RTL Interview Studierendenanleihe 25.11.2014

Studierendenanleihe Uni Witten/Herdecke

RTL Interview Studierendenanleihe 25.11.2014Eine Studierendenanleihe mit 3,6% Zins hilft Studenten der Privat-Uni Witten/Herdecke bei der Studienfinanzierung. Für wen ist diese Anlage geeignet, wo liegen Risiken? RTL West hat Dr. Berndt Schlemann am 25.11.2014 als Experten interviewt (Sendung ca. eine Woche abrufbar hier in der RTL-West Mediathek). Nachfolgend eine genauere Analyse der Studierendenanleihe Witten/Herdecke.

Mehr zu Möglichkeiten der Studienfinanzierung auf unserer Seite Studienkredite. Unter Studium und Finanzen lesen Sie, welche finanziellen Themen für Studenten besonders wichtig sind.

Studierendenanleihe – eine gute Investition?

Anleger, die sich ab 1.000 EUR eine Studierendenanleihe kaufen, können damit in den nächsten 10 Jahren jährlich 3,6% Zins kassieren und tun gleichzeitig etwas Gutes – sie unterstützen Studenten beim Studium. Wie sieht es jedoch mit den Risiken dieses Investments aus? Für wen ist die Studierendenanleihe eine “gute” Investition?

Studienfinanzierung an der Privat-Uni Witten/Herdecke

Die Finanzierung des Studiums, noch dazu an einer Privat-Uni, ist für viele Studenten nicht so einfach. Je nach Studiengang belaufen sich die Kosten für ein Studium an der privaten Universität Witten/Herdecke auf 32.000 bis 65.000 EUR. Ein Medizinstudent zahlt dort bis zum Staatsexamen als “Sofortzahler” beispielsweise über 5 Jahre insgesamt 48.120 EUR.

Während des Studiums sind die Finanzen häufig knapp, während man nach dem Berufsstart als Akademiker oft ein überdurchschnittliches Einkommen erzielt. Der „Umgekehrte Generationenvertrag“, ein von der StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. entwickeltes kreatives Studienfinanzierungsmodell, löst diese Schieflage. Nach diesem Modell würde der Medizinstudent zunächst kostenlos studieren. Nach dem Berufseinstieg, d.h. sobald er über 21.000 EUR verdient, verpflichtet er sich, 10 Jahre lang 14% seines Einkommens zurückzuzahlen. Zu Details mit Beitragsordnung und Mustervertrag siehe “Die Beitragssätze“.

Studierendenanleihe Eine gute Idee, damit das Studium nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Studenten, die sich den Studienbeitrag jetzt leisten können – sei es über familiäres Sponsoring oder durch Nebenjobs – sollten jedoch genau kalkulieren, ob die Rechnung für sie wirklich aufgeht. Ab einem Einkommen von durchschnittlich 69.000 EUR in den ersten 10 Jahren wird der volle Höchstbeitrag von 96.240 EUR fällig, d.h. die Kosten des Studiums verdoppeln sich (ohne Berücksichtigung von Zinsen)!

Die Studierendenanleihe Witten/Herdecke – Anleger helfen Studenten

Aufgrund der großen Nachfrage nach diesem “umgekehrten Generationenvertrag” bringt die StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. jetzt zur Refinanzierung eine Anleihe auf den Markt. Geldanleger können diese Schuldverschreibung (Wertpapierkennnummer / WKN A12UD9) ab einem Anlagebetrag von 1.000 EUR erwerben. Sie hat eine Laufzeit von 10 Jahren und garantiert jährlich 3,6% Zinsen. Details dazu können Sie hier auf der Seite StudierendenAnleihe nachlesen, inkl. Fact Sheet und Wertpapierprospekt mit weiteren Informationen.

Wie lohnend ist die Rendite der Studierendenanleihe Witten/Herdecke?

Ein Zinssatz von 3,6% wirkt angesichts des aktuellen Zinsniveaus für festverzinsliche Anlagen ansprechend. 10-jähriges Festgeld erzielt derzeit nur ca. 2,6% Zinsen – jedoch bei 100% Einlagensicherung bis 100.000 EUR. Andererseits werden auf dem Anlagemarkt auch alternative Investments (z.B. mittelbare Immobilien Investments) mit einer garantierten Verzinsung von 7,5% bei nur einem Jahr Laufzeit angeboten – ohne Einlagensicherung und mit einem verbleibenden Ausfallrisiko.

Für die Frage nach der Rentabilität der Studierendenanleihe Witten/Herdecke ist – wie bei jeder Geldanlage (siehe Vergleich Geldanlagen) – deshalb vor allem das zur Erzielung der Rendite eingegangene Risiko zu bewerten, auch im Verhältnis zur sehr langfristigen Bindung von 10 Jahren.

Risiken der Studierendenanleihe Witten/Herdecke

Der ausführliche Wertpapierprospekt zur Studierendenanleihe führt die mit dem Erwerb verbundenen Risiken offen und deutlich auf, vermutlich werden sich aber nur wenige Privatanlager die gesamten 160 Seiten durchlesen. Hier die aus unserer Sicht wichtigsten Risiken:

  • Ausfall der Forderung bei finanzieller Schieflage / Insolvenz der StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. als Emittentin.
  • Ausfallrisiko bei finanzieller Schieflage / Insolvenz der Universität Witten/Herdecke (die 2008 nur knapp an der Insolvenz entlangschrammte, siehe z.B. den hier verlinkten Bericht der FAZ vom 23.12.2008).
  • Unsicherheit, inwieweit die “Späterzahler” der Uni Witten/Herdecke nach dem Studium ihre Verbindlichkeiten zurückzahlen (können). Sollte sich z.B. das Renommée der Uni nachhaltig verschlechtern und deren Absolventen Probleme bei der Jobsuche bekommen, würde sich hier ein “Klumpenrisiko” verwirklichen.
  • Unsicherheit, ob und zu welchem Preis während der 10-jährigen Laufzeit ein Verkauf möglich ist, wenn der Anleger das Geld doch früher benötigt – es gibt dafür noch keinen “Zweitmarkt”.
  • Keine gesetzliche Einlagensicherung – damit ist im Extremfall ein Totalverlust möglich.
  • usw.

Jedes einzelne dieser Risiken hat vermutlich eine überschaubare Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Studierendenanleihe und ihre Rendite kann dennoch nicht einfach mit der Rendite einer Anlage in Festgeld verglichen werden – die Risiken sind deutlich höher.

Unser Fazit zur Studierendenanleihe Witten/Herdecke

Die Studierendenanleihe der StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. ist ein kreativer Weg, um das Gesamtkonzept “Umgekehrter Generationenvertrag” nachhaltig zu finanzieren und damit Studenten unahängig von ihren aktuellen finanziellen Mitteln ein Studium zu ermöglichen.

Ganz nüchtern finanziell betrachtet stehen die Risiken und die 10-jährige Bindung aus unserer Sicht in keinem ausgewogenen Verhältnis zur angebotenen Verzinsung von 3,6%. Für eine 70-jährige Rentnerin mit konservativer Anlagementalität wäre dies eher nicht die richtige Anlage – außer wenn sie ihre studierenden Enkel auf diese Weise indirekt unterstützen möchte.

Für sozial engagierte Anleger, die für die Unterstützung von Studenten bereit sind, gewisse Risiken einzugehen und die den investierten Betrag in den nächsten 10 Jahre nicht benötigen, kann die Studierendenanleihe eine sinnvolle Anlageform sein. In jedem Fall sollte nur ein kleinerer Teil des Vermögens in eine solche etwas exotischere Anlage investiert werden.

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