Muss ich für meine Berufsunfähigkeitsrente Steuern zahlen?

Die Frage, ob gezahlte BU Beiträge steuerlich absetzbar sind und inwieweit bei Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente Steuern und Sozialversicherungsbeiträge anfallen, sollte schon beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung bedacht werden. Nutzen Sie deshalb (m)eine professionelle Beratung!

Hier einige Expertentipps zum Thema Berufsunfähigkeit und Steuern. Zur Notwendigkeit der Absicherung des Einkommens gegen Berufsunfähigkeit siehe z.B. meine Seiten Berufsunfähigkeit und Berufsunfähigkeitsrisiko.

Wann ist die Frage relevant, inwieweit für eine Berufsunfähigkeitsrente Steuern zu zahlen sind?

Berufsunfähigkeitsrente SteuernDie Frage, ob und wieviel Sie für Ihre Berufsunfähigkeitsrente Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen, ist bereits bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine wichtige Frage!

Sollten Sie sich z.B. für eine Basisrente mit Berufsfähigkeitszusatzversicherung entscheiden, wie dies von Dreibuchstabenvertrieben wie MLP häufig empfohlen wird (siehe dazu auch Heidelberger Leben und Falschberatung von Ärzten), dann müssen Sie für die gewünschte Netto-Berufsunfähigkeitsrente (nach Steuern) zur Sicherung Ihres Lebensstandards eine deutlich höhere monatliche Brutto-Berufsunfähigkeitsrente (vor Steuern) absichern.

Essentiell wird die Frage, auf welchen Teil Ihrer Berufsunfähigkeitsrente Steuern zu zahlen sind, bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit. Steuer und Sozialversicherungsbeiträge können die Rente dann empfindlich reduzieren!

Nutzen Sie deshalb beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsrente (m)eine professionelle Beratung!

Wovon hängt ab, inwieweit ich für meine Berufsunfähigkeitsrente Steuern zahle?

Zunächst sind in Deutschland Einkünfte unterhalb eines Grundfreibetrags von 8.652 EUR (2016) zur Sicherung eines “Existenzminimums” immer steuerfrei. Bei einer Berufsunfähigkeitsrente bis 721 EUR im Monat als einzigem Einkommen wären auf die Berufsunfähigkeitsrente Steuern daher nicht zu zahlen. Da eine solche Mini-BU jedoch mit der sog. “Grundsicherung” verrechnet würde, ist eine so geringe BU Rente nie sinnvoll.

Für Einkünfte aus einer Berufsunfähigkeitsrente oberhalb des Grundfreibetrags hängt die Besteuerung davon ab, in welcher sog. “Schicht” nach dem Alterseinkünftegesetz (AEG – siehe dazu meine Seite Altersvorsorge) die BU-Rente abgeschlossen wurde. Details ergeben sich aus der ausführlichen Tabelle weiter unten auf dieser Seite.

Andere Steuern wie Mehrwertsteuer oder Versicherungssteuer sind auf Berufsunfähigkeitsrenten nicht zu zahlen.

Berufsunfähigkeitsrente Steuern nach Alterseinkünftegesetz AEG

Berufsunfähigkeit Steuern je nach “Schicht”

Hier wird beispielhaft pro Schicht erklärt, inwieweit auf eine Berufsunfähigkeitsrente Steuern zu zahlen sind bzw. die Beiträge bei der Steuer geltend gemacht werden können. Einige weitere rechtliche Details werden in der nachfolgenden Tabelle erklärt.

Basis-Berufsunfähigkeitsrente Steuern in Schicht 1

Bei einer Basis-Berufsunfähigkeitsrente, die mit einer Basisrente oder Rüruprente gekoppelt ist, können Sie in der Beitragszahlungsphase einen Teil der BU Beiträge von der Steuer absetzen (2016: 82%, jährlich steigend bis auf 100% im Jahr 2025).

Dafür müssen Sie im Leistungsfall in der Auszahlungsphase aber auf die Berufsunfähigkeitsrente Steuern zahlen. Bei Rentenbeginn 2016 sind auf 72% der Rente bei Berufsunfähigkeit Steuern zu zahlen (mit dem persönlichen Steuersatz). Der zu versteuernde Anteil steigt bei späterem Rentenbeginn jährlich und beträgt 2020 bereits 80% und ab 2040 100%.

Die Kombination einer Berufsunfähigkeitsrente mit einer sog. Basisrente oder Rüruprente ist in vielen Fällen nicht sinnvoll (siehe Kombination mit Altersvorsorge? Basisrente?), außer wenn z.B. die Möglichkeit der Steuerersparnis einen besonders hohen Stellenwert hat.

Betriebliche Berufsunfähigkeitsrente Steuern in Schicht 2

Von einer betrieblichen Berufsunfähigkeitsrente, z.B. als in eine Direktversicherung als Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) integrierte BU, wird generell eher abgeraten, siehe dazu Kombination mit betrieblicher Altersvorsorge / BAV?.

In der Beitragszahlungsphase werden die Beiträge für eine solche BUZ aus dem Bruttoeinkommen gezahlt, sie sind damit steuer- und sozialversicherungsfrei.

Kehrseite der Medaille: in der Leistungsphase / Auszahlungsphase einer betrieblichen BU müssen gesetzlich Krankenversicherte die vollen Sozialversicherungsbeiträge für die gesetzliche Krankenversicherung und Pflegepflichtversicherung i.H.v. aktuell max. 15,5% plus 2,3% bezahlen. Zusätzlich sind auf die gesamte Berufsunfähigkeitsrente Steuern in voller Höhe zu bezahlen.

Private Berufsunfähigkeitsrente Steuern in Schicht 3

Beiträge zu einer privaten Berufsunfähigkeitsrente können in der Beitragszahlungsphase grundsätzlich als Sonderausgaben bzw. Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Hierfür gelten jedoch Höchstgrenzen i.H.v. 1.900 EUR p.a. für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und 2.400 EUR p.a. für Selbstständige und Freiberufler. Diese Obergrenzen werden i.d.R. schon durch die Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung mehr als ausgeschöpft, so dass für die BU Beiträge keine steuerlichen Vorteile verbleiben.

In der Leistungsphase / Auszahlungsphase wird eine Berufsunfähigkeitsrente in der privaten 3. Schicht als “abgekürzte Leibrente” behandelt. Damit ist nur der sog. “Ertragsanteil” zu versteuern, dessen Höhe von der möglichen Rentendauer bei Beginn der Zahlung der BU Rente abhängt (siehe dazu die Tabelle unten auf dieser Seite).

Ein Beispiel: wird ein 37-Jähriger berufsunfähig und hat seine Berufsunfähigkeitsrente korrekt bis 67 versichert (siehe Laufzeit), dann muss er bei einer möglichen Laufzeit von 30 Jahren nur auf 30% der Berufsunfähigkeitsrente Steuern zahlen. Je später die Berufsunfähigkeit eintritt, desto geringer fällt der zu versteuernde Anteil aus. Von einer Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 EUR p.m. wären in diesem Fall also nur 600 EUR zu versteuern. Davon wird jedoch noch der Grundfreibetrag von 696 EUR abgezogen, so dass auf diese private Berufsunfähigkeitsrente Steuern nicht zu zahlen sind – sie ist steuerfrei!

Tabelle zu den Berufsunfähigkeitsrente Steuern

In dieser Tabelle werden einige weitere rechtliche Details zu Berufsunfähigkeitsrente Steuern mit den entsprechenden Fundstellen / Paragraphen erklärt.

Besteuerung von Rentenleistungen wegen Berufsunfähigkeit (BU) bzw. Erwerbsminderung
Schicht Art der Versicherung Besteuerung
1. Schicht Gesetzliche Rentenversicherung
Basisrente oder Rürup-Rente
(§ 10 Abs. 1 Nr. 2 b EStG)
Zu versteuern mit dem sog. “Besteuerungsanteil” abhängig von dem Jahr, in dem die Erwerbsminderungsrente bzw. Berufsunfähigkeitsrente beginnt, d.h. in 2016 72 % bis 2040 steigend auf 100 % (§ 22 Nr. 1 S. 3 a aa EStG)
2. Schicht Riester-Rente
(§ 10a Abs. 1 EStG)
Volle Besteuerung, soweit die Berufsunfähigkeitsrente auf geförderten Beiträgen beruht (§ 22 Nr. 5 S. 1 EStG)
Ertragsanteilbesteuerung, soweit die Berufsunfähigkeitsrente auf nicht geförderten Beiträgen beruht. Der Ertragsanteil bestimmt sich nach der voraussichtlichen Rentenbezugszeit (§ 22 Nr. 5 S. 2 a i.V.m. § 22 Nr. 1 Satz 3 a bb S. 5 EStG i.V.m. § 55 Abs. 2 EStDV)
Betriebliche Altersversorgung (BAV):
• Direktversicherung nach § 3 Nr. 63 EStG
Volle Besteuerung, soweit die Berufsunfähigkeitsrente auf geförderten Beiträgen beruht (§ 22 Nr. 5 S. 1 EStG)
Ertragsanteilbesteuerung, soweit die Berufsunfähigkeitsrente auf nicht geförderten Beiträgen beruht. Der Ertragsanteil bestimmt sich nach der voraussichtlichen Rentenbezugszeit (§ 22 Nr. 5 S. 2 a i.V.m. § 22 Nr. 1 S. 3 a bb S. 5 EStG i.V.m. § 55 Abs. 2 EStDV)
Besteuerungsanteil (vgl. 1. Schicht), soweit die Berufsunfähigkeitsrente auf nicht geförderten Beiträgen beruht und die Voraussetzungen der Basisversorgung vorliegen (§ 22 Nr. 5 S. 2 a i.V.m. § 22 Nr. 1 S. 3 a aa EStG)
BAV: • Direktversicherung nach § 40b EStG a.F Zu versteuern ist der sog. “Ertragsanteil“, der sich nach der voraussichtlichen Rentenbezugszeit bestimmt. Dies gilt auch bei regulärer Lohnversteuerung (z.B. Eigenbeiträge) und privater Fortführung (§ 22 Nr. 5 S. 2 a i.V.m. § 22 Nr. 1 S. 3 a bb S. 5 EStG i.V.m. § 55 Abs. 2 EStDV)
BAV: • Direktversicherung nach § 10a Abs. 1 EStG Wie bei Riester-Rente
BAV: •Pensionskasse Wie bei Direktversicherung
BAV: • Pensionsfonds nach § 3 Nr. 63 EStG Wie bei Direktversicherung nach § 3 Nr. 63 EStG bzw. § 10a EStG
BAV: • Pensionsfonds nach § 3 Nr. 66 EStG (Übertragung aus Direktzusagen oder U-Kassen) Volle Besteuerung unter Anwendung des Werbungskostenpauschbetrages (§ 9a S. 1 Nr. 1 b EStG) und des Versorgungsfreibetrages einschließlich Zuschlag (§ 19 Abs. 2 EStG), wenn die Berufsunfähigkeitsrente bereits vor der Übertragung gewährt wird (§ 22 Nr. 5 S. 1 i.V.m. § 52 Abs. 34c EStG)
BAV: • Direktzusage, Unterstützungskasse Volle Besteuerung als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 Abs. 2 EStG)
3. Schicht • Private Versicherung als Selbstständige BU (SBU) / Berufsunfähigkeitszusatzversicherung / BUZ) Zu versteuern ist der sog. “Ertragsanteil“, der sich nach der voraussichtlichen Rentenbezugszeit bestimmt (§ 22 Nr. 1 S. 3 a bb S. 5 EStG i.V.m. § 55 Abs. 2
EStDV)

 Tabelle “Ertragsanteilbesteuerung” für Berufsunfähigkeitsrente Steuern

Bei der sog. “Ertragsanteilbesteuerung” zahlen Sie für eine Berufsunfähigkeitsrente Steuern nach folgendem Schema

maximale Laufzeit der Rente ab Beginn Berufsunfähigkeit Ertragsanteil in %
5 7
10 13
15 17
20 21
25 26
30 30

 

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