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Ob Sie nach einer Operation im Vierbettzimmer liegen oder im Einbettzimmer, ob Sie der diensthabende Assistenzarzt operiert oder ein Chefarzt mit Tausenden Eingriffen Erfahrung – im Krankenhaus entscheidet das nicht der Zufall, sondern Ihr Versicherungsschutz. Gerade hier, bei ernsten Erkrankungen und größeren Eingriffen, zeigt sich, was ein Tarif wirklich taugt. Dieser Beitrag erklärt, welche Leistungen Ihre Krankenversicherung im Krankenhaus übernimmt, was eine Chefarztbehandlung kostet und woran Sie einen guten Tarif von einem lückenhaften unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chefarztbehandlung und Ein- oder Zweibettzimmer sind Wahlleistungen – die gesetzliche Krankenkasse zahlt sie nicht.

  • Wahlärztliche Leistungen werden nach der GOÄ mit dem 2,3- bis 3,5-fachen Satz abgerechnet. Bei einer mehrtägigen Operation summiert sich das schnell auf einen vierstelligen Betrag.

  • Als gesetzlich Versicherter ohne Zusatzversicherung sind Sie Selbstzahler – ein Krankenhaustag mit Chefarzt kann mehrere Hundert Euro kosten.

  • Gute PKV-Tarife übernehmen Wahlarzt, Wunschzimmer, Honorarvereinbarungen, Reha und Privatkliniken. Schwache Tarife haben hier Lücken.

  • Auf drei Tarif-Fallen achten: gemischte Anstalten, kurze Meldefristen und der Reha-Ausschluss.

Gesetzlich oder privat: der Unterschied im Krankenhaus

In den allgemeinen Krankenhausleistungen (dem „GKV-Standard“) ist die Behandlung durch den diensthabenden Arzt enthalten – im Zweifel ein vom Nachtdienst übermüdeter Assistenzarzt, der mit der konkreten Operation noch wenig Erfahrung hat. Dazu kommt die Unterkunft im Mehrbettzimmer, also das intensive Miterleben des Privatlebens fremder Zimmernachbarn. Diese Leistungen sind bei staatlich zugelassenen Krankenhäusern für gesetzlich und privat Versicherte gleich – sie werden über Fallpauschalen vergütet.

Den Unterschied machen die Extras. Bei Privatversicherten übernimmt die Krankenversicherung im Krankenhaus – je nach Tarif – eine ganze Reihe von Wahlleistungen: die Behandlung durch einen selbst gewählten, spezialisierten Arzt sowie die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Wie weit dieser Schutz reicht, regeln allein die Tarifbedingungen. Eine erste Orientierung gibt unsere Übersicht zur privaten Krankenversicherung und zu den PKV-Auswahlkriterien.

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Chefarzt- und Wahlarztbehandlung

Was bedeutet „Chefarztbehandlung“?

„Chefarztbehandlung“ – korrekt: wahlärztliche Leistung – heißt, dass Sie sich Ihren Behandler oder Operateur selbst aussuchen können. Oft ist das tatsächlich der Chefarzt, manchmal aber auch ein Oberarzt mit mehr spezifischer Operationserfahrung. Sehr selten ist es der gerade diensthabende junge Assistenzarzt, der „zum ersten Mal einen Bauch aufschneidet“.

Operation Chefarzt Wahlarzt Krankenhaus

In der Beratung begegnet uns manchmal das Vorurteil, Chefärzte seien „alt und tatterig und operieren kaum noch“. Einspruch: Wir betreuen viele Chefärzte, und jeder trägt die Bezeichnung „Chef“ zu Recht – weil er die größte Erfahrung hat, die meisten Eingriffe ausgeführt hat und bei ihm das Fehlerrisiko am geringsten ist. Jeder Chefarzt war vorher Oberarzt und wird mit dem Titel nicht über Nacht senil. Ein neues Hoch bei vermuteten Behandlungsfehlern unterstreicht, warum die freie Arztwahl im Krankenhaus so wichtig ist: Wer operiert wird, möchte nicht vom Dienstplan abhängen, sondern gezielt den erfahrensten Operateur wählen können. Mehr dazu auch unter Wahlarzt im Krankenhaus – Chefarzt oder Oberarzt.

Was kostet eine Chefarztbehandlung?

Eine Chefarztbehandlung wird nicht pauschal pro Tag abgerechnet, sondern über einzelne ärztliche Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Jede Leistung hat einen Einfachsatz, der je nach Schwierigkeit und Aufwand mit einem Steigerungsfaktor multipliziert wird – üblich ist das 2,3- bis 3,5-fache. Höhere Faktoren sind möglich, müssen aber schriftlich begründet und in einer gesonderten Honorarvereinbarung festgehalten werden.

Eine Besonderheit bei stationärer Behandlung: Die wahlärztliche Rechnung wird um 25 Prozent gemindert, weil Sach- und Personalkosten bereits über die Fallpauschale des Krankenhauses abgegolten sind. Sie zahlen diese Anteile also nicht doppelt. Zieht der Chefarzt einen niedergelassenen Arzt hinzu, beträgt der Abschlag 15 Prozent.

SituationGrobe Größenordnung der ärztlichen Wahlleistung
Behandlungstag mit Visite, Untersuchung, kleinerem Eingriffca. 400–600 €
Tag mit größerer Operation oder intensivmedizinischer Betreuungca. 1.000–2.000 €
Mehrtägiger Aufenthalt mit OP und täglicher Chefarztbetreuungschnell vierstellig (mehrere Tausend Euro)
Ein- oder Zweibettzimmer (separate Wahlleistung)ca. 100–200 € pro Tag
Beispielhafte Größenordnungen – keine Festpreise. Die tatsächliche Abrechnung erfolgt leistungsbezogen nach GOÄ.

Wichtig: Eine Wahlleistungsvereinbarung muss vor Behandlungsbeginn schriftlich geschlossen werden (§ 17 KHEntgG). Eine Rückdatierung ist nicht zulässig, und das Zimmer wird stets getrennt vom Chefarzt abgerechnet – beides sind eigenständige Wahlleistungen.

Chefarztbehandlung als Kassenpatient – ohne Zusatzversicherung

Auch als gesetzlich Versicherter können Sie eine Chefarztbehandlung wählen – die gesetzliche Kasse übernimmt die Mehrkosten dann aber nicht. Ohne stationäre Zusatzversicherung sind Sie Selbstzahler und müssen die GOÄ-Rechnung komplett aus eigener Tasche begleichen. Bei einem längeren Aufenthalt mit Operation sind das schnell mehrere Tausend Euro.

Es gibt eine wichtige Ausnahme: Ist der Chefarzt der einzige Mediziner im Haus mit der für Ihren Fall nötigen Fachkenntnis, gilt seine Behandlung als allgemeine Krankenhausleistung – dann zahlt auch die gesetzliche Kasse. Diese Konstellation ist allerdings selten und lässt sich vorab kaum verlässlich planen.

Ist eine Chefarztbehandlung sinnvoll?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten – es kommt auf den Eingriff an. Bei einer Routine-Operation wie einer Gallenblasenentfernung operiert ein erfahrener Oberarzt in aller Regel ebenso sicher wie der Chefarzt. Bei komplexen, seltenen oder risikoreichen Fällen sieht die Sache anders aus.

Unterbringung: Ein- oder Zweibettzimmer

Die Wahl des Zimmers ist mehr als eine Komfortfrage. Wer ungestört schläft und nicht das Privatleben mehrerer Zimmernachbarn miterlebt, erholt sich nachweislich besser – und ein eigenes Zimmer senkt zudem das Risiko, sich mit Krankenhauskeimen anzustecken. Hintergründe dazu finden Sie unter Ungestört gesund werden im Krankenhaus.

Das Ein- oder Zweibettzimmer ist eine eigenständige Wahlleistung und wird getrennt von der ärztlichen Behandlung abgerechnet – als Selbstzahler je nach Klinik mit etwa 100 bis 200 Euro pro Tag. In der PKV ist der Umfang im Tarif geregelt: Manche Tarife sehen das Einbettzimmer vor, andere nur das Zweibettzimmer, wieder andere zahlen einen festen Zuschuss.

Tarif-Fallen im Krankenhaus

An drei Stellen trennt sich im Krankenhaus die Spreu vom Weizen. Gute Anbieter verzichten auf die folgenden Einschränkungen – schwache Tarife nicht.

Honorarvereinbarungen über dem GOÄ-Höchstsatz

Bei komplizierten Operationen schließen Arzt und Patient mitunter eine individuelle Honorarvereinbarung ab, die über den GOÄ-Höchstsatz hinausgeht. Gute Tarife übernehmen diese Mehrkosten ohne Begrenzung auf die Höchstsätze. Wer hier eine Deckelung im Tarif hat, bleibt im Ernstfall auf der Differenz sitzen (siehe auch Gebührenordnung).

Gemischte Anstalten

Ein Krankenhaus, das freie Zimmer etwa für Reha-Maßnahmen mitnutzt, wird zur sogenannten gemischten Anstalt im Sinne von § 4 Abs. 5 MB/KK. Rund ein Drittel der deutschen Krankenhäuser hat diesen Status – von außen ist das für Patienten nicht erkennbar. Eine Liste führt der PKV-Verband.

Meldefristen

Einen Krankenhausaufenthalt müssen Sie nach § 9 Abs. 1 MB/KK innerhalb von 10 Tagen melden, sonst riskieren Sie die Erstattung. Im Krankenhaus hat man verständlicherweise andere Sorgen – gute Anbieter verzichten deshalb auf starre Meldefristen.

Weitere stationäre Leistungen

Kur, Sanatorium und Rehabilitation

Nach § 5 Abs. 1 d) MB/KK übernimmt die PKV normalerweise keine Kosten für präventive Kur- und Sanatoriumsbehandlungen sowie für Reha-Maßnahmen (Anschlussheilbehandlung). Springt kein Sozialversicherungsträger ein – also etwa nicht bei Mitgliedern eines Versorgungswerks, bei Selbstständigen, Studenten oder Rentnern –, kann es teuer werden: Neun Wochen Reha nach einem Herzinfarkt mit einem Tagessatz von 550 Euro summieren sich auf 34.650 Euro, die Sie allein tragen. Gute Tarife übernehmen diese Kosten. Mehr dazu auf unserer Seite Versorgungswerk und Krankenversicherung.

Stationäre Psychotherapie

Auch die Absicherung stationärer psychischer Erkrankungen unterscheidet sich von Tarif zu Tarif erheblich – von der Anzahl der erstatteten Behandlungstage bis zur Frage, ob die Klinik gemischte Anstalt ist. Worauf Sie achten sollten, lesen Sie ausführlich auf unserer Seite zur Psychotherapie.

Kostenübernahme in Privatkliniken

Privatkliniken unterliegen nicht der Bundespflegesatzverordnung, dem Krankenhausfinanzierungsgesetz oder dem Krankenhausentgeltgesetz. Sie können ihre Vergütung relativ frei vereinbaren – nur durch eine dem „Wucher“ ähnliche Grenze beschränkt. Entscheidend ist deshalb, dass Ihr Tarif Behandlungen in Privatkliniken bei den allgemeinen Krankenhausleistungen gemäß § 4 Abs. 4 MB/KK uneingeschränkt versichert und die gesondert berechenbaren Wahlleistungen ohne Begrenzung übernimmt.

Fazit

Im Krankenhaus zeigt sich, ob ein Tarif sein Geld wert ist. Wahlarzt und Wunschzimmer sind das, was die meisten unter „guter Versorgung“ verstehen – doch entscheidend sind die unscheinbaren Details: keine Deckelung bei Honorarvereinbarungen, Schutz auch in gemischten Anstalten, keine starren Meldefristen und volle Reha-Erstattung. Genau diese Punkte trennen leistungsstarke von lückenhaften Tarifen, und genau hier lohnt sich der Vergleich.

Welcher Tarif für Ihre Situation passt, hängt von Beruf, Alter und Gesundheitszustand ab. In unserer Beratung zur privaten Krankenversicherung prüfen wir die Krankenhaus-Leistungen Ihres Wunschtarifs im Detail – als von Finanztip empfohlene Spezialisten mit über 6.100 Kundenbewertungen.

Was kostet eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus?

Es gibt keinen Pauschalpreis. Abgerechnet wird leistungsbezogen nach der GOÄ mit dem 2,3- bis 3,5-fachen Satz, abzüglich 25 Prozent bei stationärer Behandlung. Ein Behandlungstag mit kleinerem Eingriff liegt grob bei 400 bis 600 Euro, ein Tag mit größerer Operation schnell bei 1.000 bis 2.000 Euro. Über einen mehrtägigen Aufenthalt summiert sich das leicht in den vierstelligen Bereich.

Ist eine Chefarztbehandlung sinnvoll?

Bei komplexen, seltenen oder risikoreichen Eingriffen ja – hier zählt maximale Erfahrung. Bei Routineoperationen operiert ein geübter Oberarzt meist ebenso sicher, sodass der Aufpreis nicht zwingend einen medizinischen Mehrwert bringt. Entscheidend sind Art und Schwere des Eingriffs.

Was zahlt man als Kassenpatient für eine Chefarztbehandlung?

Als gesetzlich Versicherter ohne Zusatzversicherung sind Sie Selbstzahler und tragen die komplette GOÄ-Rechnung selbst – je nach Eingriff mehrere Hundert bis mehrere Tausend Euro. Die gesetzliche Kasse zahlt Wahlleistungen grundsätzlich nicht. Eine stationäre Zusatzversicherung kann diese Mehrkosten abdecken.

Geht eine Chefarztbehandlung auch ohne Zusatzversicherung?

Ja, wählen können Sie sie immer – Sie müssen die Kosten dann aber selbst tragen. Eine Ausnahme gilt, wenn ausschließlich der Chefarzt über die nötige Fachkenntnis für Ihren Fall verfügt: Dann zählt seine Behandlung als allgemeine Krankenhausleistung, die auch die gesetzliche Kasse übernimmt.

Wo steht in meinem PKV-Tarif, ob ich ein Ein- oder Zweibettzimmer habe?

In den Tarifbedingungen bzw. in der Leistungsübersicht Ihres Tarifs, meist unter „Unterkunft“ oder „Wahlleistung Unterbringung“. Dort ist geregelt, ob Sie Anspruch auf ein Ein- oder Zweibettzimmer haben oder einen Zuschuss erhalten. Klären Sie das am besten vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt – im Zweifel mit einer kurzen Nachfrage bei Ihrem Versicherer.

Was sind allgemeine Krankenhausleistungen?

Das ist die medizinisch notwendige Regelversorgung: Behandlung durch den diensthabenden Arzt und Unterbringung im Mehrbettzimmer. Sie wird über Fallpauschalen vergütet und ist für gesetzlich wie privat Versicherte gleich. Alles darüber hinaus – Wahlarzt, Wunschzimmer – sind kostenpflichtige Wahlleistungen.

Was ist eine gemischte Anstalt?

Ein Krankenhaus, das auch Kur- oder Reha-Leistungen anbietet (§ 4 Abs. 5 MB/KK). Rund ein Drittel der deutschen Häuser fällt darunter. In diesen Kliniken darf die PKV nach freiem Ermessen über die Kostenübernahme entscheiden – holen Sie sich daher vor der Einlieferung eine schriftliche Zusage. Gute Tarife verzichten auf diese Einschränkung.

Muss ich einen Krankenhausaufenthalt der PKV melden?

Viele Tarife verlangen eine Meldung innerhalb von 10 Tagen (§ 9 Abs. 1 MB/KK). Wird die Frist versäumt, kann die Erstattung gefährdet sein. Leistungsstarke Anbieter verzichten auf solche starren Meldefristen – ein Punkt, den Sie beim Tarifvergleich prüfen sollten.

Letztes Update:
Dr. Berndt Schlemann
Autor: Dr. Berndt SchlemannGeschäftsführer, Volljurist
Seit 2005 berate ich anspruchsvolle Kunden als unabhängiger Finanzberater und Versicherungsmakler. Meine Spezialgebiete sind die Beratung zu privater Krankenversicherung, Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und steueroptimierter Altersvorsorge. Von meiner Ausbildung her bin ich Volljurist mit zwei bayerischen Prädikatsexamen, juristischer Promotion in Saarbrücken und Zusatzqualifikation im Steuerrecht.

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