Kindervorsorge und KindersparenKinder zu haben bedeutet auch eine größere Verantwortung für deren Zukunft. Diese Zukunft bringt Kosten mit sich (Stichwort „Kindersparen„) sowie besondere Chancen und Risiken (Stichwort „Kindervorsorge„). Siehe dazu auch unsere Checkliste Geburt. In dieser Verantwortung stehen nicht nur Eltern, sondern auch Großeltern, Paten, Onkel oder Tanten.

Kinder – was kostet ungefähr wie viel?

Wichtig: bei der Planung die Inflationsrate nicht vergessen (Annahme: 2,5% = „Kosten später“ – auch wenn die Inflationsrate derzeit deutlich niedriger ausfällt sind Sie so auf der sicheren Seite)

AusgabeKosten jetztAlter ca.Kosten später
Schüleraustausch USA11.000 €1716.738 €
Führerschein2.000 €183.119 €
Hochschulstudium50.000 €1979.933 €
Meisterausbildung10.000 €2116.796 €
Wohnungseinrichtung6.000 €2210.329 €
Das erste eigene Auto8.000 €2213.773 €
Masterstudium USA70.000 €25129.776 €
Hochzeit10.000 €2819.965 €

Zu den monatlichen Kosten eines Hochschulstudiums je nach Hochschulort: Studenten-Lebenshaltungskosten-Rechner der ZEIT.

Um Ihrem Kind alle Optionen offen zu halten, sollten mit 19 Jahren also idealerweise 50.000 EUR oder mehr zur Verfügung stehen – inflationsbereinigt! Hier bietet sich die erste Chance, der Zinseszinseffekt: frühes Sparen lohnt sich, Abwarten wird teuer!

Kundenkind mit unserem

Kundenkind mit unserem „Geburtsteddy“

Kindersparen – Investment-Varianten

Sechs Fragen sollten Sie sich beim Sparen für Kinder stellen

  1. Was ist das Ziel des Sparens – Summe X mit Alter Y verfügbar vs. längerfristige Anlage bzw. Altersvorsorge?
  2. Wie risikoreich darf die Anlage sein?
  3. Wer soll darüber wann verfügen können?
  4. Wie wichtig ist Flexibilität – z.B. (Teil-)Entnahmen, zusätzliche Einzahlungen, Änderungen?
  5. Ist steuerliche Optimierung wichtig?
  6. Wollen Sie Ihr Kind schon frühzeitig gegen gesundheitliche Risiken absichern? Es besteht z.B. die Möglichkeit, eine Kinderpflegerente bei Pflegebedürftigkeit mit Berufsstart des Kindes ohne Gesundheitsprüfung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umzuwandeln.

„Normaler“ Fondssparplan

  • Zielgruppe: risikobewusste Anleger, die Chancen und Risiken der Wertpapiermärkte kennen und nutzen möchten
  • Einrichtung eines Fondsdepots mit einem monatlichen oder vierteljährlichen Sparplan
  • Inhaber: entweder der Schenker bzw. die Eltern des Kindes (dann bleiben Freibeträge des Kindes ungenutzt, s.u.) oder das Kind selbst (dann kann das Kind ab 18 selbst über das Geld verfügen)
  • Anlage: in vom Kunden frei auswählbare Investmentfonds
  • Völlig flexibel: jederzeit (Teil-)Entnahme, zusätzliche Einzahlungen, Änderungen
  • Depotkosten: Depotführung (z.B. bei FFB als Depotbank 0,25 % vom Depotwert, mind. 25 EUR, max. 45 EUR p.a.) plus Ausgabeaufschläge (ca. 3-5%)
  • Keine Garantie für Rendite oder eingezahltes Kapital, Totalverlust möglich!
  • Rendite reduziert durch Abgeltungssteuer (bis zu 28% inkl. SoliZ und Kirchensteuer) wenn nicht Freibeträge des Kindes genutzt werden, indem Sparplan auf das Kind lautet. Nachteil: das Kind kann dann spätestens ab 18 unkontrolliert über das Geld verfügen!
  • Mindestbeitrag: 25 EUR pro Monat.
  • Wichtig: bei kleinen Beiträgen wirken sich die Depotkosten prozentual stark aus! Bei einem Sparplan i.H.v. nur 25 EUR p.m. reduzieren Ausgabeaufschläge i.H.v. 5% und Mindest-Depotkosten i.H.v. 25 EUR die jährliche Rendite um 13,3%!

Riester-Fondssparplan mit Beitragsgarantie

Abgeleitet von Riester-Fondssparplänen gibt es auf Kinder zugeschnittene Fondsparpläne mit folgenden Besonderheiten:

  • Zielgruppe: gewinnorientierte Anleger, die Chancen und Risiken der Wertpapiermärkte in einer abgesicherten und „pflegeleichteren“ Form und mit längerfristigerer steueroptimierter Perspektive nutzen möchten
  • Anlage: in von der Gesellschaft gemanagten Dachfonds und Rentenfonds (weniger Spielraum, weniger Aufwand)
  • Anfängliche Kosten („gezillmert“ ähnlich wie bei einer Rentenversicherung, s.u.) im Vergleich zum Erwachsenen-Produkt rabattierbar auf Laufzeit bis 18. Lebensjahr, zusätzlich Depotkosten von z.B. 18 EUR p.a.
  • Volle Beitragsgarantie zum Ablauf
  • ggf. staatliche Riester-Förderung nutzbar bei Berufseinstieg des Kindes
  • bei Fortführung durch das Kind als Altersvorsorge ggf. abgeltungssteuerfrei
  • Sehr flexibel: (Teil-)Entnahmen, zusätzliche Einzahlungen, Änderungen grds. möglich
  • Mindestbeitrag: i.d.R. 25 EUR pro Monat.
  • Wichtig: bei kleinen Beiträgen wirken sich auch hier Kosten prozentual stark aus!

 Rentenversicherung

  • Zielgruppe: sicherheitsorientierte bis risikobewusste Anleger, die eine „pflegeleichte“ Anlage mit längerfristig steueroptimierter Perspektive suchen und das Kind ggf. schon frühzeitig gegen essentielle Risiken absichern möchten
  • Mit Garantiezins (2016: 1,25%, ab 2017: 0,9%) oder fondsgebunden, ggf. mit Beitragsgarantie
  • Besonderheit: nur hier ist eine Risikoabsicherung des Kindes (z.B. eine Kinderpflegerente bei Pflegebedürftigkeit) mit Option zur Umwandlung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung zum Berufsstart des Kindes (bis zu 1.000 EUR, ohne Gesundheitsprüfung!) möglich!
  • Besonderheit: nur hier Zusatzabsicherung Tod oder Berufsunfähigkeit des „Versorgers“ (= Beitragszahler) möglich!
  • Steuerlich besonders günstig bei „Weitersparen“ durchs Kind
  • Kosten „gezillmert“, d.h. der größte Teil der Kosten für die gesamte Laufzeit wird schon in den ersten fünf Jahren bezahlt.
  • Mindestbeitrag: bei einzelnen Anbietern theoretisch schon ab 1 EUR im Monat, ansonsten i.d.R. ab 20 bzw. 25 EUR p.m..
  • Wichtig: bei kleinen Beträgen wirken sich auch hier feste Kostenanteile einer Versicherung („Stückkosten“) stärker aus (Beispiele Monatsbeitrag / Kostenquote: 10 EUR / 1,01%,  25 EUR / 0,81%, 50 EUR / 0,66%, 100 EUR / 0,63%; Quelle Allianz Angebotsprogramm 08/2013 bei Laufzeit 66 Jahre).

„Ausbildungsversicherung“

  • Kapital-Lebensversicherung, ggf. mit Garantien + Absicherung Tod Versorger
  • Weniger flexibel, Kapital steht sicherer zur Verfügung, Kosten: s.o.

Bausparvertrag

  • Der typische Deutsche hat ein schlechtes Gewissen, wenn er keinen Bausparvertrag hat. Zu Unrecht – Verbraucherschützer warnen aufgrund der niedrigen Zinsen vor Bausparverträgen (Spiegel Online 25.8.2013). Auch in der Vergangenheit gab es bei BSV meistens in der Ansparphase einen deutlich zu niedrigen Zins, zum „Ausgleich“ lag dann das Bauspardarlehen über dem Marktzins – irgendwie falsch :-).
  • Der Abschluss eines Bausparvertrages kann ausnahmsweise sinnvoll sein bei sehr kleinen Sparbeträgen oder kurzen Laufzeiten (wg. geringer Kosten) oder wenn Sie mit stark steigenden Darlehenszinsen bzw. noch weiter fallenden Anlagezinsen rechnen.

Banksparplan

  • Aufgrund minimaler Zinsen keine gute Lösung für längere Laufzeiten, siehe meinen Blog-Artikel Riester-Banksparplan.
  • Ein Banksparplan kann ausnahmsweise sinnvoll sein bei sehr kleinen Sparbeträgen oder kurzen Laufzeiten (wg. geringer Kosten)

Edelmetall-Sparen

  • Haben Sie schon einmal ein Stück Gold in der Hand gehalten? Der Besitz von Edelmetallen wie Gold, Silber, Platin oder Palladium bringt nicht nur das „gute Gefühl“, echte krisensichere Werte zu erwerben, sondern bietet neben Renditechancen vor allem zusätzliche Sicherheit.
  • Nach sorgfältiger Prüfung empfehlen wir hierfür einen Edelmetallsparplan mit klar definierten Kosten (Agio von 6,5% für die Summe der geplanten Raten, ohne weitere Fixkosten), siehe dazu unsere Seite Investment in Edelmetalle.

 

Kindervorsorge – RisikenKindervorsorge und Kindersparen

Zur Absicherung gegen die häufigsten Risiken müssen für Kinder teils bestehende Versicherungen angepasst werden, teils sind speziell auf das Kind zugeschnittene Lösungen erforderlich („Kindervorsorge“).

WICHTIG: vor der Absicherung des Kindes steht die Absicherung der Eltern! (Risikolebensversicherung, Berufsunfähigkeit, Schwere Krankheiten Vorsorge („Dread Disease“), Unfallversicherung)

Die wichtigsten Lösungsbausteine für die Kindervorsorge:

  • Privathaftpflicht: ausreichend hohe Deckungssumme (z.B. 10 Mio €), inkl. Schäden durch deliktsunfähige Kinder!
  • Unfallversicherung: nach einer aktuellen Untersuchung des GDV werden Unfallrisiken bei Kindern von den Eltern häufig unterschätzt! Jedes dritte Kind hatte schon einen Unfall (28% Mädchen, 39% Jungen)! Die meisten Unfälle (30%) passieren zwischen 3 und 5 Jahren. 6% der Kinder, die Unfälle hatten, erleiden dauerhafte Beeinträchtigungen. Die häufigsten Unfallursachen bei Kindern sind: 58% Stürze (in der Ebene oder aus der Höhe), 9% beim Spielen, 7% im Verkehr, 5% Ausrutschen, 4% heiße Gegenstände. 60% der Unfälle von Kindern passieren zu Hause und in der Freizeit, nur 14% im Straßenverkehr. Siehe dazu auch meinen Blog-Artikel „Eltern unterschätzen Unfallrisiko bei Kindern„).
  • Erste Bausteine zur Absicherung der späteren Erwerbsfähigkeit, z.B. 1.500 EUR Kinderpflegerente bei Pflegebedürftigkeit oder eine „Schulunfähigkeitsversicherung“, jeweils mit späterer Umwandlung ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung für das Kind bis zu 1.000 EUR BU Rente. Häufig erhältlich in Kombination mit einer Rentenversicherung, s.o. – nur hier ist eine Risikoabsicherung des Kindes (z.B. eine Kinderpflegerente bei Pflegebedürftigkeit) mit Option zur Umwandlung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung zum Berufsstart des Kindes (bis zu 1.000 EUR, ohne Gesundheitsfragen!) möglich!

Unser Tipps zu Kindervorsorge und Kindersparen

  • Expertentipp Kindervorsorge und KindersparenWenn die Beiträge eines Schenkers (Eltern, Großeltern, Paten, Onkel, Tanten) nicht ausreichen, dann legen Sie doch innerhalb der Familie zusammen, um auf einen sinnvollen monatlichen Sparbeitrag von 100 EUR oder mehr zu kommen. Einer unterschreibt den Vertrag (z.B. die Eltern des Kindes), die anderen überweisen an den „Hauptsparer“ per Dauerauftrag. Für das Kind bleibt dann aufgrund einer in Relation geringeren Kostenquote deutlich mehr übrig, als bei mehreren kleineren Verträgen! Und wie viel von der angesparten Summe letztlich von Onkel oder Patentante gekommen ist, kann sich das Kind später auch ohne Taschenrechner ungefähr ausrechnen. :)​​​
  • Lösen Sie sich auch etwas von der Idee lösen, dass das Geld unbedingt zum 18. Geburtstag zur Verfügung stehen muss. Die 2.-3.000 EUR für den Führerschein sollten die meisten Haushalte auch so bewältigen können. Klar, ein Masterstudium in den USA reißt da mit 70.000 EUR schon eine andere Lücke ins Budget. Dafür müsste man bei einer Rendite von 5% aber auch 18 Jahre lang jeden Monat 216 EUR sparen, siehe Zinsen berechnen. Das übersteigt dann auch wieder die Sparraten von Großeltern, die ggf. mehrere Enkel versorgen möchten. Also könnten Sie ruhig einen längerfristigen Sparvorgang planen.
  • Wenn man den Sparerfreibetrag fürs Kind mit einem eigenen Depot nutzt, muss man auch der Tatsache ins Auge sehen, dass das Kind dann mit 18 das Konto abräumen und das Geld verjubeln kann.
  • Bei der Kombination von Sparen mit einer Kinder Pflege- bzw. späteren BU-Absicherung, tritt die reine Rendite in den Hintergrund, die wäre ohne Risikoprämie natürlich deutlich höher. Dafür sichern Sie die Gesundheit Ihres Kindes ab und garantieren ihm den späteren Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die anerkanntermaßen zu den wichtigsten Absicherungen gehört. Frühes Starten wird durch günstigere Beiträge belohnt. Je nach späterem Beruf des Kindes sind jedoch Lösungen, die man bei kleinen Kindern abschließen kann (z.B. Allianz Kinderpflegerente) trotz frühem Start später manchmal teurer, als z.B. eine neue BU bei einem auf Akademiker spezialisierten Anbieter. Ein späterer Wechsel des BU Anbieters (sofern gesundheitlich möglich) wäre aber auch kein Drama, das Kind hatte dafür ja zunächst 25 Jahre lang sinnvollen Schutz.
    Wie immer spielen Sie etwas Lotto: Passiert etwas, dann besser frühe Absicherung, sonst lieber ohne. So sehr viele Kinder werden zwar nicht berufsunfähig. Falls doch sind die Auswirkungen aufgrund der langen Laufzeit aber ziemlich dramatisch. Letztlich gibt’s also leider nicht die richtige Strategie für alle. ​🤷‍♀️

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