an die Hand zu geben, um diese Frage besser einschätzen zu können.

Vorab dazu eine offizielle Aussage der Bundesregierung vom 30.5.2016 (BT-Drs 18/8590) auf eine Anfrage der Grünen zur Belastung von Rentnern mit PKV Beiträgen: “Der Anteil der privat Versicherten, die eine Prämie entrichten, die den Höchstbeitrag der GKV überschreitet, lag nach Angaben des WIP im Jahr 2012 bei 0,5 Prozent der Versicherten.” Nur einer von 200 PKV Versicherten zahlt also mehr als den Höchstbeitrag in der GKV!

Beitragskalkulation in der PKV

Eines muss klar gesagt werden: die private Krankenversicherung wird nicht deshalb teurer, weil der Versicherte älter wird!

Älter werden ist nicht wirklich überraschend, sondern einkalkuliert. Deshalb sind Beiträge der PKV und der meisten Zusatzversicherungen so berechnet, dass diese theoretisch (ohne “medizinische Inflation”, s.u.) ein Leben lang konstant bleiben. Der Beitrag wird nämlich unter Berücksichtigung der Lebenserwartung kalkuliert, d.h. in jungen Jahren sind die Beiträge höher als die tatsächlichen Kosten, die später höheren Kosten werden aus diesem angesparten Kapital (“Altersrückstellung“) bezahlt. Siehe dazu die hier verlinkte Grafik “Beitragskalkulation in der PKV“:

Private Krankenversicherung Beitragskalkulation

Insofern liegen Diskussionen um die “Vergreisung” von Tarifen neben der Sache, wie im Artikel “PKV-Vorurteile: Vergreisung” eines Maklerkollegen ausführlich erklärt.

Medizinische Inflation

Medizin wird jedes Jahr teurer, unabhängig davon ob gesetzlich oder privat versichert. Die Hauptgründe:

  • längere Lebenserwartung (jedes Jahr länger leben kostet doppelt so viel wie das vorherige) und
  • neue Behandlungsmöglichkeiten / medizinisch-technischer Fortschritt

Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass der demographische Effekt und der medizinisch-technische Fortschritt die Gesundheitsausgaben jeweils um ca. 1% p.a. wachsen lassen. Zusätzlich sind noch Effekte wie eine zunehmende “angebotsinduzierte Nachfrage” zu berücksichtigen (siehe dazu eingehend die Kurzanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung “Entwicklung der Beitragseinnahmen in PKV und GKV” aus 11/2016″ – kurz WIP 11/2016). So stiegen die Gesundheitsausgaben in Deutschland von 1994 bis 2014 um insgesamt 87%, während das Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum nur um 59% wuchs. Vorsorglich sollte man den hier angestellten Überlegungen deshalb eine generelle “Inflationsrate Medizin” von im Schnitt ca. 5% pro Jahr berücksichtigen.

Zitat aus der hier verlinkten Antwort der Bundesregierung vom 30.5.2016 (BT-Drs 18/8590) auf eine Anfrage der Grünen: “Die Kostensteigerungen, die in den letzten Jahren auch im Bereich der PKV zu beobachten waren, sind maßgeblich auf allgemeine Leistungsausweitungen im Zusammenhang mit dem medizinisch-technischen Fortschritt sowie den Anstieg der Lebenserwartung zurückzuführen. Diese Veränderungen beeinflussen in gleichem Maße auch die Kostenentwicklung in der GKV. Daher verlief die Beitragsentwicklung in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in den letzten Jahren sehr ähnlich. Die PKV-Beiträge stiegen zwischen 2008 und 2014 um rund 2,5 Prozent pro Jahr (s. die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 18/5956, S. 3, Antwort zu Frage 5) und entwickelten sich damit in diesem Zeitraum etwas weniger dynamisch als die Beiträge in der GKV.

Situation Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Beitragsentwicklung Gesetzliche Krankenversicherung

2017 beträgt der Höchstbeitrag zur GKV bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6%, einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,1% und einem Pflegebeitragssatz von 2,6% bereits 804,75 EUR. EUR (16,8% von der Beitragsbemessungsgrenze / BBG i.H.v. 57.600 EUR p.a.), zuzüglich diversen Zuzahlungen, für die GKV Versicherte selbst aufkommen müssen! Siehe dazu auch unsere Seite Sozialversicherungswerte 2017. Der Höchstbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung erhöhte sich 2017 im Vergleich zu 2016 um 1,2% (nach 4,05% im Vorjahr – fast identisch mit den durchschnittlichen 4,1%, die der map-Report 2016 für den Großteil der PKV Unternehmen errechnet hat, s.u.).

1970 betrug der Höchstbeitrag noch 50,31 EUR (8,2% von der BBG i.H.v. 7.362 EUR p.a.)! Von 1970 bis 2017 ist damit der Höchstbeitrag zur GKV jährlich im Schnitt um 5,84% gestiegen (1970: 50,31 EUR, 2017: 804,75 EUR.

Würde die GKV nicht zusätzlich zu ihren Beitragseinnahmen massive Zuschüsse aus Steuermitteln erhalten (2016: 14 Milliarden EUR – mitfinanziert von allen Privatversicherten!), würden diese Beitragssteigerungen noch deutlich höher ausfallen. In 2016 müsste jedes GKV-Mitglied ohne diese Zuschüsse aus der Staatskasse im Schnitt umgerechnet monatlich rund 21,60 EUR mehr bezahlen! Trotz einer Versechsfachung (!) dieses Bundeszuschusses in den letzten 10 Jahren von 2,5 Mrd. EUR im Jahr 2007 auf 14,5 Mrd. EUR im Jahr 2017 (WIP 11/2016) gelang es nicht, den Anstieg des GKV Beitrags zu bremsen! Hier die genauen Zahlen zum Bundeszuschuss zum Gesundheitsfonds von 2004 bis 2017.

Vorurteile und Fragen private Krankenversicherung - Beitragsentwicklung Gesetzliche Krankenversicherung 1970-2014

Leistungskürzungen GKV und strukturelle Probleme

Zusätzlich wurden in der gesetzlichen Krankenversicherung Leistungen erheblich gekürzt und Zuzahlungen eingeführt/erhöht (siehe Leistungskürzungen GKV), was vor allem Ältere und Kranke belastet. Damit soll der Kostensteigerung im Gesundheitswesen zulasten der Patienten begegnet werden.

Auf dieser Grafik sehen Sie auf einen Blick, wie Leistungskürzungen der GKV mit deutlichen Beitragssteigerungen einhergingen. Zuletzt wurde z.B. noch im November 2015 die arthroskopische OP bei Kniegelenkarthrose (Gonarthrose) aus dem Leistungskatalog der GKV gestrichen, weil diese OP angeblich nutzlos sei. Daraus ergibt sich eine Ersparnis i.H.v. ca. 7 Mrd. Euro! Weitere Rationierungsmaßnahmen in der GKV sind zu erwarten.

Beitragsentwicklung und Leistungskürzungen GKV Signal Iduna 2015

(c) Signal Iduna 2015

Ganz wichtig: die GKV arbeitet nach einem “Rückwärts-Umlageverfahren“: sie gibt erst Geld aus und lässt dann junge Berufstätige bezahlen. Haben Sie sich schon einmal gefragt woher bei unserer Bevölkerungsstruktur künftig die jungen GKV-Beitragszahler kommen? Hier dazu ein erklärendes Video. Im Jahr 2050 wird ein Drittel unserer Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein! Auf diesen demographischen Wandel ist die GKV in keiner Weise vorbereitet, während die PKV durch die beschriebenen Altersrückstellungen vorgesorgt hat.

Nach neueren Modellrechnungen (siehe WIP 11/2016) ist aufgrund der Zunahme des Anteils älterer Bevölkerung als Folge konstant niedriger Geburtenraten bei steigender Lebenserwartung und Ausgabensteigerungen durch medizinisch-technischen Fortschritt im Jahr 2050 mit einem GKV Beitrag von 25% zu rechnen! Manche Studien sagen noch deutlich höhere Werte voraus!

Dazu passen aktuelle Berichte mit Überschriften wie “GKV in Not: Höhere Beiträge und steigende Kassendefizite drohen“. Sogar der GKV-Spitzenverband selbst erwartet deutliche Steigerungen des inzwischen von fast allen gesetzlichen Krankenkassen erhobenen Zusatzbeitrags, der nach oben nicht begrenzt ist und vom Versicherten ohne Arbeitgeberbeteiligung alleine getragen werden muss.

Situation Private Krankenversicherung (PKV)

Anders als die GKV, die “von der Hand in den Mund” lebt und eingenommene Beiträge direkt wieder ausgibt, werden in der PKV sog. “Alterungssrückstellungen” angespart, die steigende Kosten im Alter finanzieren. Die Summe dieser Rückstellungen beträgt aktuell ca. 219 Mrd. EUR. Die demographische Entwicklung spielt in der PKV deshalb keine Rolle, Kostensteigerungen durch steigende Lebenserwartung und medizinisch-technischen Fortschritt entstehen hier jedoch ebenfalls, möglicherweise sogar in geringfügig höherem Maß als in der GKV, da privat Krankenversicherte häufig früher von neuen medizinischen Erkenntnissen profitieren.

Beitragsentwicklung Private Krankenversicherung

Auch die private Krankenversicherung wird jährlich teurer. Leistungskürzungen sind hier jedoch – anders als in der GKV – vertraglich ausgeschlossen. Das hier eingebettete Video des PKV Verbandes erklärt die Mechanismen der Beitragsentwicklung anschaulich – den etwas werblichen Charakter bitte ausblenden.

In Kurzform: Nach den Regelungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes dürfen Versicherungsunternehmen ihre Beiträge nur anpassen (d.h. erhöhen oder reduzieren), wenn in einem Jahr die aufgewandten Kosten von den kalkulierten Kosten um einen bestimmten Wert abweichen. Wird dieser Schwellenwert nicht erreicht, dürfen Anpassungen erst erfolgen, wenn der Wert in einem der folgenden Jahre überschritten wird. Dann muss jedoch auch der Anpassungsbedarf der Vorjahre berücksichtigt werden. Deshalb bleiben PKV Beiträge oft einige Jahre stabil und dann erfolgt ein größerer Beitragssprung. Diese Sprünge werden in den Medien dann gerne intensiv diskutiert und Ängste vor kontinuierlichen hohen Beitragssteigerungen geschürt. Tatsächlich sollte man sich dann aber den Durchschnitt mehrerer Jahre ansehen, der sich i.d.R. bis auf wenige Ausreißer in dem hier beschriebenen Rahmen bewegt.

In 2015 hat sich auf Wunsch mehrerer Linken-Abgeordneten der Deutsche Bundestag mit deren Sorge vor Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung beschäftigt. Hier eine Übersicht über die Entwicklung des durchschnittlichen PKV Beitrags von 2008 bis 2014 aus BT-Drucksache 18/5956 vom 9.9.2015:

Beitragsentwicklung PKV aus BT Drucksache 18.5956 v 9.9.15

Beitragsentwicklung PKV aus BT Drucksache 18.5956 v 9.9.15

Dies entspricht einer Beitragssteigerung im Durchschnitt aller privat Krankenversicherter in Deutschland von jährlich 1,89%! Im gleichen Zeitraum wurde der Höchstbeitrag der GKV von 599,40 in 2008 auf 720,90 in 2014 erhöht. Dies entspricht einer durchschnittlichen Beitragssteigerung der GKV von jährlich 2,67% – und dies auf Basis deutlich höherer absoluter Beträge!

Das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung hat im November 2016 folgende Untersuchungsergebnisse veröffentlich (siehe WIP 11/2016 und Versicherungsbote 10.11.2016: “AOK, TK & Co teurer als die Private Krankenversicherung”) und basierend auf Daten des Bundesministeriums für Gesundheit und des PKV-Verbandes aus den Beitragseinnahmen in GKV und PKV die Entwicklung der Beitragsbelastung für die Versicherten abgeleitet:

“Von 2007 bis 2017 ergibt sich in der PKV ein Anstieg der Beitragseinnahmen je Versicherten um 35 %. In der GKV ist ein Anstieg um 37 % festzustellen. Damit nahm die Beitragsbelastung der PKV-Versicherten trotz der erwarteten Prämiensteigerungen im Jahr 2017 im betrachteten 10-Jahreszeitraum in geringerem Maße zu als in der GKV. Über den ganzen Zeitraum betrachtet ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Steigerung der Beitragsbelastung von 3,2 % in der GKV und 3 % in der PKV.

Abbildung 1 Veränderungen Beitragseinnahmen pro Kopf GKV vs. PKV 2007 bis 2017

Quelle und (C): WIP Institut 11/2016

“Die Belastung pro Kopf in der GKV inklusive des Bundeszuschusses fällt höher aus als die reine Beitragsbelastung. Mit Bundeszuschuss liegt die Steigerungsrate der Einnahmen pro Kopf in der GKV im Betrachtungszeitraum durchgängig über der Steigerungsrate in der PKV. Gegenüber dem Jahr 2007 wird bis 2017 mit einer Steigerung von knapp 45 % in der GKV gegenüber 35 % in der PKV gerechnet, im Schnitt ein Anstieg von 3,8 % in der GKV gegenüber 3 % in der PKV.”

Abbildung 2 Veränderungen Beitragseinnahmen pro Kopf mit Bundeszuschuss GKV vs. PKV 2007 bis 2017

Quelle und (C): WIP Institut 11/2016

Ergebnis einer Studie des Berliner IGES-Instituts aus 6/2016: in den vergangenen acht Jahren war die Beitragsentwicklung in der PKV mit 2,4 Prozent im Jahr geringer, als in der Gesetzlichen Krankenversicherung mit 3,8 Prozent (Versicherungsbote 12.7.2016)!

Ergebnisse einer Studie der Deutschen Aktuarvereinigung (6/2011):

  1. nahezu vergleichbare jährliche Beitragssteigerung in PKV und GKV von rund 3% … in den letzten Jahren (sind) die Beiträge in der GKV deutlich stärker angestiegen als in der PKV und
  2. die PKV Beiträge ab Alter 65 verlaufen fast konstant und sinken in den höheren Altern dann sogar wieder.

Laut Map-Report 2013 924-825 aus 02/2013 haben 17 getestete PKV Unternehmen mit über 60% Marktanteil in 2013 die Beiträge für Angestellte im Schnitt um 6,89 € oder 1,76% angehoben.  Die durchschnittliche jährliche Beitragsanpassung von 2001 bis 2013 betrug 3,9%, also deutlich weniger, als in gelegentlich auftretenden Einzelfällen gerne öffentlich ausgeschlachtet wird. Laut Map-Report 2014 855-856 aus 2/2014 lag die durchschnittliche monatliche Erhöhungsrate in 2014 sogar nur bei 1,69 % für Angestellte und 1,96 % für Beamte.

Bei Tarifen besonders beitragsstabiler PKV Anbieter beträgt die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate von 1995 bis 2012 (ab 2012 gab es die neu kalkulierten sog. Unisex-Tarife) sogar nur 2,1% bei Frauen und 1,8% bei Männern!

Hier eine Statistik von “Statista” zu Beitragssteigerungen der privaten Krankenversicherungen von 2001 bis 2012:

Beitragssteigerung der privaten Krankenversicherung von 2001 bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die deutsche Rating-Agentur Assekurata schreibt in Ihrem “Assekurata-Marktausblick zur Privaten Krankenversicherung 2014”: … “dürfte das Jahr 2014 nach den Erkenntnissen von Assekurata das Jahr mit der durchschnittlich niedrigsten Anpassungsrate der vergangenen zehn Jahre sein. Sowohl im Beihilfe- (0,9 %) als auch im Normalgeschäft (1,5 %) fallen die Beitragserhöhungen bei den von Assekurata gerateten Gesellschaften äußerst moderat aus. Insgesamt gehen die Anpassungssätze im Gesamtbestand seit 2010 kontinuierlich zurück. Die folgende Grafik zeigt die durchschnittlichen Beitragsanpassungssätze im Bestand für den Gesamtmarkt in den Jahren 2005 bis 2012 (Aktuellere Marktzahlen liegen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vor) und differenziert nach Beihilfe- und Nicht-Beihilfegeschäft (2005 bis 2014). Die Beitragsanpassung bei Bestandsversicherten beträgt demnach … für die Jahre 2005-2012 bei 4,5 %“. Hier die zugehörige Grafik von Assekurata:

Assekurata PKV-Beitrag 2005-2014

Aus dem Assekurata-Marktausblick zur Privaten Krankenversicherung 2016/2017: “Im Durchschnitt der vergangenen 14 Jahre liegen die Anpassungssätze im Normalgeschäft bei 4,7 % und im Bereich der Beihilfe bei lediglich 2,7 %.” … “2016 beträgt die Erhöhung für Beihilfeversicherte im Assekurata-Durchschnitt lediglich 0,5 % und für die so genannten Normalversicherten 3,1 %. Und das, obwohl die meisten Versicherer den Rechnungszins im Bisex-, aber auch zum Teil schon im Unisex-Bestand weiter abgesenkt haben.”. Hier die zugehörige Grafik von Assekurata:

Assekurata PKV Beitragsentwicklung 2003 - 2016

Hier sehen Sie als weiteres Beispiel die durchschnittlichen Bestandsbeiträge von Männern und Frauen eines PKV Anbieters, der dies grafisch sehr anschaulich aufbereitet hat (Stand 2013, dies ist keine spezielle Empfehlung bezüglich dieser Gesellschaft)

Beitragsentwicklung PKV durschnittliche Bestandsbeiträge 2013 Signal Iduna

(C) Signal Iduna 2015

Zu beobachten wird sein, wie sich das aktuelle Niedrigzinsumfeld auf die Kalkulation der privaten Krankenversicherung auswirkt. Hält dies länger an, erzielen private Krankenversicherer möglicherweise über längere Phasen einen Zins, der unterhalb des intern kalkulierten “aktuariellen Unternehmenszins” liegt. Muss dieser daraufhin reduziert werden, führt dessen Absenkung um 0,1 Prozentpunkte nach einer Faustformel zu einer Erhöhung der Beiträge um ca. ein Prozent. Im Jahr 2014 lag die branchendurchschnittliche Reinverzinsung immer noch bei 3,9% und damit deutlich sowohl über dem für Bisex Tarife geltenden alten Rechnungszins von 3,5%, als auch über dem seit Unisextarifen 2013 geltenden neuen Rechnungzins von 2,75% (siehe BT-Drucksache 18/5956 vom 9.9.2015).

Im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung ist m.E. jedoch davon auszugehen, dass in der GKV die bereits jetzt klar absehbaren demographischen Veränderungen (s.o.) deutlich gravierenere Auswirkungen auf die Beiträge haben als Veränderungen des Zinsniveaus in der PKV.

Fazit zum Vergleich der Beitragsentwicklung in der GKV vs. PKV

Im Ergebnis bleibt festzuhalten: die durchschnittliche Steigerung eines guten PKV Tarifs fällt geringer aus, als in der GKV!

Wie kann die private Krankenversicherung preisstabiler sein als die gesetzliche Krankenversicherung? Einer der Gründe: die PKV hat eine günstigere Risikostruktur, sie nimmt nur Gesunde auf, die meist über eine bessere Ausbildung verfügen. Jeder zahlt hier seinen eigenen Beitrag, es gibt keine “Familienversicherung”. Und das System ist deutlich zukunftssicherer als die GKV, da Kosten aus angesparten Rücklagen bezahlt werden (“Kapitaldeckungsverfahren“).

Altersvorsorgemaßnahmen Private Krankenversicherung

Diese zusätzlichen Vorkehrungen sorgen für bezahlbare PKV-Beiträge im Alter:

  • als Teil der Prämie wird neben Risiko- und Kostenbeitrag (ca. 2/3 der Prämie) eine tarifliche Alterungsrückstellung (ca. 1/3 der Prämie, siehe BT-Drucksache 18/5956 vom 9.9.2015 bzw. laut PKV Verband in 2014 sogar 43,2 % der Bruttoeinnahmen) zur Senkung der Altersbeiträge gebildet (Faustformel:  1.000 EUR angesparte Altersrückstellung = ca. 5 EUR Beitragsreduktion pro Monat). Tarife mit höheren Beiträgen sind deshalb tendenziell langfristig beitragsstabiler, so auch die Bundesregierung in der vorgenannten BT-Drucksache: “Es ist richtig, dass mit höheren anfänglichen Prämien die Beitragssteigerungen im Alter gedämpft werden können.”
  • 10%iger Beitragszuschlag gem. §12 VAG bis Alter 60, wird angelegt und ab Alter 65 zur Stabilisierung bzw. Reduzierung der Beiträge im Alter verwendet (siehe auch § 150 VAG – Gutschrift zur Alterungsrückstellung)
  • mit Rentenalter entfallen Beitragskomponenten wie z.B. Krankentagegeld und der 10%ige gesetzliche Zuschlag
  • auch PKV-versicherte Rentner erhalten meist einen Zuschuss des Rentenversicherungsträgers zur Krankenversicherung (nicht: Mitglieder in einem Versorgungswerk)
  • Versicherte haben gem. §204 VVG ein Recht zum Wechsel in einen günstigeren Tarif bei der gleichen Gesellschaft. Dabei werden die bereits gebildeten Altersrückstellungen voll berücksichtigt. Lt. einem Vergleich der Zeitschrift Ökotest (10/2011) lässt sich so gerade bei älteren Versicherten teilweise mehr als die Hälfte des Beitrages einsparen.
  • zur Not besteht immer noch die Möglichkeit des Wechsels in den Standard- bzw. Basistarif (Leistungen ~ GKV, max. Durchschnitt GKV Höchstbeitrag, 2012: 592,88 EUR p.m. abzüglich anzurechnende Altersrückstellung, mehr zur Hilfsbedürftigkeit siehe unten).
  • Durch Anlage der Ersparnis aus dem Wechsel in die PKV wird der Beitrag im Alter nachhaltig reduziert (siehe unter “Altersbeitragsentlastungssparen” – nach dem dortigen Rechenbeispiel ergibt sich durch die Anlage der Ersparnis ab 67 eine monatliche Beitragsreduzierung um 1.600 EUR!)

Zitat aus der hier verlinkten Antwort der Bundesregierung vom 30.5.2016 (BT-Drs 18/8590) auf eine Anfrage der Grünen:”Um den Beitragsanstieg in der PKV zu begrenzen, hat der Gesetzgeber verschiedene Maßnahmen umgesetzt. So wurde insbesondere im Jahr 2000 zur Stabilisierung der Beiträge im Alter ein gesetzlicher Zuschlag in Höhe von zehn Prozent eingeführt. Zudem werden Überzinsen zur Vermeidung oder Begrenzung von Prämienerhöhungen bzw. zur Prämienermäßigung im Alter verwendet. Nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sind aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase und der seit ihrem Beginn erfolgten Anpassungen des Rechnungszinses auch die Beiträge von älteren Versicherten angestiegen. Die BaFin geht jedoch davon aus, dass aufgrund der gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen im Branchendurchschnitt auf mittlere Sicht eine relative Stabilisierung der Beitragsentwicklung für privat Krankenversicherte im Alter prognostiziert werden kann (Jahresbericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2015, S. 209).

Krankenversicherung im Alter für Mitglieder eines Versorgungswerks

Für Mitglieder eines Versorgungswerks gelten bezüglich der Krankenversicherung im Alter einige Besonderheiten. Insbesondere zahlen Sie teils deutlich höhere Beiträge, wenn sie in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben sind und im Alter nicht Mitglied der sog. “Krankenversicherung der Rentner” (KVdR) werden können. Siehe dazu unseren Beitrag Versorgungswerk und Krankenversicherung.

Konkrete Praxisbeispiele PKV im Alter

  • meine eigene Mutter, selbstständig als Rechtsanwältin, zahlt für Ihre PKV im Alter von 78 Jahren nach einer von mir durchgeführten Tarifoptimierung in 2016 bei der Allianz 390,78 EUR pro Monat (inkl. eines Risikozuschlags von 33,90 EUR) bei einem Selbstbehalt von 3.000 EUR. Addiert man 1/12 des Selbstbehalts zur Prämie, ergibt sich ein Effektivbeitrag von 552,76 EUR im Monat. In der GKV würde sie den Höchstbeitrag von rund 775 EUR bezahlen!
  • Die 78-jährige selbstständige Mutter eines Freundes, geb. 1935, zahlt bei der DKV für ihre private Krankenversicherung monatlich 766,61 EUR (Stand 2013). Aufgrund eines zusätzlich gebuchten Beitragsentlastungstarifs (siehe Altersbeitragsentlastungssparen) reduziert sich dieser Beitrag um 255,65 EUR auf zu zahlende 510,96 EUR. Laut Tarif würde sie 1.340,73 EUR p.m. bezahlen, davon wird jedoch ihre Altersrückstellung i.H.v. 574,12 EUR p.m. abgezogen. Hier der (anonymisierte) Versicherungsschein.
  • Ein 65 jähriger Rentner, dessen Tarif wir 2012 per Tarifwechsel optimiert habe (siehe Beispiele für erfolgreiche Beratung) zahlt bei der Axa einen Monatsbeitrag i.H.v. 189,16 EUR bei einem Selbstbehalt von 4.500 EUR, daraus ergibt sich ein monatlicher sog. “Effektivbeitrag” (bei voller Ausschöpfung der Selbstbeteiligung) von maximal 564,16 EUR. Darin enthalten ist ein sog. “Risikozuschlag” für Stoffwechselstörungen i.H.v. 29,80 EUR, wäre er bei Vertragsschluss völlig gesund gewesen, würde er jetzt also nur 534,36 EUR bezahlen. Hier der (anonymisierte) Versicherungsschein.
  • Hier der Beitragsverlauf eines seit 35 Jahren bei der Universa versicherten 70-jährigen Rentners mit Einnahmen aus Gesetzlicher Rente und Betriebsrente (Stand 12/2013): anfänglich versichert in den Tarifen A 100, ZA 80, ST 1/100 für unter 100 EUR, nach zwischenzeitlichen Tarifoptimierungen jetzt in Tarif VE 1300 H, PVN mit Monatsbeitrag 269,93 EUR (inkl. Pflegeversicherung), d.h. bei Selbstbehalt von 1.300 EUR = Effektivbeitrag 378,26 EUR gegenüber ca. 450 EUR in der GKV. Zusätzlich hat dieser Rentner gegenüber der GKV bislang über 80.000 EUR an Beitragsvorteil gespart!

Zitat aus der hier verlinkten Antwort der Bundesregierung vom 30.5.2016 (BT-Drs 18/8590) auf eine Anfrage der Grünen: “Der Anteil der privat Versicherten, die eine Prämie entrichten, die den Höchstbeitrag der GKV überschreitet, lag nach Angaben des WIP im Jahr 2012 bei 0,5 Prozent der Versicherten.

Was sagt Stiftung Warentest (Finanztest 5/2014) zur Beitragshöhe im Rentenalter?

Finanztest 5/2014, S. 64 schreibt “Selbstständige und Angestellte sollten sofort beginnen, Geld zurücklegen, sobald sie in eine private Versicherung gewechselt sind.“. Das ist völlig richtig, siehe unsere Seite Altersbeitragsentlastungssparen.

Nicht zu Ende gedacht ist allerdings folgende Aussage von Finanztest: “Im Rentenalter zahlen sie dort meistens deutlich mehr als in der gesetzlichen Krankenkasse. Wir nehmen an, dass der private Beitrag im Rentenalter mindestens dreimal so hoch ist wie bei Vertragsabschluss.

Bei wichtigen Entscheidungen sollte man besser nicht mit vagen Annahmen sondern mit Fakten arbeiten! Die Fakten aus der hier verlinkten Antwort der Bundesregierung vom 30.5.2016 (BT-Drs 18/8590) auf eine Anfrage der Grünen: “Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Annahme der Stiftung Warentest in Einzelfällen zutreffend ist. Über die Hintergründe der Einschätzung der Stiftung Warentest liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Gemäß Zahlenbericht der privaten Krankenversicherung betrug der Ausgabenanstieg für Krankheitskosten je Versicherten 2,66 Prozent im Jahr 2014 (Vorjahr: 4,89 Prozent). Diese Kostenentwicklung ist maßgeblich durch die allgemeine Teuerung sowie die Teuerung durch den medizinischen Fortschritt bedingt. Legt man eine durchschnittliche jährliche Steigerung von 3 Prozent zugrunde, so ergibt sich alleine hierdurch über einen Zeitraum von 30 Jahren ein ca. 2,5-fach höherer Beitrag im Vergleich zum Beitrag bei Vertragsschluss.

Legt man eine durchschnittliche Beitragssteigerung der gesetzlichen Krankenversicherung von aktuell jährlich rund 6% zu Grunde (s.o.), dann wäre der GKV Beitrag im gleichen Zeitraum von 30 Jahren fast 6 mal höher als beim Eintritt in die GKV! Selbst wenn man im Rentenalter von einer Einkommensminderung von bis zu 50% ausgeht, würde der GKV Beitrag damit immer noch über dem PKV Beitrag liegen. Außerdem greifen bei der PKV im Rentenalter die oben beschriebenen Beitragsentlastungsmaßnahmen, insbesondere das per Altersbeitragsentlastungssparen angesammelte Kapital.

Was sagt der Bund der Versicherten zur Beitragsentwicklung

In seinen Verlautbarungen pflegt der BdV die gleichen Vorurteile: “Lassen Sie sich nicht von den zu Anfang günstigen Beiträgen blenden. Zwar liegen sie meistens unter dem Krankenkassenbeitrag, steigen erfahrungsgemäß aber ständig. In der Regel auch im Alter. So mancher Rentner muss feststellen, dass die PKV für ihn fast unbezahlbar geworden ist.“.

Stimmt, wie oben erläutert steigen die Beiträge mit den Jahren. Das ist und war in der GKV jedoch genauso der Fall, und das mit höheren Steigerungsraten als in den meisten PKV Tarifen!

Was sagt der Verband der Privaten Krankenversicherung?

Als Kontrast zu Stiftung Warentest und Bund der Versicherten, die tendenziell eher gegen die PKV argumentieren, finden Sie Statements des PKV Verbands u.a. auf seiner Seite “Faktencheck – Diskussion über Prämienerhöhung,  Beitragssteigerungen in der GKV nicht ignorieren“. Hier ein Auszug: “In der Süddeutschen Zeitung wurde am 5. März 2016 das Beispiel eines Architekten erwähnt, der in seiner PKV nach einer 43-prozentigen Beitragserhöhung 474 Euro monatlich zahlen muss (hier der Link). Unerwähnt blieb, dass dies noch immer rund 190 Euro weniger sind als der aktuelle Höchstsatz (665,29 Euro), den er in der GKV zahlen müsste, wenn er ein Einkommen über der BBG hat.”

Anmerkung: hier wären noch Pflegepflichtversicherung und Zusatzbeitrag einzukalkulieren, damit zahlt der Architekt 301,46 EUR weniger als den GKV Höchstbeitrag von 775,46 EUR. Zusätzlich wären aber noch unterschiedliche Selbstbehalte zu berücksichtigen.

2. Ist die private Krankenversicherung mit Familie unbezahlbar?Vorurteile und Fragen private Krankenversicherung - Kinder

Anders als in der GKV bezahlt bei der PKV jedes Familienmitglied einen eigenen Beitrag – und hat damit auch einen eigenen Anspruch auf optimale medizinische Versorgung.

Bei moderater Qualität einer PKV (hier gibt es große Unterschiede!) und jüngerem Eintrittsalter kann man stark vereinfacht sagen:

  • Bei dauerhaft nicht erwerbstätigem Ehepartner (Hausfrau / Hausmann) ist die PKV bis einschließlich 2 Kindern nicht teurer als die GKV wenn man auch die Leistungsunterschiede berücksichtigt, die z.B. durch Zusatzversicherungen (ambulant, stationär, Zahn) für jede Person auszugleichen wären. Es ist aber auch klar festzustellen, dass das Modell der “Hausfrauen-/Hausmann-Ehe” heutzutage kaum noch gewählt wird.
  • Arbeitet der Ehepartner nach ein paar Jahren wieder (und zahlt dann seinen eigenen Beitrag zur PKV oder GKV), dann ist für eine Familie mit bis zu 3 Kindern leistungsbereinigt die private Krankenversicherung nicht teurer als die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Bei vier und mehr Kindern stellt sich ggf. die Frage, ob Ihnen die Gesundheit Ihrer Familie einen gewissen Mehrbeitrag wert ist – sofern Sie sich diesen leisten können.

Bei  Beamten (wg. Beihilfe) und Ärzten (wg. rabattierten Ärztetarifen) verschiebt sich die “Rentabilitätsgrenze” bei der Kinderzahl noch einmal etwas nach oben. Einige private Krankenversicherer bieten eine 6-monatige Beitragsbefreiung bei Elternzeit, damit wird die Gesamtkalkulation für Familien ebenfalls etwas günstiger.

Hier finden Sie zum Download Auszüge aus dem “KV Handbuch” einer größeren Krankenversicherung (Stand 2016), die viele Fragen rund um die private Krankenversicherung in Mutterschutz und Elternzeit im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung beantworten, u.a.

  • Einkommensvergleich GKV vs. PKV in Mutterschutz und Elternzeit unter Berücksichtigung Elterngeld
  • Welche Zahlungen erhalten Mütter während der Mutterschutzfristen (GKV und PKV für Angestellte, Selbstständige und Beamte)
  • Beitragsvergleich GKV vs. PKV in Mutterschutz und Elternzeit
  • Muss ich mich während bzw. nach der Elternzeit wenn ich nur Teilzeit arbeite und weniger verdiene wieder gesetzlich krankenversichern?
  • Krankenversicherung während und nach der Elternzeit
  • usw.

Kontaktieren Sie uns für eine zu Ihrer persönlichen Situation bzw. Lebensplanung passende Kalkulation.

3. Komme ich nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung?

Welche Gründe könnte es geben, wieder in die GKV mit schlechteren Leistungen zurück zu wollen? Z.B. könnte das Geld knapp werden durch sinkendes Einkommen oder Arbeitslosigkeit.

Zum Thema PKV und Arbeitslosigkeit finden Sie umfassende Informationen in dem hier verlinkten Auszug aus dem “KV Handbuch” einer größeren Krankenversicherung, Stand 2017: “Arbeitslosigkeit und PKV“.

Der Beitrag der GKV ist einkommensabhängig, würde in solchen Fällen also ggf. wieder sinken. Auch die private Krankenversicherung sorgt hierfür jedoch vor mit sog. “Sozialtarifen“.

Bereits seit vor 2009 privat Versicherte können bei finanziellen Engpässen in den sog. Standardtarif wechseln mit einem lt. PKV Verband durchschnittlichen Beitrag von 280 EUR im Monat – hiervon übernimmt die Rentenversicherung bei Rentnern bis zu 140 EUR. 2015 waren von insgesamt 8,83 Mio. privat Krankenversicherten 45.800 oder 0,52% im Standardtarif versichert.

Nach 2009 privat Krankenversicherten hilft bei Zahlungsschwierigkeiten ggf. ein Wechsel in den sog. “Basistarif“, der vergleichbare Leistungen wie die GKV maximal zum durchschnittlichen GKV Höchstbeitrag (2016: 656,82 EUR p.m.) bietet. Reduziert wird der Beitrag zum Basistarif zunächst um die anzurechnenden Altersrückstellungen – bei langjährig Versicherten kann dieser Anrechnungsbetrag über 500 EUR ausmachen (siehe den o.g. anonymisierten Versicherungsschein)! Bei “Hilfebedürftigkeit” wird der verbleibende Beitrag für den Basistarif gem. § 152 Abs. 4 S. 1 VAG halbiert (2016: max. 328,41 EUR). Damit zahlt ein PKV-versicherter jetzt arbeitsloser/hilfsbedürftiger früherer Selbstständiger für seine PKV weniger als den ansonsten anfallenden GKV Mindestbeitrag von 339,89 EUR (Stand 2016, alle Beträge zuzüglich Pflegepflichtversicherung)! Kann er das immer noch nicht bezahlen, greift die staatliche Grundsicherung/Sozialhilfe auf Antrag mit einem zusätzlichen Zuschuss gem. § 152 Abs. 4 S. 2 VAG. Je nach Grad der Hilfebedürftigkeit reduziert sich der zu zahlende Beitrag auf bis zu 20% des obigen Beitrags = 131,36 EUR.

Zitat aus der hier verlinkten Antwort der Bundesregierung vom 30.5.2016 (BT-Drs 18/8590) auf eine Anfrage der Grünen: “Durch die rechtliche Konstruktion des Basistarifs ist sichergestellt, dass die Betroffenen eine Absicherung auf dem Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) finanzieren können, ggf. übernimmt der jeweilige Leistungsträger nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) oder dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) den Versicherungsbeitrag vollständig.

2015 waren von insgesamt 8,83 Mio. privat Krankenversicherten 45.800 oder 0,33% im Basistarif versichert, davon hatten knapp 16.500 Versicherte den Status der Hilfebedürftigkeit.

Als worst-case Szenario gibt es dann noch den sog. “Notlagentarif” für Nichtzahler. Dieser ist ohne Alterungssrückstellungen kalkuliert ist, bereits vorhandene Alterungsrückstellungen werden beitragsmindernd angerechnet. Dort liegen die Beiträge lt. der oben zitierten Antwort der Bundesregierung je nach Versicherungsunternehmen zwischen 76 und 102 EUR im Monat. 2015 waren von insgesamt 8,83 Mio. privat Krankenversicherten 115.800 oder 1,3% im Notlagentarif versichert, die dort jedoch durchschnittlich nur 9,5 Monate verweilen und dann größtenteils in den Ursprungstarif zurückkehren.

Eine Besonderheit beim Ehepartner eines Beamten: sinkt sein Einkommen unter einen bestimmten Mindestwert (i.d.R. 18.000 EUR, je nach Bundesland aber auch weniger), dann wird der Ehepartner dadurch ebenfalls beihilfeberechtigt und zahlt nur noch 30% des normalen PKV Beitrags.

Sollten Sie dennoch partout in die GKV zurück wollen, können wir Ihnen gerne einen u.a. auf die Rückkehr in die GKV spezialisierten Versicherungsberater empfehlen, der dies in vielen Fällen schon mit etwas Gestaltung möglich gemacht hat – ggf. auch über das Alter von 55 Jahren hinaus!

4. Ist die private Krankenversicherung unsolidarisch?

Privatpatienten sind wesentlich solidarischer, als man gemeinhin denkt. Ein gesetzlich krankenversicherter Kunde von uns hat das schön beschrieben. Sein Arzt sagte zu ihm: “Wissen Sie, weshalb ich mir ausreichend Zeit für Sie nehmen kann, obwohl Sie nur gesetzlich krankenversichert sind? Weil nach Ihnen ein Privatpatient kommt, der dafür bezahlt.”

Wir sind ein großer Freund davon, dass gut situierte Menschen andere, die im Leben weniger Glück haben, finanziell unterstützen. Tun Sie dies dann aber bitte direkt, z.B. indem Sie einen Teil der durch den Wechsel in die PKV oft erzielten Ersparnis für die Christoffel Blindenmission oder Worldvision spenden, und nicht durch Füttern der Verwaltungsstrukturen eines maroden GKV-Sozialsystems!

Erklärung per Video

Hier zusammenfassend zu den Themen “PKV im Alter”, “ich komme nicht zurück in die GKV” und “PKV mit Kindern” ein Video des Krankenversicherungsexperten Hagen Engelhard von der Firma Medi-Kost, veröffentlicht von der Firma Fonds Finanz, einem große deutschen Dienstleister für Versicherungsmakler. Zielgruppe sind zwar nicht “Endkunden”, doch für Interessenten, die thematisch tiefer einsteigen wollen, bietet es viele nützliche Informationen.

Kritische Fragen zur PKV Film von und mit Hagen Engelhard, Firma Medi-Kost mit Hintergrundwissen zu PKV vs. GKV.

Fazit kritische Fragen Private KrankenversicherungFazit

Solange Sie gesund sind, gibt es in vielen Fällen wenig Argumente für einen Verbleib in der GKV.

Eine typische Ausnahme sind Existenzgründer mit zunächst relativ geringen bzw. stark schwankenden Einkünften wie auf meiner Seite Existenzgründer beschrieben.

In jedem Fall ist die Entscheidung für einen Wechsel in die Private Krankenversicherung ein komplexes Thema, das mit fachkundiger Begleitung durch einen Spezialisten fundiert durchdacht werden sollte.

Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose persönliche Beratung zur Klärung Ihrer individuellen Fragen.