Arbeitgeberfinanzierte betriebliche Krankenversicherung Grafik Arbeitgeber Mitarbeiter Grankenversicherer

Zufriedene und gesunde Mitarbeiter mit geringeren Fehlzeiten durch betriebliche Krankenversicherung? Wir erklären, wie betriebliche Krankenversicherung funktioniert und beleuchten den Nutzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Achtung: auch auf dieser Seite liefern wir wieder viele fachliche Informationen. Nutzen Sie zusätzlich unsere kostenlose Beratung – das ist der für Sie einfachste und sicherste Weg!

Betriebliche Krankenversicherung für Ärzte und ZahnärzteAktuelle Studien belegen, dass 79% der repräsentativ befragten Arbeitnehmer eine betriebliche Krankenversicherung grundsätzlich für attraktiv halten, 40% sogar für besonders attraktiv. Jeder dritte Arbeitnehmer würde den Abschluss einer betrieblichen Krankenversicherung einer vergleichbaren Gehaltserhöhung vorziehen. Auch Unternehmen haben nach Umfragen den Wert einer bKV als Zusatzleistungen erkannt: 75% der befragten Unternehmer halten betriebliche Krankenversicherung für ein wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung, 67% sogar für das wichtigste Mittel beim Recruiting. Jedoch bieten bislang nur ca. u11% der befragten Arbeitgeber eine betriebliche Krankenversicherung an.

Tipp: Besonders interessant kann betriebliche Krankenversicherung für Ärzte und Zahnärzte sein. Nutzen die Mitarbeiter für Vorsorge, Zahnbehandlung und Zahnersatz die Praxis ihres Chefs, der seine Leistungen mit der bKV abrechnet, kann das für alle Beteiligten eine lohnende Sache sein!

Inhaltsverzeichnis

Betriebliche KrankenversicherungBetriebliche Krankenversicherung – wie funktioniert das?

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist eine Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung, die der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter im Rahmen des Arbeitsverhältnisses abschließt. Mit dieser Krankenzusatzversicherung können Lücken des gesetzlichen Versicherungsschutzes geschlossen werden, die durch Leistungskürzungen im Rahmen von Gesundheitsreformen entstanden sind. Der Arbeitgeber wird Versicherungsnehmer (VN), der Arbeitnehmer versicherte Person (VP). Ausschließlich der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Leistungen aus dem Versicherungsvertrag.

In der Regel finanziert der Arbeitgeber die Kosten und entscheidet unter Beachtung von AGG und arbeitsrechtlichem Gleichbehandlungsgrundsatz (objektive Kriterien, keine Willkür), welche Mitarbeiter von der bKV profitieren sollen – normalerweise die gesamte Belegschaft.

Arbeitgeberfinanzierte betriebliche Krankenversicherung Grafik Arbeitgeber Mitarbeiter GrankenversichererWas eine betriebliche Krankenversicherung nicht ist

Die betriebliche Krankenversicherung ist keine Betriebskrankenkasse. Sie zählt nur indirekt zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), das eher praktische Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter einer Firma umfasst (z.B. Firmen-Fitnessstudio), während die bKV eine bessere Gesundheitsversorgung finanziell unterstützt.

Betriebliche Krankenversicherung – Vorteile

Vorteile betriebliche Krankenversicherung für Arbeitgeber

Mitarbeiterbindung und -gewinnung bekommt in Unternehmen durch Demografiewandel und Fachkräftemangel einen immer höheren Stellenwert. Betriebliche Krankenversicherung bietet Arbeitgebern / Unternehmern folgende Vorteile:

  • Nachhaltige Bindung bewährter bzw. Gewinnung neuer Mitarbeiter durch zusätzliche, nicht-monetäre Vergütungsbestandteile
  • Steigerung Produktivität durch Reduzierung von Fehlzeiten / Krankenstand / Krankheitskosten durch häufigere Nutzung von Vorsorgeuntersuchung oder bessere Behandlung im Krankheitsfall
  • Imagegewinn – Positionierung als „sozial engagiertes“ Unternehmen
  • Sinnvolle Alternative zur Gehaltserhöhung
  • Die Kosten für betriebliche Krankenversicherung sind als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar
  • Schlankes Handling mit Unterstützung des jeweiligen Anbieters

Betriebliche KrankenversicherungVorteile betriebliche Krankenversicherung für Arbeitnehmer

Je nach gewählter Lösung, kann betriebliche Krankenversicherung Mitarbeitern und ihren Familien folgende Vorteile bieten:

  • verbesserter Gesundheitsschutz: Schließen von Versorgungslücken der gesetzlichen Krankenversicherung / Status „Privatpatient“ / geringere Eigenanteile bei der Gesundheitsvorsorge
  • niedrige Kosten durch die Übernahme von Kosten durch den Arbeitgeber und Gruppenvertragskonditionen
  • Aufnahmegarantie trotz Vorerkrankungen ohne individuelle Gesundheitsprüfung
  • sofortiger Versicherungsschutz ohne Wartezeiten
  • Familienabsicherung durch vergünstigte Konditionen für Angehörige (Ehepartner, Kinder)
  • Entlastung durch „Kümmern“ des Arbeitgebers – nicht jeder Mitarbeiter beschäftigt sich gerne mit Versicherungsthemen

Was leistet betriebliche Krankenversicherung – welche Varianten gibt es?

Der Leistungsumfang einer betrieblichen Krankenversicherung ist grundsätzlich relativ frei konfigurierbar. Häufige Leistungsbestandteile sind von A wie Arzneimittel bis Z wie Zahnbehandlung und Zahnersatz (aus unser Sicht besonders sinnvolle Bausteine sind fett markiert):

  • 1-Bett oder 2-Bett Zimmer und Wahlarzt („Chefarzt“) im Krankenhaus – sehr sinnvoll für optimale Behandlung bei ernsteren Erkrankungen
  • Ambulante Vorsorgeuntersuchungen, z.B. Blutbild, Darmkrebsvorsorge, EKG, Glaukom-Früherkennung, Gynäkologische Vorsorge für Frauen inkl. Ultraschall (Gebärmutter, Eierstöcke), Hautkrebsvorsorge, Schlaganfallvorsorge, Urin-Test, Urologische Vorsorge für Männer inkl. Ultraschall (Prostata), etc. – sehr sinnvoll für eine bessere Früherkennung von Erkrankungen. Ggf. auch für bereits privat krankenversicherte Mitarbeiter.
  • Auslandsreisekrankenversicherung – auch für bereits PKV Versicherte
  • Krankentagegeld: Differenz zum Nettoeinkommen – auch für bereits PKV Versicherte
  • Naturheilkunde: Heilpraktiker, Homöopathie, etc.
  • Sehhilfen
  • Schutzimpfungen
  • Zahnprophylaxe und Zahnersatz – sehr sinnvoll, da die GKV einen großen Teil der Kosten nicht übernimmt, ggf. auch für bereits privat Krankenversicherte

Das jeweilige Leistungspaket wird meistens nach Vorgabe des Arbeitgebers definiert (insbesondere bei arbeitgeberfinanzierter bKV), alternativ können den Mitarbeitern Auswahlmöglichkeiten geboten werden.

Betriebliche Krankenversicherung – wie erfolgt die Umsetzung?

Arbeitsrecht und betriebliche Krankenversicherung

Im ersten Schritt empfiehlt es sich, die Arbeitnehmer über die geplante Einführung einer betrieblichen Krankenversicherung, die berechtigten Mitarbeitern und den genauen Leistungsumfang zu informieren, ggf. deren Wünsche bezüglich anzubietender Leistungsbausteine abzufragen und soweit nötig (z.B. bei einer Mischfinanzierung AG / AN) deren Einverständnis einzuholen. Bei Förderung durch den Arbeitgeber müssen Details zur bkV den Mitarbeitern gem. § 2 Abs. 1 Ziff. 6 NachwG schriftlich ausgehändigt werden. Zur Vermeidung von Haftungsrisiken empfiehlt es sich, einen Anwalt mit der Erstellung einer individuellen Ergänzung der Arbeitsverträge oder Betriebsordnung (Unternehmen ohne Betriebsrat) bzw. einer Betriebsvereinbarung (mit Betriebsrat) zur Regelung der betrieblichen Krankenversicherung zu beauftragen. Auf Wunsch stellen wir unseren Kunden unverbindlich eine Muster-Betriebsvereinbarung bzw. Muster-Gesamtzusage zur Verfügung.

Zusammenarbeit mit dem bKV-Anbieter

Sodann wird zwischen Arbeitgeber und einem mit unserer fachkundigen Unterstützung sorgfältig ausgewählten Anbieter einer betrieblichen Krankenversicherung (zu den Auswahlkriterien siehe unten) ein Rahmenvertrag abgeschlossen. Darin werden geregelt:

  • versicherbarer Personenkreis (ggf. auch Familienangehörige wie Ehegatten oder Kinder bis zum 27. Lebensjahr – Versicherungsnehmer und Beitragszahler ist dann der Mitarbeiter)
  • Beitrittsbedingungen
  • ausgewählte bzw. auswählbare Tarife
  • Beginndatum
  • Beitragszahlung (i.d.R. per Bankeinzug)

Danach sendet der Arbeitgeber eine Liste der zu versichernden Mitarbeiter (mit deren Einverständnis) an die Gesellschaft. Darin sind i.d.R. folgende Daten enthalten: Name, Geburtsdatum, Anschrift, aktuelle Krankenversicherung, Betriebseintrittsdatum, ggf. zusätzlich firmeninterne Ordnungsmerkmale. Nur wenn ausnahmsweise eine Gesundheitsprüfung erforderlich sein sollte (z.B. bei Familienangehörigen oder Sondertarifen) müssen in den Anträgen von der versicherten Person Gesundheitsfragen beantwortet werden.

Die Mitarbeiter erhalten von der Krankenversicherung nach Policierung jeweils einen eigenen Versicherungsschein inkl. aller Unterlagen nach VVG wie z.B. Versicherungsbedingungen. Der Arbeitgeber erhält vom bKV Anbeiter monatliche Übersichtslisten.

Arztrechnungen senden die Mitarbeiter direkt an die Versicherungsgesellschaft zur Erstattung, die unmittelbar mit den Arbeitnehmern korrespondiert und abrechnet. Der Arbeitgeber erfährt also keine Gesundheitsdaten von den Arbeitnehmern und hat auch keinen administrativen Aufwand.

Beim Ausscheiden bzw. Neueintritt von Mitarbeitern werden die Verträge nach Meldung durch den Arbeitgeber entsprechend angepasst. Ausscheidende Mitarbeiter können die Verträge auf eigene Rechnung fortführen, die Tarife werden dann entsprechend angepasst.

Betriebliche Krankenversicherung – Kosten

Beispiel Betriebliche KrankenversicherungHier als Beispiel die Kosten eines qualitativ guten bKV Anbieters pro Mitarbeiter für verschiedene Leistungsbausteine. Aus unserer Sicht besonders empfehlenswerte Bausteine sind fett markiert.

Leistungen im Einzelnen Monatsbeitrag
Ambulante Vorsorgeuntersuchungen: bestimmte Vorsorgeuntersuchungen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, werden zu 100 % erstattet. 5,00 EUR
Krankentagegeld: ab 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit je EUR KTG. 0,60 EUR
Arznei- und Verbandmittel, Sehhilfen und Pauschalkrankengeld: Erstattung von Zuzahlungen für Arznei- und Verbandmittel (bis 100 EUR pro Kalenderjahr), Erstattung einer Sehhilfe bis zu 220 EUR in zwei Kalenderjahren (erneut bei Sehschärfenänderung um 0,5 Dioptrien), Pauschalkrankengeld bei Arbeitsunfähigkeit von mehr als 42 Tagen i.H.v. 150 EUR (einmal innerhalb von fünf Kalenderjahren). 7,00 EUR
Zahnbehandlungen und Zahnprophylaxe: Kunststofffüllungen und Inlays (max. 500 EUR pro Kalenderjahr nach Abzug der Vorleistung der Krankenkasse), Zahnprophylaxe (max. 80 EUR pro Kalenderjahr) werden jeweils zu 100 % erstattet. 9,30 EUR
Zahnersatz Option 1: Verdoppelung des Festzuschusses der Krankenkasse für Zahnersatz; Implantate werden zu 100 % erstattet (maximal 500 EUR pro Implantat und 6 Implantate innerhalb von 10 Kalenderjahren). 11,30 EUR
Zahnersatz Option 2: Zahnersatz und Implantate werden zu 35 % erstattet (max. 90 % der gesamten Kosten inklusive Leistung der Krankenkasse, max. 1.000 EUR in den ersten beiden Kalenderjahren). 9,50 EUR
Krankenhausbehandlung Option 1: Kosten für Zweibettzimmer, privatärztliche Behandlungen und ambulante Operationen im Krankenhaus werden jeweils zu 100 % erstattet. 21,10 EUR
Krankenhausbehandlung Option 2 (Top-Schutz): Kosten für Ein- oder Zweibettzimmer, privatärztliche Behandlungen, ambulante Operationen im Krankenhaus, ambulante Aufnahme- und Abschlussuntersuchungen im Krankenhaus, allgemeine Krankenhausleistungen, die nach Vorleistung der Krankenkasse verbleiben, Transporte zum und vom Krankenhaus (nach Vorleistung der Krankenkasse, bis 250 EUR je Aufenthalt), Unterbringung und Verpflegung eines Elternteils bei Aufnahme eines versicherten Kindes bis zum vollendeten 10. Lebensjahr (Rooming-in) werden jeweils zu 100 % erstattet (auch über den Rahmen der GOÄ hinaus). Zahlung eines Krankenhaustagegeldes als Ersatzleistung, wenn Ein- oder Zweibettzimmer bzw. privatärztliche Behandlung nicht in Anspruch genommen werden (je 25 EUR). 28,40 EUR
Urlaubsreisen: ambulante und stationäre Heilbehandlungen, Zahnbehandlungen sowie Rücktransporte innerhalb der ersten 8 Wochen bei Urlaubsreisen im Ausland, reisemedizinische Beratung und Reiseschutzimpfungen bis zu 150 EUR pro Kalenderjahr werden jeweils zu 100 % erstattet. 2,30 EUR

Betriebliche Krankenversicherung – Steuern und Sozialabgaben

WICHTIG: lassen Sie sich bei der Wahl der für Ihr Unternehmen am besten geeigneten Art der Versteuerung von Ihrem Steuerberater beraten!

Zur individuellen Besteuerung beim Arbeitnehmer gibt es wie auf der folgenden Grafik beschrieben drei Alternativen:

steuerliche Behandlung betriebliche Krankenversicherung

Steuerliche Behandlung bKV (C) Allianz PKV 2016

Bis Ende 2013 konnte der Arbeitgeber auf Grundlage eines BFH Urteils vom 14.4.2011 die betriebliche Krankenversicherung bis zu einer Freigrenze von 44 EUR als steuer- und sozialversicherungsfreie Sachzuwendung gem. § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG verbuchen. Dies wurde durch einen Nichtanwendungserlass des BMF vom 10.10.2013 ausgeschlossen, der bKV Beiträge als „Barlohn“ bewertet. Ein solcher Erlass ist für Gerichte jedoch nicht bindend, das FG Sachsen hat z.B. in einem Urteil vom 16.3.2016 (AZ 2 K 192/16) die Beiträge als Sachlohn qualifiziert! Besonders „mutige“ Arbeitgeber könnten es also auf einen Rechtsstreit ankommen lassen.

Seit 2014 müssen Arbeitnehmer nach Ansicht der Finanzverwaltung auf den bKV-Beitrag als Gehaltsbestandteil grundsätzlich ganz normal Steuern und Sozialabgaben zahlen. Deshalb sind Arbeitnehmer (außer bei einer Nettolohnvereinbarung) in die Entscheidung mit einzubeziehen, d.h. diese müssen über die betriebliche Krankenversicherung hinreichend informiert werden und sollten damit auch einverstanden sein.

In allen drei der folgenden Varianten kann der Arbeitgeber seine Beiträge zu einer betrieblichen Krankenversicherung und bei ihm anfallende Steuern und Sozialabgaben gem. § 4 EStG als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen!

1. Geldwerter Vorteil – individuelle Versteuerung

Durch vom Arbeitgeber gezahlte Beiträge zur betrieblichen Krankenversicherung erhält der Arbeitnehmer indirekt Arbeitslohn und muss daher auf diese Beiträge Steuern zahlen. Die Sozialversicherungsabgaben werden wie beim Gehalt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt.

Rechenbeispiel individuelle Versteuerung

Steuerliche Behandlung betriebliche Krankenversicherung bkv Individualversteuerung

Individualversteuerung bKV (C) Allianz PKV 2016

Der addierte Gesamtaufwand für Arbeitnehmer und Arbeitgeber beträgt in diesem Beispiel vor Steuern 33,92 EUR. Aufgrund der steuerlichen Absetzbarbeit der Ausgaben beim Arbeitgeber beträgt der „Nettoaufwand“ für die bKV bei einem angenommenen Steuersatz von 40% nur noch 24,37 EUR.

2. Nettolohnvereinbarung / Nettolohnversteuerung (Empfehlung)

Der Arbeitgeber kann mit seinen Arbeitnehmern auch eine sog. „Nettolohnvereinbarung“ bezüglich des Beitrags zur betrieblichen Krankenversicherung treffen. Der Arbeitgeber übernimmt sämtliche auf den bKV-Beitrag entfallenden Steuern und Sozialabgaben (diese Übernahme stellt einen weiteren geldwerten Vorteil dar). Die Mehrbelastungen für den Arbeitgeber sind – je nach Tarifbeitrag – überschaubar.

Der große Vorteil der Nettolohnvereinbarung: für Arbeitnehmer ist die betriebliche Krankenversicherung damit sozusagen mit keinerlei Kosten verbunden, eine Zustimmung ist dann entbehrlich und die Durchführung einer obligatorischen bKV wesentlich vereinfacht.

Rechenbeispiel Nettolohnvereinbarung

steuerliche Behandlung betriebliche Krankenversicherung bkv nettolohnversteuerung Nettolohnvereinbarung

Nettolohnvereinbarung / Nettolohnversteuerung bKV (C) Allianz PKV 2016

Der addierte Gesamtaufwand für Arbeitnehmer und Arbeitgeber beträgt in diesem Beispiel vor Steuern 47,48 EUR. Aufgrund der steuerlichen Absetzbarbeit der Ausgaben beim Arbeitgeber beträgt der „Nettoaufwand“ für die bKV bei einem angenommenen Steuersatz von 40% nur noch 28,49 EUR, also nur rund 4 EUR mehr als in Variante 1.

3. Pauschalversteuerung nach § 40 Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 EStG

Bei der Pauschalversteuerung legt das zuständige Betriebsstättenfinanzamt auf Antrag des Arbeitgebers den individuellen Pauschalsteuersatz (zzgl. Soli und KiSt) fest. Dabei werden die Entgelte aller Mitarbeiter berücksichtigt. Voraussetzungen dafür sind:

  • es handelt sich um eine größere Anzahl von Mitarbeitern (mindestens 20)
  • bKV-Beitrag muss als halbjährlicher oder jährlicher Beitrag gezahlt werden
  • bKV-Beitrag darf je Arbeitnehmer nicht mehr als 1.000 €/Jahr betragen

Die Sozialversicherungsbeiträge auf nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 EStG pauschal versteuerte Beiträge zur betrieblichen Krankenversicherung teilen sich entweder Arbeitnehmer und Arbeitgeber wie bei normalem Gehalt bzw. Lohn. Alternativ kann der Arbeitgeber diese auch alleine übernehmen, dann entsteht dadurch wieder ein geldwerter Vorteil.

Rechenbeispiele Pauschalversteuerung

steuerliche behandlung betriebliche Krankenversicherung bkv Pauschalversteuerung

Pauschalversteuerung bkv (C) Allianz PKV 2016

Der addierte Gesamtaufwand für Arbeitnehmer und Arbeitgeber beträgt bei der Pauschalversteuerung im ersten Fall vor Steuern 38,61 EUR und im zweiten Fall 34,68 EUR. Aufgrund der steuerlichen Absetzbarbeit der Ausgaben beim Arbeitgeber beträgt der „Nettoaufwand“ für die bKV bei einem angenommenen Steuersatz von 40% im ersten Fall nur noch 23,17 EUR und im zweiten Fall 22,38 EUR.

Qualitätskriterien für eine betriebliche Krankenversicherung

Betriebliche KrankenversicherungVon den 42 Mitgliedsunternehmen des PKV-Verbandes bieten aktuell 15 eine betriebliche Krankenversicherung an (z.B. Allianz, Arag, Axa DBV, Barmenia, DKV, Hallesche, Gothaer, SDK, R+V, UKV, etc.).

Die Auswahl des „richtigen“ Anbieters und Tarifs hängt von einigen wichtigen qualitativen Kriterien ab:

  • Bonität und Kennzahlen des Anbieters
  • Wie leistungsstark sind die Tarife?
  • Welche Mindestanzahl von Versicherten ist erforderlich?
  • Werden Beiträge mit oder ohne Altersrückstellungen kalkuliert? (ohne Altersrückstellungen = günstiger)
  • Verzichtet der Anbieter auf eine Gesundheitsprüfung? (je nach Anbieter müssen dafür z.B. 90% der gesetzlich versicherten Mitarbeiter für die bKV angemeldet werden)
  • Sind laufende Versicherungsfälle mitversichert?
  • Ist der Beitrag für alle Arbeitnehmer altersunabhängig der gleiche?
  • Werden Wartezeiten generell erlassen?
  • Ist eine listenmäßige Anmeldung der Mitarbeiter zur Vereinfachung möglich?
  • Sind Familienmitglieder versicherbar und in welcher Form findet dann eine Gesundheitsprüfung statt?
  • Ist eine Beitragsbefreiung bei Ausfallzeiten möglich?
  • Verzichtet der Anbieter generell auf sein ordentliches Kündigungsrecht?

FAQ – Häufigste Fragen zur betrieblichen Krankenversicherung

Hier einige häufig gestellte Fragen (FAQ) zur betrieblichen KrankenVersicherung (basierend auf einer Ausarbeitung der Versicherungskammer Bayern).

F: Ab welcher Arbeitnehmerzahl ist eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) möglich?

A: Ein bKV-Vertrag kann je nach Anbieter bereits für Unternehmen ab einer Arbeitnehmerzahl von 5, 10 oder 20 Mitarbeitern (sozialversicherungspflichtig und gesetzlich krankenversichert) vereinbart werden

F: Wen muss die Firma zur bKV anmelden?

A: Anmeldepflichtig sind alle sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer der Firma, die in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind.

F: Können Mitglieder einer privaten Krankenversicherung auch zur bKV angemeldet werden?

A: Bei der bKV handelt es sich hauptsächlich primär um ein Angebot für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Für PKV-versicherte Mitarbeiter ist z.B. der Abschluss eines Krankentagegelds möglich.

F: Können freiwillige Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung auch zur bKV angemeldet werden?

A: Grundsätzlich ja. Freiwillige GKV Mitglieder sollten sich aber beraten lassen, ob der Wechsel in eine private Krankenversicherung mit umfassenderen Gesundheitsleistungen für sie sinnvoll ist.

F: Welche Personen können nicht zur bKV angemeldet werden?

A: Nicht für eine betriebliche Krankenversicherung angemeldet werden können

  • Auszubildende
  • geringfügig Beschäftigte (450 €-Kräfte)
  • Zeitrentner wegen voller Erwerbsminderung
  • Werkstudenten, Praktikanten

F: Kann innerhalb eines Unternehmens Versicherungsschutz in unterschiedlichem Umfang angeboten werden?

A: Bei größeren Unternehmen können verschiedene Gruppen mit unterschiedlichem Versicherungsschutz gebildet werden. Die Gruppen müssen nach objektiv definierten Kriterien voneinander abgrenzbar sein (z. B. nach Betriebszugehörigkeit) und jede Gruppe sollte mindestens 10 Teilnehmer umfassen. Die Gruppenbildungen sind nicht im Standard-Gruppenvertrag enthalten, sondern bedürfen einer individuellen Vereinbarung.

F: Was passiert, wenn ein Arbeitnehmer zu einem anderen Unternehmen wechselt?

A: Wenn ein Arbeitnehmer das Unternehmen verlässt, hat er innerhalb von 2 Monaten die Möglichkeit, seinen Versicherungsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung zu Einzelvertragskonditionen und auf eigene Kosten fortzuführen.

F: Was passiert mit dem bKV-Vertrag bei Renteneintritt?

A: Mitarbeiter, die aufgrund des Renteneintrittes das Unternehmen verlassen, können Ihren Versicherungsschutz zu bKV-Konditionen fortführen. Der Arbeitgeberanteil zur bKV wird dann vom Mitarbeiter selbst übernommen.

F: Kann ich meine bereits bestehende Krankenzusatzversicherung auf bKV-Konditionen umstellen?

A: Die Umstellung einer bereits bestehenden, gleichwertigen Krankenzusatzversicherung beim gleichen Anbieter (!) auf bKV-Konditionen kann ohne Einhaltung von Fristen vorgenommen werden wenn der Arbeitgeber vorher einen entsprechenden Gruppenvertrag abgeschlossen hat. Es empfiehlt sich ggf. für den bestehenden Vertrag eine kostenpflichtige Anwartschaft aufrechtzuerhalten, damit bereits gebildete Alterungsrückstellungen nicht verloren gehen und der Vertrag nach Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis wieder zu Ursprungskonditionen reaktiviert werden kann.

F: Was ist mit einer bereits bestehenden Krankenzusatzversicherung – ist eine „Doppelversicherung“ möglich?

A: Soweit die „alte“ Krankenzusatzversicherung eines Mitarbeiters nicht beim neuen bKV-Anbieter besteht (siehe oben zur Umstellung auf bKV-Konditionen), ist mit der bKV-Gesellschaft zu klären, wie diese mit bestehenden Zusatzversicherungen umgeht. Manche Gesellschaften schließen diese kategorisch aus mit Formulierungen wie „Neben den im bKV-Vertrag vereinbarten Leistungen darf für den versicherten Mitarbeiter keine weitere Krankenversicherung mit gleichen oder ähnlichen Leistungen bei der DKV oder einem anderen privaten Krankenversicherer fortgesetzt oder abgeschlossen werden.“

Einige Anbieter akzeptieren solche Vorversicherungen, die dann zu höheren Leistungen für den Arbeitnehmer führen können (z.B. bei Zahnersatz) – allerdings können Arztkosten etc. natürlich nur bis max. 100% und nicht doppelt abgerechnet werden. Immer genehmigungspflichtig sind zusätzliche Verträge über ein Krankentagegeld gem. § 9 Ziff. 6 MB/KK.

F: Was geschieht mit einer bereits bestehenden privaten Zusatzversicherung bei Abschluss einer bKV – besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht ?

A: Nein, hier besteht kein außerordentliches Kündigungsrecht, der nächste ordentliche Kündigungstermin ist maßgeblich. Ggf. wird ein Mitarbeiter dann nach frühestmöglicher Kündigung der bestehenden Zusatzversicherung nachträglich in den Gruppenvertrag aufgenommen.

Statt einer Kündigung ist ggf. die Umstellung der bestehenden Krankenzusatzversicherung in einen Anwartschaftstarif empfehlenswert, damit bereits gebildete Alterungsrückstellungen nicht verloren gehen und der Vertrag nach Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis wieder zu Ursprungskonditionen reaktiviert werden kann.

WICHTIG: Mitarbeiter mit bestehenden Krankenzusatzversicherungen sollten vergleichen, ob eine neue betriebliche Krankenversicherung einen ähnlichen Leistungsumfang bietet bzw. zu den persönlichen Anforderungen passt, um sich leistungsmäßig nicht zu verschlechtern wenn sie eine bestehende Versicherung kündigen oder in eine Anwartschaft umstellen.

F: Wie wird bei der arbeitgeberfinanzierten bKV mit dem Thema Doppelversicherung umgegangen?

A: Die Gesellschaften prüfen bei der listenmäßigen Anmeldung der Mitarbeiter nicht, ob diese bereits einen bestehenden, ggf. identischen Versicherungsschutz haben. In der Regel besteht jedoch eine Pflicht, diesen anzugeben. Sollte dies der Fall sein, dann können solche Arbeitnehmer gegen Nachweis des frühestmöglichen Kündigungszeitpunktes in den Gruppenvertrag aufgenommen werden, sofern der bKV Anbieter eine Doppelversicherung ausschließt (s.o.).

F: Können meine Familienangehörigen im bKV-Vertrag mitversichert werden?

A: Ehepartner oder der Lebensgefährte in häuslicher Gemeinschaft sowie Kinder bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres erhalten auf Antrag (je nach Tarif mit oder ohne Gesundheitsprüfung) und auf Kosten des Angestellten ebenfalls die günstigen bKV-Konditionen. Ist der Arbeitgeber bereit, die Kosten für Familienangehörige voll zu übernehmen, gelten u.U. die gleichen Sonderkonditionen wie für Mitarbeiter (z.B. keine Gesundheitsprüfung).

F: Was ist zu beachten, wenn ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird?

A: Der neue Arbeitnehmer muss innerhalb von zwei Monaten ab Beschäftigungsbeginn bzw. nach Ablauf der Probezeit angemeldet werden. Der tatsächliche Versicherungsbeginn kann daher vom Einstellungsdatum abweichen, z. B. durch Vereinbarung erst nach der Probezeit oder unter Berücksichtigung von Kündigungsterminen individueller Krankenzusatzversicherungen bei einer anderen Gesellschaft

F: Wie sieht die lohnsteuerliche Behandlung von Arbeitgeberbeiträgen zu einer bKV aus?

A: Siehe oben. Zahlt der Arbeitgeber die Beiträge zur bKV, aus welcher der Arbeitnehmer leistungsberechtigt ist, gehören die Versicherungsbeiträge grundsätzlich als geldwerter Vorteil zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. Für den Arbeitgeber stellen die betrieblich veranlassten Beiträge zur bKV sowie eine ggf. übernommene Lohnsteuer und / oder übernommene Sozialversicherungsbeiträge Betriebsausgaben dar, die steuerlich abzugsfähig sind.

F: Wie lange bindet sich der Arbeitgeber an diese Sozialleistung?

A: Grundsätzlich kann der Arbeitgeber gem. der im Vertrag enthaltenen Bestimmungen die bKV mit den entsprechenden Fristen kündigen. Inwieweit die durch die bKV entstandene Zusage an die Mitarbeiter zurückgenommen werden kann hängt u.a. von der Art und Weise der innerbetrieblichen Umsetzung ab. Generell kann eine bKV wie jede gewährte Sozialleistung bzw. Sachleistung behandelt werden. Wurde die bKV innerbetrieblich mit einer Betriebsvereinbarung „begleitet“, kann auch diese gem. der dort vereinbarten Regularien entsprechend gekündigt werden. Wurde die bKV „einseitig“ (ohne Betriebsvereinbarung) seitens des Arbeitgebers den Arbeitnehmern als Sozialleistung zugesagt, kann diese Zusage auch gem. der in der Zusage enthaltenen Regularien zurückgenommen werden. Hier ist jedoch unter Umständen der Sachverhalt der „betrieblichen Übung“ zu berücksichtigen.

F: Erfolgt eine Risikoprüfung, wenn Mitarbeiter bei dem vom Arbeitgeber ausgewählten Anbieter einen höherwertigen Tarif, als den für alle vorgesehenen, abschließen möchten.

A: Zunächst muss i.d.R. eine vom Anbieter vorgegebene Mindestanzahl von Hauptversicherten erreicht sein (z.B. 10), die sich für einen höherwertigen Tarf entscheiden. Eine Risikoprüfung erfolgt dann nicht, wenn diese Anzahl von Hauptversicherten sich innerhalb von 3 Monaten nach Abschluss des Gruppenvertrages (Aktionszeitraum) für den gleichen höherwertigen Tarif entscheiden und die Betriebsgröße passend ist.

F: Hat die Firma die Möglichkeit, nicht alle Arbeitnehmer anzumelden?

Ja, sofern die je nach Anbieter vorgegebene Mindestzahl bzw. der Mindestprozentsatz (z.B. 90%) von Arbeitnehmern erreicht wird. Teils wird auch verlangt, dass alle Arbeitnehmer in einem Tarif angemeldet werden.

F: Wie lange können Kinder in den bKV Tarifen mitversichert sein?

A: Siehe oben.

F: Was passiert mit dem bKV Tarif, wenn die versicherte Person in Elternzeit geht?

Wenn der AG den Beitrag weiterhin voll übernimmt läuft der Vertrag unverändert weiter. Ansonsten besteht die Möglichkeit, den Versicherungsschutz auf eigene Kosten fortzuführen. Manche Anbieter / Tarife führen bei Elternzeit, Pflege- und Familienzeit sowie längerer Arbeitsunfähigkeit den Vertrag beitragsfrei fort.

F: Was passiert mit dem bKV Tarif der versicherten Person, wenn die Firma in Insolvenz geht?

Wenn der Gruppenvertrag aufgrund Insolvenz außerordentlich beendet wird, können die Mitarbeiter die Versicherung auf eigene Kosten als Einzelversicherung fortführen.

F: Was passiert, wenn eine Firma nach Vertragsabschluss unter Mindestanzahl von Mitarbeitern einer bKV fällt? Wird der Vertrag dann aufgelöst?

Bei dauerhafter Unterschreitung der Mindestversichertenanzahl ist der Anbieter berechtigt, den Gruppenvertrag zu kündigen. Falls der Gruppenvertrag beendet wird, hat der Mitarbeiter das Recht, die Versicherung auf eigene Kosten als Einzelversicherung fortführen.

F: Kann bei einer finanziellen Notlage des Arbeitgebers die bKV in eine rein vom Arbeitnehmer finanzierte bKV umgewandelt werden?

Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, ist dies möglich. In diesem Fall sollte der Arbeitgeber den Anbieter ansprechen, um eine Lösung zu finden. Falls der Gruppenvertrag beendet wird, hat der Mitarbeiter das Recht, die Versicherung auf eigene Kosten als Einzelversicherung fortführen.

F: Kann ein Arbeitnehmer seinen bKV-Tarif nach seinem Ausscheiden beim Arbeitgeber fortführen?

Ja, jeder Mitarbeiter hat das Recht, die Versicherung bei Ausscheiden aus dem Gruppenvertrag zu den Konditionen der Einzelversicherung fortzuführen. Die Beiträge zahlt er dann selbst.

F: Ändern sich die Beiträge abhängig vom Alter?

Die meisten bKV-Tarife sind ohne Alterungsrückstellungen kalkuliert. Manche Anbieter kalkulieren mit unterschiedlichen Altersgruppen, dann erhöht sich der Beitrag mit Beginn des Monats, in dem ein Versicherter eine neue Altersstufe erreicht. Sind diese Altersgruppen weit gefasst (z.B. 16-67) ändert sich der Beitrag während des Arbeitslebens nicht.

F: Können Angehörige eine selbst bezahlte bKV abschließen?

Ja, bKV kann auch für Angehörige (Ehegatten, Lebenspartner, Kinder bis 27 Jahre) auf eigene Kosten abgeschlossen werden, dann jedoch häufig nur mit Gesundheitsprüfung.

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