Ärztefinanzberatung

Versorgungswerk und Krankenversicherung – was sind die Unterschiede jetzt und im Alter für gesetzlich bzw. privat versicherte Mitglieder eines Versorgungswerks? Worauf ist bei der Entscheidung GKV vs. PKV zu achten? Wie hoch sind die Kosten im Alter?

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Ein wichtiger Tipp: lassen Sie sich von unseren umfassenden fachlichen Informationen nicht zu “do-it-yourself” Lösungen verführen. Wenn Sie einfacher und sicherer ans Ziel kommen möchten, nutzen Sie direkt unsere persönliche Beratung und buchen Sie hier einen kostenlosen Beratungstermin (auch bundesweit per Webmeeting).

Versorgungswerk und Krankenversicherung

Als Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker, Architekt, Rechtsanwalt, Patentanwalt, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Ingenieur können Sie sich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen und Mitglied in einem Versorgungswerk werden. Siehe dazu ausführlich unsere Seite Versorgungswerk.Versorgungswerk und Krankenversicherung

Viele Mitglieder eines Versorgungswerks sind privat krankenversichert und sichern sich so eine sehr gute medizinische Versorgung mit einem Beitrag, der weder jetzt noch als Rentner vom erzielten Einkommen abhängig ist. Beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung ergeben sich einige spezielle Fragen, z.B. wie unten beschrieben zur Übernahme von Kosten bei einer sog. “Anschlussheilbehandlung”. Dazu beraten wir Sie gerne.

Für gesetzlich krankenversicherte Versorgungswerksmitglieder gelten wichtige Besonderheiten bei der Beitragszahlung im Alter. Auch bei niedriger Versorgungswerksrente kann der volle GKV Beitrag anfallen.

Generell erfolgt keine Bezuschussung des Krankenversicherungsbeitrags durch das Versorgungswerk wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung.

Versorgungswerk und Krankenversicherung im Alter

Für Bezieher einer Altersrente aus einem berufsständischen Versorgungswerk läuft im Alter einiges anders, als für Bezieher einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV).

Versorgungswerk und Krankenversicherung – wie hoch sind die Beiträge als Rentner?

Der Krankenversicherungsbeitrag als Bezieher einer Versorgungswerk-Rente hängt von mehreren Faktoren ab, zum einen von der Art der Krankenversicherung (privat oder gesetzlich) und davon, ob zusätzlich eine gesetzliche Altersrente bezogen wird.

Privat krankenversicherte Versorgungswerkmitglieder

Privat krankenversicherte Mitglieder eines Versorgungswerks zahlen als Renter weiterhin selbst den einkommensunabhängigen Tarifbeitrag ihrer privaten Krankenversicherung. Mit Rentenbeginn sinkt der Beitrag etwas aufgrund entfallender Beitragsbestandteile wie Krankentagegeld und 10%igem gesetzlichen Zuschlag. Siehe dazu ausführlich “Ist die private Krankenversicherung im Alter unbezahlbar?”.

Gesetzliche krankenversicherte Versorgungswerkmitglieder

Bezieht ein Mitglied eines Versorgungswerks eine Altersrente aus dem Versorgungswerk, so gilt es in der Krankenversicherung der Rentner auch dann als freiwillig versichert, wenn es zuvor in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert war (siehe z.B. Deutsches Ärzteblatt vom 4.10.2013).

Bei zusätzlichem Bezug einer gesetzlichen Altersrente

Bezieht ein Mitglied eines Versorgungswerks zusätzlich eine gesetzliche Rente, war es während 9/10 der zweiten Hälfte seines Berufslebens Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung (“Vorversicherungszeit”) und übt es keine hauptberufliche Tätigkeit aus (i.d.R. mehr als 20 Wochenstunden), dann wird es Pflichtmitglied der sog. “Krankenversicherung der Rentner” (KVdR) und in der sozialen Pflegeversicherung der Rentner, siehe ausführlich das hier verlinkte Merkblatt Krankenversicherung der Rentner (KVdR) und Pflegeversicherung der Deutschen Rentenversicherung. Für KVdR pflichtversicherte Versorgungswerksrentner führt das Versorgungswerk die Beiträge direkt an die Kranken- bzw. Pflegekasse ab.

Der große Vorteil als Mitglied der Krankenversicherung der Rentner: Grundlage für die Beitragsbemessung sind nur die Rente der gesetzlichen Rentenversicherung, die Rente des Versorgungswerks, Betriebsrenten und evtl. Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit bis zur Beitragsbemessungsgrundlage. Nicht erfasst werden Einkünfte aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung!

Diese Möglichkeit eröffnet sich z.B. für Rechtsanwältinnen, Ärztinnen etc., die sich wie von uns empfohlen Kindererziehungszeiten anrechnen haben lassen, siehe unseren Beitrag Kindererziehungszeiten. Sollte die Wartezeit von 60 Monaten dadurch noch nicht erfüllt sein (für jedes ab 1.1.1992 geborene Kind werden 36 Monate angerechnet), empfiehlt sich eine freiwillige Nachzahlung der fehlenden Beiträge. Auch für andere Versorgungswerksmitglieder ohne Anspruch auf gesetzliche Altersrente könnten (geringe) freiwillige Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung eine sinnvolle Option sein.

Ohne Bezug einer gesetzlichen Altersrente

Der größte Teil der gesetzlich krankenversicherte Mitglieder von Versorgungswerken bezieht keine zusätzliche Rente der gesetzlichen Rentenversicherung und ist dann ganz normal  freiwillig gesetzlich krankenversichert.

Die gravierende Folge: bei der Bemessung des vom Versicherten selbst zu zahlenden Beitrags werden nicht nur Rentenleistungen zu Grunde gelegt, sondern (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) die gesamte “wirtschaftliche Leistungsfähigkeit”. Somit werden auch alle Einkünfte aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung einberechnet! Dies kann für z.B. wg. Teilzeittätigkeit aufgrund von Kindererziehung gesetzlich versicherte Ärzte / Ärztinnen, Rechtsanwälte / Rechtsanwältinnen etc., die nur eine geringe Rente vom Versorgungswerk beziehen “zur Folge haben, dass fast die gesamte Rente aus dem Versorgungswerk für den Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag draufgeht.” (Deutsches Ärzteblatt vom 4.10.2013)!

Versorgungswerk und Krankenversicherung – Beitragszuschuss als Rentner

Versorgungswerke zahlen im Rentenbezug keinen eigens ausgewiesenen Zuschuss zur gesetzlichen oder privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Anders bei gesetzlich Rentenversicherten, die GRV bezuschusst diese Beiträge separat. Dies ist jedoch keine Schlechterstellung der Mitglieder von Versorgungswerken gegenüber GRV Rentnern. Die Rente aus dem Versorgungswerk ist deutlich höher als die GRV Rente (im Schnitt doppelt so hoch) und beinhaltet bereits Leistungen für die Kranken- und Pflegeversicherung. Diese werden dort nur nicht separat ausgewiesen. Siehe dazu auch den hier verlinkten Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt 2013.

Nur beim ausnahmsweisen zusätzlichen Bezug einer gesetzlichen Rente übernimmt die GRV Teile des auf die gesetzliche Rente entfallenden Krankenversicherungsbeitrags:

  • Bei gesetzlich Krankenversicherten trägt die gesetzliche Rentenversicherung (DRV) die Hälfte des auf den GRV Beitrag entfallenden allgemeinen Beitragssatzes i.H.v. 14,6%. = 7,3%. Den Beitrag zur Pflegeversicherung von z.Zt. 2,35% (Kinderlose: 2,6%) trägt der Rentner alleine.
  • Privat Krankenversicherte erhalten den gleichen Zuschuss, begrenzt auf die Hälfte der tatsächlichen Aufwendungen.

Überblick Beiträge zur Krankenversicherung als Versorgungswerk-Rentner

Gesetzliche Rente Versorgungswerk / Arbeitseinkommen Sonstige Einkünfte
KVdR allg. Beitragssatz (z.Zt. 14,6 %), Zuschuss 7,3% allg. Beitragssatz (z.Zt. 14,6 %), kein Zuschuss entfällt
Freiwillig GKV allg. Beitragssatz (z.Zt. 14,6 %), auf Antrag Zuschuss 7,3% Grds. ermäßigter Beitragssatz (z.Zt. 14,0 %), kein Zuschuss Grds. ermäßigter Beitragssatz (z.Zt. 14,0 %), kein Zuschuss
PKV Einkommensunabhängiger Beitrag gem. Tarif, auf Antrag Zuschuss max. 7,3% Einkommensunabhängiger Beitrag gem. Tarif, kein Zuschuss Einkommensunabhängiger Beitrag gem. Tarif, kein Zuschuss

Zu addieren sind jeweils noch evtl. Zusatzbeiträge und die Pflegepflichtversicherung. Siehe dazu auch das hier verlinkte “Merkblatt zur Krankenversicherung bei Rentenbezug” des Steuerberaterversorgungswerks Rheinland-Pfalz und die hier verlinkte Seite “Krankenversicherung der Rentner” der Bayerischen Ärzteversorgung.

Fazit Krankenversicherung und Versorgungswerk: gesetzlich oder privat?

Viele Mitglieder eines Versorgungswerks werden im Alter zusätzlich zur (im Vergleich zur gesetzlichen Rente höheren) Rente vom Versorgungswerk Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie Kapitaleinkünften beziehen. Ein gesetzlich krankenversicherter Versorgungswerk-Rentner ohne Mitgliedschaft in der KVdR würde auf sämtliche Einkünfte bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2017: 52.200 EUR) den ermäßigten Beitragssatz (aktuell 14%) entrichten, d.h. monatlich bis zu 609,00 EUR (Stand 2017) – ohne jeden Zuschuss!

Ein privat krankenversicherter Versorgungswerk-Rentner bezahlt weiterhin seinen normalen Beitrag, profitiert jedoch ab Rentenbeginn von verschiedenen beitragsentlastenden Maßnahmen (siehe “Altersvorsorgemaßnahmen Private Krankenversicherung” auf unserer Seite “Ist die private Krankenversicherung im Alter unbezahlbar?“. Ist er zusätzlich unserer Empfehlung gefolgt und hat im Wege des sog. “Altersbeitragsentlastungssparens” die Beitragsersparnis seiner privaten Krankenversicherung gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung sinnvoll investiert, z.B. in eine Rentenversicherung, dann kommt ihm eine weitere monatliche Beitragsreduzierung i.H.v. locker 1.000 EUR zugute.

Fazit: Mitglieder eines Versorgungswerks werden häufig in der privaten Krankenversicherung besser aufgehoben sein, als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Lassen Sie sich von uns kostenlos beraten, welche Option für Sie langfristig die richtige ist!

Versorgungswerk und Krankenversicherung – wer zahlt für Anschlussheilbehandlung?

Nicht unproblematisch ist für privat krankenversicherte Versorgungswerksmitglieder das Thema Anschlussheilbehandlung. Hier können erhebliche Kosten entstehen, z.B. für 9 Wochen Behandlung nach Herzinfarkt bei einem Tagessatz von 1.000 EUR insgesamt 63.000 EUR, siehe dazu unsere Seite Anschlussheilbehandlung.

Was leisten die Versorgungswerke?

Zitat der Ärzteversorgung Nordrhein: “Es können allerdings nur echte Rehabilitationsleistungen unterstützt werden. Für Anschlussheilbehandlungen oder Akutheilbehandlungen werden keine Leistungen gewährt. Diese fallen in den Zuständigkeitsbereich der jeweils zuständigen Krankenversicherung. Siehe auch den hier verlinkten Beitrag “Unterstützung von Rehabilitation durch die Nordrheinische Ärzteversorgung“, danach fallen “Akutheilbehandlungen und Anschlussheilbehandlungen von vornherein nicht unter den satzungsgemäßen Leistungskatalog, selbst wenn ein entsprechender Krankenversicherungsschutz nicht besteht.

Ähnlich das Versorgungswerk der Architektenkammer NRW (auch zuständig für Architekten in Bremen, Hessen und im Saarland) “Übernimmt das Versorgungswerk Kosten für eine Anschlussheilbehandlung (AHB)? Nein. AHB-Maßnahmen sind medizinische Leistungen zur Rehabilitation, die sich unmittelbar an eine Krankenhausbehandlung anschließen. Grundsätzlich handelt es sich bei AHB-Maßnahmen um Krankenversicherungsleistungen.”

Andere Versorgungswerke handhaben das ähnlich.

Leistet die private Krankenversicherung?

Nach § 5 Abs. 1 d) MB/KK 2009 übernimmt eine einfache private Krankenversicherung die Kosten für Kur-/Sanatoriumsbehandlung und für Rehabilitationsmaßnahmen (Anschlussheilbehandlung / Anschlussgesundheitsmaßnahmen) nur wenn entsprechende Leistungen im konkreten Tarif explizit enthalten sind!

Wie auf unserer Seite Anschlussheilbehandlung beschrieben ist daher bei privat krankenversicherten (potentiellen) Mitgliedern eines Versorgungswerks auf Leistungen für Anschlussheilbehandlung in Krankenversicherungstarifen besonders zu achten! Das gleiche gilt für privat krankenversicherte Selbstständige ohne GRV Ansprüche.

Versorgungswerk und Krankenversicherung – Expertentipp VersorgungswerkFazit

Suchen Sie am besten Rat bei einem unabhängigen Finanzberater, der aufgrund eigener Mitgliedschaft in einer berufsständischen Versorgung und durch Betreuung vieler freiberuflich tätiger Mandaten (einschließlich der eigenen Ehefrau als Ärztin) auf dem Gebiet Versorgungswerk und Krankenversicherung bestens bewandert ist.

Ja genau – Sie dürfen sich gerne an uns wenden 🙂