Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung sagt, was Sie im Alter voraussichtlich bekommen – und die ausgewiesene Zahl ist fast immer zu optimistisch. Wer seine echte Rentenlücke kennt, kann gezielt gegensteuern. Eine staatlich abgesicherte Möglichkeit dafür: zusätzliche Rentenpunkte kaufen und damit Abschläge einer vorgezogenen Rente ausgleichen. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie Ihre Renteninformation lesen, Ihre Entgeltpunkte einsehen und wann sich der Kauf zusätzlicher Rentenpunkte wirklich rechnet.
Das Wichtigste in Kürze
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Renteninformation: für wen und ab wann?
Eine jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung Bund (umgangssprachlich auch Rentenbescheid genannt) erhalten gemäß § 109 SGB VI alle Versicherten
Ab dem 55. Lebensjahr wird die Renteninformation alle drei Jahre durch die ausführlichere Rentenauskunft ersetzt, die unter anderem einen vollständigen Versicherungsverlauf enthält.
Renteninformation anfordern und Rentenpunkte einsehen
Ihre gesammelten Rentenpunkte einsehen Sie im Versicherungsverlauf und in der jährlichen Renteninformation. Wer die elektronische Identität (eID) des Personalausweises freigeschaltet hat, kann den aktuellen Kontostand direkt online im Rentenkonto der Deutschen Rentenversicherung abrufen. Schriftlich lassen sich nach Angabe der Sozialversicherungsnummer unter anderem anfordern:
Aus Datenschutzgründen werden schriftliche Auskünfte ausschließlich an die der DRV bekannte Anschrift versandt. Eine verständliche Erläuterung der Renteninformation inklusive Muster bietet die Broschüre „Die Renteninformation – mehr wissen“ der Deutschen Rentenversicherung.
Was ein Rentenpunkt 2026 wert ist
Rentenpunkte – offiziell Entgeltpunkte – sind die Währung der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie zeigen, wie viel jemand im Vergleich zum Durchschnitt eingezahlt hat. Die Rechnung dahinter ist simpel: Ihr Jahresbruttoeinkommen geteilt durch das Durchschnittsentgelt aller Versicherten. Bei 40.000 € Bruttoeinkommen und einem Durchschnittsentgelt von 51.944 € (2026) ergibt das rund 0,77 Entgeltpunkte für dieses Jahr.
Aus den gesammelten Punkten wird die Rente errechnet: Ein Entgeltpunkt ist ab dem 1. Juli 2026 rund 42,52 € Monatsrente wert. Wer bis zum Renteneintritt etwa 45 Punkte angesammelt hat, kommt damit auf eine Bruttorente von rund 1.913 € im Monat. Genau diese Punktezahl lässt sich durch freiwillige Zahlungen gezielt erhöhen – dazu unten mehr.
Renteninformation richtig lesen: die vier Varianten
In der Renteninformation beziehungsweise Rentenauskunft wird die Regelaltersrente in vier Varianten ausgewiesen:
- ohne weitere Versicherungszeiten (also wenn Sie ab morgen keine Beiträge mehr zahlen würden) und ohne künftige Rentenanpassungen
- mit weiteren Versicherungszeiten und ohne künftige Rentenanpassungen – aus unserer Sicht die realistischste Zahl
- mit weiteren Versicherungszeiten und angenommener Rentenanpassung von 1 % pro Jahr
- mit weiteren Versicherungszeiten und angenommener Rentenanpassung von 2 % pro Jahr

Angesichts der demografischen Entwicklung und des politisch gewollt sinkenden Rentenniveaus würden wir nicht mit den optimistischen Anpassungsvarianten 3 und 4 planen. Im Gegenteil: Von der ausgewiesenen Bruttorente müssen Sie weitere Abzüge einkalkulieren.
Ihre echte Rentenlücke: was von der Bruttorente übrig bleibt
Die Zahl in der Renteninformation ist ein Bruttowert. Bis sie auf Ihrem Konto ankommt, schmälern sie mehrere Faktoren:
In Summe bleibt von der optimistischen Prognose real also ein erheblicher Teil auf der Strecke. Rechnen Sie selbst nach – den Inflationsrechner und weitere Werkzeuge finden Sie auf unserer Seite Rechner und Tools. Ihre individuelle Lücke ermitteln wir in einer Beratung Altersvorsorge.
Rentenpunkte kaufen: Abschläge ausgleichen und Lücken schließen
„Rentenpunkte kaufen“ heißt im Klartext: Sonder- oder Ausgleichszahlungen an die Deutsche Rentenversicherung leisten. Das ist vor allem für zwei Ziele interessant – Abschläge bei einem vorgezogenen Rentenbeginn ausgleichen oder die spätere Rente bewusst erhöhen. Ab dem 50. Lebensjahr können Sie über den Antrag V0210 eine Auskunft über den möglichen Ausgleich von Rentenabschlägen anfordern; die DRV berechnet daraufhin den nötigen Betrag, der einmalig oder in Teilbeträgen gezahlt werden kann.
Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar: Für jeden Monat, den Sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen, mindert sich die Rente um 0,3 %. Wer drei Jahre früher aufhört, verliert also 10,8 % – bei einer Bruttorente von 1.600 € sind das rund 173 € im Monat, dauerhaft. Um diesen Abschlag vollständig auszugleichen, wäre nach aktueller Berechnung ein Betrag von rund 45.900 € nötig. Für den vollen Ausgleich ist in der Regel ein mittlerer fünfstelliger Betrag einzuplanen. Erworbene Extrapunkte können zudem eine spätere Hinterbliebenenrente erhöhen.
Steuerlich ist der Kauf attraktiv: Die Zahlungen lassen sich zu bis zu 100 % als Vorsorgeaufwendungen absetzen. Es gilt allerdings ein Höchstbetrag (2026: 30.826 € für Alleinstehende, 61.652 € für Verheiratete), der bei Arbeitnehmern um die bereits geleisteten Rentenbeiträge gekürzt wird. Wer die Einzahlung über mehrere Jahre streckt, nutzt den Steuervorteil optimal. Im Ruhestand ist die dann höhere Rente entsprechend zu versteuern.
Und falls Sie es sich anders überlegen: Der Kauf verpflichtet zu nichts. Gehen Sie doch erst zur Regelaltersgrenze in Rente, erhalten Sie schlicht eine höhere Rente. Zurückerstattet werden die Sonderzahlungen aber nicht.
Vorteile auf einen Blick
Was dagegen spricht
Lohnt sich der Kauf von Rentenpunkten?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht – aber klare Tendenzen. Sinnvoll ist der Kauf vor allem, wenn Sie sich der Rente nähern (etwa ab Mitte 50), einen hohen Grenzsteuersatz haben und Wert auf eine planbare, lebenslange Zahlung legen. Wer konkrete Abschläge einer Frührente ausgleichen will, schließt damit eine genau bezifferbare Lücke.
Weniger sinnvoll ist er meist, wenn Sie noch deutlich unter 50 sind: Dann sind private oder betriebliche Wege in der Regel flexibler und chancenreicher. Auch bei knapper Liquidität oder absehbar kurzer Lebenserwartung trägt die Rechnung selten. Entscheidend sind am Ende vier Größen: Steuersatz, geplanter Rentenbeginn, Lebenserwartung und verfügbares Kapital.
In der Praxis ist der Kauf von Rentenpunkten kein Entweder-oder, sondern ein möglicher Baustein im Vorsorge-Mix. Ein ETF-Depot baut Vermögen auf, garantiert aber keine lebenslange Auszahlung – die gesetzliche Rente zahlt bis zum Lebensende. Ein Risiko deckt allerdings keine der beiden Varianten ab: vor der Rente berufsunfähig zu werden. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht dafür selten; hier gehört eine Berufsunfähigkeitsversicherung ins Konzept. Welche Kombination für Sie aufgeht, rechnen wir in der Beratung Altersvorsorge konkret durch.
Häufige Fragen zu Renteninformation und Rentenpunkten
Was kostet ein Rentenpunkt 2026?
Für die spätere Rente ist ein Entgeltpunkt ab dem 1. Juli 2026 rund 42,52 € Monatsrente wert. Wer Punkte über freiwillige Zahlungen erwirbt, zahlt einen individuell berechneten Betrag, der von Alter und Versicherungszeiten abhängt – die DRV ermittelt ihn auf Antrag.
Kann man Rentenpunkte kaufen?
Im Wortsinn „kaufen“ lassen sie sich nicht, wohl aber über Sonder- beziehungsweise Ausgleichszahlungen an die Deutsche Rentenversicherung erwerben. Ab dem 50. Lebensjahr ist das über den Antrag V0210 möglich.
Wie viel kostet es, Abschläge auszugleichen?
Pro Monat vorzeitiger Rente fallen 0,3 % Abschlag an. Drei Jahre früher bedeuten 10,8 % weniger Rente; bei 1.600 € Bruttorente rund 173 € im Monat. Der vollständige Ausgleich kostet meist einen mittleren fünfstelligen Betrag – im Beispiel rund 45.900 €.
Wo sehe ich meine Rentenpunkte?
Im Versicherungsverlauf und in der jährlichen Renteninformation. Mit der freigeschalteten eID des Personalausweises sehen Sie Ihren Kontostand direkt im Online-Konto der Deutschen Rentenversicherung.
Sind freiwillige Einzahlungen steuerlich absetzbar?
Ja, bis zu 100 % als Vorsorgeaufwendungen – begrenzt durch den Höchstbetrag (2026: 30.826 € für Alleinstehende, 61.652 € für Verheiratete), bei Arbeitnehmern gekürzt um die laufenden Rentenbeiträge. Über mehrere Jahre verteilt lässt sich der Vorteil optimieren.
Lohnt sich der Kauf von Rentenpunkten?
Je näher die Rente und je höher der Steuersatz, desto eher. Wer noch deutlich unter 50 ist, fährt mit flexiblerer privater Vorsorge oft besser. Ausschlaggebend sind Steuersatz, Lebenserwartung, geplanter Rentenbeginn und Liquidität.
Muss ich nach dem Kauf früher in Rente gehen?
Nein. Gehen Sie regulär in Rente, erhalten Sie einfach eine höhere Rente. Zurückgezahlt werden die geleisteten Beiträge allerdings nicht.
Fazit: für die Richtigen ein solider Baustein
Für Versicherte ab etwa Mitte 50 mit gutem Steuersatz, die Abschläge ausgleichen oder eine garantierte lebenslange Zahlung aufstocken wollen, ist die Ausgleichszahlung an die Rentenversicherung ein solider, staatlich abgesicherter Baustein. Wer jünger ist oder Flexibilität braucht, sollte zuerst private und betriebliche Wege prüfen. Die ehrliche Antwort hängt von Ihren Zahlen ab – und genau die rechnen wir in der Beratung Altersvorsorge mit Ihnen durch: Rentenlücke ermitteln, Kauf gegen Alternativen abwägen, Entscheidung treffen.

