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Verteuerungsrisiko in der BU – Wie wichtig ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettobeitrag? Übersicht über das Verteuerungsrisiko.

Das „Verteuerungsrisiko“ beschreibt den Unterschied (auch „Spread“ oder „Beitragsspanne“ genannt) zwischen dem vertraglich vereinbarten Bruttobeitrag und dem durch Verrechnung von (unsicheren) Überschüssen entstehenden Zahl- oder Nettobeitrag. Doch wie wichtig ist das „Verteuerungsrisiko“ in der BU?

Das Wichtigste zum Verteuerungsrisiko in Kürze
  • Das Verteuerungsrisiko ist ein wichtiger qualitativer Faktor einer BU, da eine geringe Spanne das Risiko von künftigen Beitragssteigerungen minimiert.

  • Wir halten eine Beitragsspanne von max. 35% für angemessen.

  • Weitere Bilanzkennzahlen sollten bei der Bewertung des Verteuerungsrisiko jedoch noch berücksichtigt werden, bspw. die Eigenkapitalquote.

Wirtschaftet eine Gesellschaft in kommenden Jahren „schlechter“ mit dem Geld ihrer Kunden, kann sie den Nettobeitrag bis zum Bruttobeitrag erhöhen. In den letzten Jahren haben einige Anbieter, wie bspw. die WWK, von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Kunden zahlten danach ca. 35% mehr für ihre BU. Auch die Proxalto hat die Beiträge in der BU nach Aufkauf der Bestände der AachenMünchener Lebensversicherung um ca. 20% erhöht. Daher ist das Verteuerungsrisiko aus unserer Sicht ein wichtiger Faktor, denn Sie sollten sich auch auf die Stabilität Ihres Beitrags verlassen können.

Die qualitativ besten BU-Tarife sollten eine Beitragsspanne von max. 35% nicht überschreiten. Gesellschaften mit einem besonders hohen Verteuerungsrisiko über 60% wie HUK-Coburg, Continentale, Generali und Europa, werden eine „Autoklasse“ herabgestuft.

Das Verteuerungsrisiko wurde im August 2022 mit folgenden Parametern berechnet: Beruf: Assistenzarzt, Geburtsdatum: 01.01.1992, Endalter 67, 3% garantierte Rentensteigerung, BU-Rentenhöhe 2.500 EUR pro Monat. Hier die Formel am Beispiel HUK-Coburg: Differenz aus Brutto- und Nettobeitrag (195,07 EUR – 117,02 EUR = 78,05 EUR) geteilt durch Nettobeitrag 117,02 EUR = 67%. Der Kunde hat bei der HUK-Coburg also das Risiko, rund 67% seines aktuellen Nettobeitrags mehr zu zahlen. Damit sind die HUK und Continentale Spitzenreiter beim Verteuerungsrisiko! Das Verteuerungsrisiko kann bei manchen älteren Verträgen noch höher liegen. So lag der Brutto-Beitrag bei der Deutsche Ärzteversicherung / DÄV bis Ende des Jahres 2020 in unserem Beispiel bei 300,47 EUR, der Netto-Beitrag bei 175,77 EUR. Damit lag das Verteuerungsrisiko bei 70,9% und damit weit über dem Durchschnitt in der Branche!

Übersicht über das Verteuerungsrisiko verschiedener BU-Anbieter

Hier eine Übersicht der Verteuerungsrisiken verschiedener BU-Anbieter:

Verteuerungsrisiko deutscher BU-Versicherer
Verteuerungsrisiken deutscher BU-Versicherer (Stand 8/2022)

Zu Verteuerungsrisiko und Berechnungsformel siehe auch den hier verlinkten Procontra Artikel „BU-Anbietervergleich: Verteuerungsrisiko und Rentensteigerung“. Interessant ist die Entwicklung des Verteuerungsrisikos der dort aufgeführten Gesellschaften seit 2016. Manche wie Alte Leipziger, Nürnberger oder WWK haben das Verteuerungsrisko deutlich gesenkt, bei der Deutsche Ärzteversicherung hat es sich von 63% auf 71% noch weiter verschlechtert. Die Differenz wurde dort zwar zwischenzeitlich in neueren Tarifen wieder reduziert, ist in 08/2022 mit rd. 56% aber weiterhin eine der höchsten am Markt. Nutzen Sie hierfür unseren BU-Check!

Der Marktdurchschnitt beim Verteuerungsrisiko lag 2022 bei 43% (s.o.). Bei den von uns primär bevorzugten Gesellschaften liegt er per 8.2022 bei 32,2%.

Für die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Verteuerung der BU durch eine Erhöhung des Nettobeitrags sind weitere Bilanzkennzahlen hilfreich, aus denen sich die Profitabilität und finanzielle Stabilität einer Gesellschaft ableiten lässt:

Anders gesagt: Bei einem finanziell schwachen Versicherer mit geringer Eigenkapitalquote, niedriger Nettoverzinsung und hohen Verwaltungskosten sehen wir in Verbindung mit einer hohen Beitragsspanne eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Nettobeitrag künftig erhöht wird.

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